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Bruderherzblut - P12 - (Oneshot)

Titel: Bruderherzblut
Autor: unverdorben
Charaktere:
Bill, Tom
Rating: P12
Genre/ Warnungen: Fluff(?) für rei17
Zusammenfassung: Wenn Bill sich überschlägt, überschlägt Tom sich zwangsläufig auch. Nur nicht unbedingt mit dem Auto.
Disclaimer: Die Herren K. gehören sich selbst.



Es ist wie Watte. Flauschig.

Nein.

Zuerst ist da die eine Sekunde, in der man sieht und merkt und weiß, was in der nächsten passieren wird. In der man auszuweichen versucht, obwohl es schon zu spät ist. Danach kommt das Schleudern, das Scheppern des Aufpralls, der Ruck, der einen fast aus dem Sitz reißt, und man hat keine Ahnung mehr, wo oben und unten ist. Man denkt nur daran, dass es eigentlich weh tun müsste, aber es ist wie Watte. Flauschig.

Schmerzhaft ist die Begegnung mit Tom eine knappe Stunde später. Er stürzt aus dem Auto, kaum dass es an der Unfallstelle zum Stehen gekommen ist, fegt an den Beamten vorbei und umarmt Bill so heftig, dass ihm die Rippen brennen. "Tom", sagt Bill. Tom krallt seine Finger in Bills Rücken. "Tom", sagt Bill wieder, atmet hörbar schwer und versucht ihn wegzustemmen. Tom presst ihn nur noch fester an sich. Bill kann seinen Herzschlag spüren, gut wattiert. "Lass mich los", faucht er ungeduldig und bäumt sich auf. Tom gibt endlich nach und weicht einen Schritt zurück. Weicht noch einen weiteren Schritt zurück, als er Bills Gesicht sieht. "Nein, es geht mir gut!", lacht Bill und dreht sich einmal um sich selbst. "Siehst du?"

"Ihr Bruder steht noch immer unter Schock", bemerkt der Polizist, der plötzlich neben Tom steht. "Er wurde untersucht, er ist unverletzt." Tom nickt, lässt seinen Bruder dabei nicht aus den Augen.

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Bill sitzt auf dem Sofa und lacht kein bisschen. Er hat die Beine angezogen und starrt auf die Kaffeetasse, aus der vor einer ganzen Weile feine Dampfschwaden aufgestiegen sind. Am anderen Ende der Couch liegt Sam, Toms Pointer, und beobachtet ihn mit pflichtbewusstem Hundeblick.


Sobald Bill zur Tür hereingekommen war, hatte er darauf bestanden, dass die Hunde Gassi gehen müssten. "Du wärst gerade beinahe gestorben, du kannst jetzt nicht mit vier Hunden raus", hatte Tom protestiert, aber Bill hatte sich nicht erweichen lassen. Nicht von Tom, nicht von Suki, der gar nicht aufhören wollte, seine Hand zu lecken, und auch nicht von der Tatsache, dass die Putzfrau die Leinen falsch aufgeräumt haben musste, denn Tom konnte einfach sie nicht finden.


"Sie müssen aber", hatte Bill gesagt und die Hände zu Fäusten geballt. Mitten im Flur hatte er gestanden und Suki war wie ein Wahnsinniger um ihn herum getanzt, winselnd, japsend, schwanzwedelnd.

"Ich gehe", hatte Tom schließlich nachgegeben, "ich gehe und du bleibst hier." Er hatte Bill ins Wohnzimmer verfrachtet, ihm eine Decke gebracht, den Fernseher angestellt und eine heiße Tasse Kaffee auf den Couchtisch gestellt. "Hast du noch Kippen? Feuer?" Bill hatte genickt.

Und Tom hatte die Leinen doch noch gefunden, Suki von seinem Herrchen weggezerrt und war gegangen. Bill hatte auf den Kaffee gestarrt, Findus war beim Angeln in den See gefallen und musste von Petterson wieder herausgefischt werden, und über das Parkett waren Hundekrallen geklickt. Sam hatte seine feuchte Nase gegen Bills Fuß gestupst und war auf das Sofa gesprungen, was er eigentlich nicht durfte. "Runter", hatte Bill befohlen. Sam hatte den Kopf erst schief und anschließend mit einem Seufzen auf seine Vorderpfoten gelegt


Der Kaffee ist kalt, aber Bill trinkt ihn trotzdem. Er legt beide Hände um den Becher, als könne er sich daran wärmen, und fixiert Sams zuckende Ohren. "Runter."

