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Wer hat Angst vorm schwarzen Mann? - P18 - (Oneshot)

Titel: Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?
Autor: unverdorben
Rating: P18
Warnungen/Genre: in public/ Humor
Zusammenfassung: Tom hat ganz sicher keine Angst. Oder etwa doch? Und was macht man, wenn man nicht weglaufen kann?
Disclaimer: Die Herren K gehören sich selbst.






Tom drehte den Kopf zur Schulter und sog prüfend die Luft ein. Oh ja, sie rochen nach Sex, alle beide. Aber während Bill diesen unverkennbaren Duft trug wie ein besonders exquisites Parfüm, fühlte Tom sich davon entstellt wie von einem Bad in der Jauchegrube.

Nicht, dass es ihn gestört hätte, dass jeder, der sich ihm auch nur auf zwei Meter näherte, wusste, was er getan hatte. Was ihn störte, was ihm vielmehr Angst machte, war die Vorstellung, dass alle um ihn herum nicht nur errieten, was er getrieben hatte, sondern auch wie und vor allem mit wem. Folglich lautete sein erster Gedanke, als er wieder auf dem Gang stand: Dusche!

Dummerweise gab es in Bürogebäuden keine Duschen, zumindest keine, von denen er wusste und zu denen er Zugang gehabt hätte. Fieberhaft überlegte er, wie er den verräterischen Geruch an seinem Körper, unter seinen Klamotten und in seinen Haaren am schnellsten wieder loswerden könnte. Ihm war, als würde er aus jeder Pore schreien und alle konnten, nein, mussten es hören, laut und deutlich.

„Schieben wir wieder Paranoia?“, raunte Bill ihm ins Ohr. Seine Stimme war noch rau und dunkel und sein Atem kroch an Toms Hals entlang und in kleinen, wohligen Schauern seine Wirbelsäule hinunter. Schnell zog Tom den Kopf tiefer zur Brust und den Schirm seiner Basecap tiefer in sein Gesicht. Warum hatte er heute nur seine Sonnenbrille im Hotelzimmer liegen lassen?

„Siehst du die Frau da hinten?“, flüsterte Bill weiter. „Die mit dem Twinset und dem braunen Pferdeschwanz? Sie sieht gerade zu uns rüber. Willst du wissen, was sie denkt?“

Tom biss sich auf die Innenseite seiner Wange und schüttelte unmerklich den Kopf. Er wusste genau, was kommen würde, und er wusste auch, dass Widerstand zwecklos war. Ein Bill Kaulitz kannte die Bedeutung des Wortes „Nein“ nicht.

„Sie denkt, was für geile Typen wir doch sind. Und dass sie uns fast noch lieber beim Ficken zugesehen hätte, als sich von uns durchnehmen zu lassen.“

In diesem Moment stieß sich die Frau von der Fensterbank ab, an der sie gelehnt hatte, und schlenderte den Flur hinunter. Geradewegs auf die Zwillinge zu.

„Meinst du, ich soll sie fragen? Mein Schwanz in deinem Arsch, für den Anblick würde sie sicher sterben.“

Tom biss die Zähne aufeinander. Sein Herz schlug unverschämt laut und schnell. Süßlich-herb klebte der Nachklang seiner Lust an seiner Haut und sein Bruder drängte sich rücksichtslos gegen seine Seite. Gab es in dieser Welt denn keinen Gott?

Das sieht alles ganz harmlos aus, versuchte er sich einzureden. Zwei Brüder stehen nebeneinander auf dem Flur, Alltag, kein Grund, irgendeinen Scheiß zu denken. Verdammt, warum fühlte es sich dann trotzdem so an, als hätte er „Ich hatte Sex mit meinem Bruder“ quer über der Brust stehen?

Die Brünette lächelte ihnen im Vorbeigehen zu. Für ein paar Sekunden trafen sich ihre und Toms Blicke und ein elektrischer Stoß jagte durch Toms Körper. Er zitterte, klammerte sich mit beiden Händen an seinem Shirt fest und lächelte gequält zurück, während Bill in aller Seelenruhe die Konturen seiner Ohrmuschel mit der Zunge nachzog.
Die Frau zwinkerte, Tom keuchte, Bill biss in sein Ohrläppchen.

