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Alibi - P6 - (Oneshot)

Titel: Alibib
Autor: unverdorben
Charaktere:
Bill, OFC
Rating: P6
Zusammenfassung: Bill ist nicht schwul. Er hat eine Freundin.
Disclaimer: Herr K. gehört sich selbst.








Ich bin das, was man gemeinhin als hübsch bezeichnet. Schulterlanges Haar, dunkelblond, Highlights, Pony. Dazu grüne Augen mit langen Wimpern. Zumindest dann, wenn ich sie ausreichend mit Wimpernzange und Mascara behandelt habe. 1,70 m groß, 53 kg. Schlank also. Ich sehe weder Mary-Kate noch Ashley besonders ähnlich, dafür gebe ich aber das perfekte Mädchen von nebenan ab. Ich habe Abitur, kann über beinahe jedes Thema Smalltalk halten und habe ein Schmetterlingstattoo auf dem linken Schulterblatt. Meine wilde Seite.

***

Ich presse meine Lippen  kurz aufeinander und lasse den Visagisten sein Werk begutachten. Er scheint zufrieden zu sein, trägt nur noch eine dünne Schicht Lipgloss auf und übergibt mich an Bill, der schon seit fünf Minuten an der Tür lehnt und wartet. Wortlos gehen wir nebeneinander den Gang entlang und die Treppe hinunter. Wortlos steigen wir zu den anderen Drei in den Van und wortlos sehe ich aus dem Fenster, während Bill und Georg sich leise unterhalten und Tom versucht, witzig zu sein. Wir sind alle müde. Es ist der fünfte Promotermin diese Woche und wir haben erst Mittwoch.

Noch während wir aussteigen, verflicht Bill seine Finger fest mit meinen und strahlt mich mit seinem einnehmendsten Lächeln an. Wie immer bin ich in den ersten Sekunden blind von den grellen Blitzen der Kameras und taub von dem Geschrei der Fans. Ich mache einen Kussmund in seine Richtung und wende mich selig lächelnd der Menge zu.

Ich habe was, das ihr nicht habt. Ich habe was, das ihr nie haben werdet. 25.000€ nämlich. Und noch einmal 10.000€, wenn alles ohne Zwischenfälle läuft.

Nach den ersten 10 Metern legt er seinen Arm um meine Taille. Versehentlich tiefer rutschen darf seine Hand frühestens in 2 Wochen. Bis dahin werde ich glücklich zu ihm aufsehen und meinen Kopf an seine Schulter lehnen. Genau wie jetzt. Ich kann die Eifersucht, das Entsetzen, den bloßen, verdammten Schmerz in Augen der Mädchen sehen, die sich vor dem Absperrgitter drängen, als er mich enger an sich zieht. Sie können es nicht fassen, sie können es einfach nicht fassen, ganz egal, wie weit sie ihre Augen aufreißen, wie laut sie schreien, wie oft sie die Interviews lesen, immer und immer wieder. Und jedes Mal zerreißt es sie, immer und immer wieder.

Sie tun mir Leid. Wie sollen sie auch wissen, dass die Schnallen an seiner Lederjacke sich unangenehm in meine Seite drücken? Die kleine Braunhaarige vor mir weint, ihr ganzes Gesicht schwimmt in Tränen und verlaufener Wimperntusche. Ihr Kreischen ist nur noch ein unartikuliertes Schluchzen und ihre Stirn glüht vor Kopfschmerzen und diesem einen Gedanken, mit dem sie ihren Verstand zermartert, immer und immer wieder. Warum?!

Sie tun mir Leid. Aber nur einen Moment lang. Am liebsten würde ich sie an den Schultern packen, jede Einzelne von ihnen, sie schütteln und anschreien. Was sind das für Kinder, die das Wort „Liebe“ im gleichen Satz mit einer Person verwenden, die ihnen die Bravo auf dem Silbertablett anbietet, schön zurechtgemacht und nach ihren Wünschen gewürzt? Was ist aus dem Wort „Liebe“ geworden, nachdem er mich damit bei jeder Gelegenheit in den ach so blauen Himmel gelobt hat? Eine leere Hülse, ein Ball, den er den Presseleuten zuwirft und den sie begierig auffangen. Das tut mir Leid.

Er könnte vor mir auf die Knie fallen, mir seine Liebe gestehen und es mit jeder Faser seines Herzens ehrlich meinen, ich würde ihm nicht glauben. Nicht, dass ich mir das wünschen würde. Alles, was mir lieb wäre, ist ein bisschen Gefühl, wenn er mir einen Kuss auf die Wange haucht oder mich am Buffet mit einem Bissen von seinem Teller füttert. Wenn er seine Hand beiläufig auf mein Knie legt und seinem Bruder eifersüchtige Blicke zuwirft. Wenn er abgeschminkt aus dem Badezimmer kommt und sich neben mich ins Bett legt. Wenn er mir eine Gute Nacht wünscht und mir den Rücken zudreht. Nur ein Hauch von Wärme, Sympathie oder wie auch immer man es nennen will. Aber Bill ist ein Profi. Er fasst mich nicht an, wenn keine Kameras in der Nähe sind, und gewisse Intimitäten sind ohnehin nicht vorgesehen. Selbstmorde wollte man dann doch keine provozieren.

Ich habe zu Hause einen Freund. Meiner Studiumsfinanzierung zuliebe offiziell mein Ex. Fabian. Er ist sieht nicht halb so gut aus wie Bill, aber er sieht mich an. Redet mit mir. Berührt mich, und zwar nicht nur meinen Körper.
Alles, was ich möchte, ist ein Lächeln, ein Seufzen, irgendetwas, das mir beweist, dass ich hier neben einem Menschen liege. Aber Bill ist Profi.

In einem Monat wird er wieder auf Tour gehen. Während dieser Zeit habe ich 53 Termine. Drei Mal werde ich ihm nachfliegen, bei meinem zweiten Besuch wird der Zungenkuss mit einem Kamerahandy gedreht werden und im Sommer werden ich mit ihm Schluss machen, weil ich seine ständige Abwesenheit nicht länger ertrage.

Genau genommen ertrage ich sie jetzt schon nicht mehr.</div></div>
Tags: [genre] het, [rating] p6, bill x ofc
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