Sam schmatzt und gähnt ausgiebig.

Den nächsten, bitteren Schluck behält Bill lange im Mund. Wenn er einen Hund auf der Rückbank gehabt hätte. Oder Tom auf dem Beifahrersitz. Man bräuchte ein Schweißgerät, um jetzt noch an das Handschuhfach zu kommen. "Runter", zischt er Sam wieder zu. "Runter!"

Sam dreht den Kopf zum Bildschirm.

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Tom bringt Pommes und BigMacs ohne Fleisch mit, aber Bill hat keinen Hunger. Er verfüttert die Hälfte seines Essens an die Hunde, die andere lässt er genauso kalt werden wie den Kaffee. "Bist du müde?", fragt Tom. Nein, müde ist Bill nicht. Auch nicht durstig. Oder traurig. Er will einfach nur dasitzen und schauen.

Also sitzen sie und schauen, Bill auf den Couchtisch und Tom auf den Fernseher. Sam schläft zwischen ihnen, den Kopf in Toms Schoß. Tom hat vom Kinderkanal auf einen Spielfilm umgeschaltet, der unmöglich sein Geschmack sein kann. "Runter", sagt Bill zu Sam, aber Sam zuckt nicht einmal mit den Ohren. "Du kannst Suki hoch holen", meint Tom. "Ausnahmsweise. Für heute." Suki hebt den Kopf, als er seinen Namen hört, aber Bill ruft ihn nicht. Suki liegt, wo er hingehört: in seinem Korb. "Die Hunde machen das Sofa dreckig."

"Wir haben die Großen heute Morgen gebadet und Sam war gar nicht draußen, nur kurz im Garten."

"Kurz im Garten", wiederholt Bill anklagend. Tom streicht Sam über den Kopf und flüstert etwas in sein Ohr. Bill schnaubt und starrt wieder auf den Couchtisch. Auf der Glasplatte sind Schlieren. Wenn Glas birst, wird es schneeweiß. Lauter bizarre Eiskristalle blühen auf der Windschutzscheibe, riesengroß, und dann fällt alles in sich zusammen. Es sieht schön aus.

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Tom verfolgt ihn. Er geht ihm nach, als er sich ins Badezimmer verzieht, und sitzt auf dem Toilettendeckel, während Bill sich die Zähne putzt. "Du bist nicht zu schnell gefahren", sagt er. "Nein", antwortet Bill, vielleicht eine Spur zu scharf. Es war nicht seine Schuld und das hat er der Polizei genau erklärt. Und Tom und David. Und seiner Mutter und Georg und Gustav und allen und er kann es nicht mehr hören. Es reicht.

"Du hättest tot sein können."

Mit Zahnpastaschaum in den Mundwinkeln dreht er sich zu seinem Bruder um. "Du bist keine Hilfe."

Tom klappt der Mund auf, als wolle er etwas sagen, etwas wie "Ich hab mich so erschrocken, als du mich angerufen hast", aber es kommt nichts heraus. Er sieht zu, wie Bill sich abschminkt, lässt keinen Kommentar zu seiner Nachtcreme ab und geht, bevor Bill beim Haare Auskämmen angekommen ist.

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Bill ist müde. Es ist nach Mitternacht und er hat Sekt getrunken. Vor ein paar Stunden zwar, aber es war echter Sekt mit echtem Alkohol und jetzt ist er müde und Tom soll fahren. Und Tom weigert sich: "Du hast sicher schon wieder null Promille." Und Bill steht da, mitten auf dem Parkplatz, die Autoschlüssel in der Hand, und starrt ihn an. "Ich will nicht fahren", mault er.

"Du bist hergefahren."

"Also fährst du zurück."

"Vergiss es."

Bill blinzelt. Sicher, Tom ist nicht sein Chauffeur und auch nicht sein Hund. Aber er ist sein Bruder. "Wieso vergessen? Es ist dein Auto."