Tom betete, dass sie nicht sehen konnte, was für Qualen Bill ihm hinter dem Vorhang seiner Haare zufügte. Als sie sich abwand, blitzte es in ihren Augen und Toms Beine versagten beinahe ihren Dienst.

Kaum war sie weit genug entfernt, stieß Tom seinen Bruder von sich. „Bist du völlig panne?!“, zischte er, aber Bill schenkte ihm nur ein mildes Lächeln.

„Man wird seinem Bruder doch noch mal was ins Ohr sagen dürfen“, schnurrte er.

„Ja, sagen, nicht abschlecken!“

Bill zog beide Augenbrauen nach oben und zwirbelte eine blonde Strähne zwischen seinen Fingern. „Ich wollte nur mit dir reden.“

Tom spürte, wie die Wut in ihm hoch kochte, genau wie jedes Mal, wenn Bill auf der Bühne „Reden“ ansagte – das Lied, das er nur für ihn geschrieben hatte. Zu seiner ganz persönlichen Folter in aller Öffentlichkeit.

Aber genau wie auf der Bühne wusste sein Folterknecht auch jetzt, was er zu tun hatte: Bill befeuchtete seine Lippen, räusperte sich und warf Tom durch die geschwärzten Wimpern den Inbegriff des Unschuldsblicks zu. Wenn alle Engel so schauen konnten wie sein Bruder, dann zog Tom schon allein deshalb die Hölle vor.

Wieder einmal blieb ihm nichts anderes übrig, als sich zu seinem XXL-Style zu beglückwünschen und auf seine Fußspitzen zu starren. Sein langes T-Shirt verdeckte sein Allerheiligstes nicht nur dann, wenn er die Hose auszog, es verschleierte auch komplett angezogen gewisse Schwierigkeiten, so dass sich wirklich einiges erhärten konnte, aber sicher nicht der Verdacht, er hätte einen Ständer.

Trotzdem, ausreizen wollte Tom seine Tarnung nicht. Bill war durchaus in der Lage, ihn in Probleme zu stürzen, die selbst die weitesten Klamotten bei einer falschen Bewegung durchblicken lassen würden. Und da es nicht Bills Schoß war, den alle mauloffen anstarren würden, nicht Bills Kopf, der bei dem Klicken eines dieser verfluchten Kamerahandys himbeerrot anliefe, und nicht Bills Ego, auf dessen Kosten in den folgenden drei Wochen bis zum Erbrechen herumgewitzelt werden würde, hatte Bill nicht die geringsten Hemmungen, es so weit kommen zu lassen. Wahrscheinlich strich er sich gerade wieder wie beiläufig über den Bauch und seufzte, angestrengt und müde. Haha, Bill, haha.

Tom drehte sich auf der Stelle um und machte sich auf den Weg zu den Toiletten. Deo hatte er zwar keines dabei und er hätte sich lieber die Zunge abgebissen, als Bill um seines zu bitten, aber ein bisschen Wasser und Seife würden seine Entdeckungsphantasien vielleicht etwas beschwichtigen. Und wenn er Glück hatte, war der Rest von ihm inzwischen genauso zusammengeschrumpelt wie seine Selbstsicherheit, und er konnte ein Bad im Waschbecken nehmen.

„Wohin des Wegs, du Zotte?“, grinste Bill und erwischte gerade noch Toms Ärmel. „Zum Interview geht’s da lang.“

Tom erstarrte. Wie hatte er das nur vergessen können? Besser gesagt, wieso hatte er sich zu einem Quickie hinreißen lassen, wenn er doch genau wusste, dass er danach angestrahlt von zig Scheinwerfern Blut und Wasser schwitzen würde, während sein Bruder charmant lächelnd über das bevorstehende Konzert monologisierte? Wie hatte er nur so bescheuert sein können?

Bills Hand auf seinem Rücken, die ihn mit leichtem Druck vorwärts schob und deren Wärme er genoss, anstatt sich gegen dieses regelrechte Abführen zu wehren, ließ ihn ahnen, warum er diese himmelschreiende Dummheit begangen hatte. Und als Bill ihm ganz gentlemanlike die Tür aufhielt und er sich nuschelnd bedankte, fegte Bills Grinsen den letzten kümmerlichen Zweifel aus Toms Kopf.