"An das du dich gewöhnen musst, weil deines Schrott ist. Können wir das nicht zu Hause weiterdiskutieren?"

Bill schnaubt, stolziert zum Auto und lässt die Zentralverriegelung aufschnappen. Er reißt die Fahrertür betont unsanft auf, knallt sie nach dem Einsteigen betont unsanft zu und rammt den Schlüssel ins Zündschloss. Tom zuckt jedes Mal aufs Neue zusammen, presst die Lippen aber fest aufeinander.

"Wenn ich einen Unfall baue, bist du schuld", sagt er, als sie auf die Autobahn einfahren, und beschleunigt. Vom Beifahrersitz kommt nichts. Vorerst. Und dann, nach ein paar Kilometern und sehr leise: "Du bist selbst schuld, wenn du einen baust. Genau wie letztes Mal."

"Was soll das denn heißen?"

"Nichts. Aber falls du dich wieder umbringen willst, bin ich ja jetzt dabei."

"Sag mal hast du gelitten?", ereifert sich Bill. Er kann so schnell von passiv aggresiv auf vollen Konfrontationskurs schalten, dass es Tom jedes Mal unfreiwillig mitreißt.

"Du hast gelitten! Ich hab einfach keinen Bock nen Grabstein für dich auszusuchen, klar?", giftet, nein, brüllt er zurück, bevor er registriert, was er gerade von sich gegeben hat.

Bill verreißt um ein Haar das Lenkrad, flucht, schreit Tom an und fährt auf den Seitenstreifen. Tom kann hören, wie er um Luft und Fassung ringt, wie er vibriert, wie die Warnblinkanlage klickt und Bills Herz rast und rast.

"Ich..."

"Spinnst du?!", keift Bill. Seine Augen sind schwarz, das Gesicht halb im Schatten. Tom kann nur einen dunklen Umriss erkennen, das bisschen Weiß um Bills Pupillen, den pudrigen Glanz unter seinen Augenbrauen.

"Da ist kein Auto weit und breit!", verteidigt er sich und es stimmt, die Autobahn ist leer und genauso düster wie das Innere des Audis. Er tastet nach dem Lichtschalter vor dem Rückspiegel, aber in dem Moment, in dem ihn die Helligkeit in die Augen sticht, klackt Bills Sicherheitsgurt, die Tür geht auf und statt seinem Bruder ist da nur noch kalte Nachtluft auf dem erleuchteten Fahrersitz.

Keine drei Atemzüge später schlägt sie ihm auch von der linken Seite entgegen und Bill lehnt sich zu ihm herunter, den Arm auf dem Autodach abgestützt.

"Du", knurrt Bill, "steigst jetzt aus dieser gottverdammten Karre, schwingst deinen Arsch hinters Steuer und fährst!"

Tom bleibt sitzen. Der Steuerknüppel ist mit italienischem Rindsleder verkleidet, oben blank poliert von Bills Handschuh. Links neben dem Rückwärtsgang ist ein winziger Kratzer sichtbar, wenn man den Kopf duckt und das Licht direkt von oben kommt. Bills Totenkopfring. Der, dessen Steinchen sich nicht nur über den Schädel, sondern auch um den Finger ziehen. Er hat Bill schon oft gesagt, das er aufpassen muss mit seinem Strass und den Nieten, aber er sagt es jedes Mal umsonst. "Auf dem Fahrersitz ist dir nichts passiert", verteidigt er sich schließlich und es ist wie ihm peinlich, wie hilflos er dabei klingt.

„Raus!“ Bill boxt ihn gegen die Schulter.

Tom gehorcht widerstrebend. Er streicht um den Wagen herum als wolle der ihn beißen, steigt auf der Fahrerseite ein und schnallt sich an. Linke Hand ans Lenkrad, mit der rechten den Motor anlassen, ersten Gang einlegen. „Ich will nicht allein sein“, sagt er leise.

Er kann spüren wie Bill ihn fixiert. „Ich komm dich schon persönlich holen, wenns sein muss. Und jetzt fahr los, ich will nach Hause.“

Und Tom nickt und hat Watte im Hals und tritt aufs Gaspedal.</div></div>
Tags: [genre] gen, [rating] p12, bill x tom
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