Er war nicht bescheuert. Er war verfallen, verloren, schutzlos ausgeliefert, und das war nicht nur schlimmer, es war eine absolute Katastrophe. Gipfel der Tragödie: Bill war sich seiner verheerenden Wirkung bewusst.


Gustav hockte bereits gelangweilt auf der Couch, während Georg noch einen Visagisten an den Haaren hängen hatte, dem der Superlativ von glatt anscheinend nicht gut genug war. Vor dem Sofa standen die Kameras, Mikrofone und ein Stuhl mit einem kleinen, nervösen Persönchen darin, das sich im 30 Sekunden-Takt die Brille auf die Nasenwurzel schob. Sie nervte Tom jetzt schon.

Am liebsten wäre ihm eine Interviewerin von Gülcan-Format gewesen, irgendeine Ische, die zwecks Marmeladenherstellungen Krapfen schälte, sich aber im Besitz eines Dekolletees befand, bei dem man Wetten abschließen konnte, wann ihr die Titten aus dem Fetzen Stoff hüpften, der nur dann als Kleid durchging, wenn man beide Augen zudrückte. Bei solchen Damen war man a, beschäftigt – und zwar sinnvoll – und b, angenehm abgelenkt von Quietschstimmchen und Bruder. An der Brillenschlange aber schien die Pubertät spurlos vorübergangen zu sein. War das scheiße oder war das scheiße?

Anscheinend hatte sich die ganze Welt gegen ihn verschworen, denn kaum hatte Tom die bittere Enttäuschung über die nicht vorhandene Alpensicht überwunden, entließ der Visagist Georg auf das Sofa und baute sich vor den Zwillingen auch.

„Also da muss dringend noch mal abgepudert werden, ihr glänzt ja total!“, seufzte er theatralisch und tänzelte zu seinem Werkzeugkoffer voller Pinsel und Kartuschen.

„Wirklich“, jammerte er weiter, als er sich an Bills Stirn zu schaffen machte, „und die Grundierung ist am Ansatz auch total fleckig. Was habt ihr zwei nur angestellt?“

Tom lehnte sich gegen den Tisch, auf dem der Koffer stand. Ihm war schlecht.

„Ach, wir haben nur eben ´ne Nummer in der Besenkammer geschoben.“

Schlecht? Tom war kotzübel! Fassungslos starrte er Bill an. Er musste sich mit beiden Händen an der Tischkante festhalten, um nicht auf den Boden zu sacken. Hatten ihm die ewigen Haarspraydämpfe Löcher ins Hirn gefressen oder hatte er einfach nicht gemerkt, dass sein Bruder nicht nur ein bisschen verrückt, sondern komplett geistesgestört war?

Mit krächzender Stimme versuchte Tom zu retten, was zu retten war, und würgte etwas in Richtung „der macht nur Witze“ hervor. Wenig erfolgreich, wie er hilflos feststellen musste. Wohin er auch schaute, er begegnete nur offenen Mündern.

Ok, das war´s dann also. Tokio Hotel war die längste Zeit im lauen Monsunregen am Abgrund entlanggewandert, jetzt würden sie gnadenlos abstürzen. David würde ausrasten und als Manager keinen Fuß mehr auf den Boden bekommen, Gustav und Georg würden –
traumatisiert bis an ihr Lebensende – in der Versenkung verschwinden, ihre Fans würden vor ihrem Loft in Hamburg Massenselbstmord begehen und er und Bill, sie würden wohl in irgendeiner schnuckeligen kleinen Psychiatrie auf der Geschlossenen in zwei hübschen Zwangsjacken an einem Puppentisch hocken und mit all den Kuscheltieren, die ihnen auf die Bühne geworfen worden waren, Vater, Mutter, Kind spielen. Wenn man bedachte, dass die netten Pfleger ihnen sicher eine ganze Handvoll Drogen in den Tee mischen würden, konnte das vielleicht sogar ganz lustig werden. Zumindest hoffte Tom das.

Viel wahrscheinlicher war allerdings, dass nur diese verdammten Twincester etwas zu lachen hatten. Die konnten sich ab heute endlich in ihren kranken Phantasien bestätigt fühlen und einen dreitägigen Siegeszug durch Hamburg veranstalten – Fans wären ja keine mehr da, sie hätten also genug Platz. Zu guter Letzt würden diese Perversen auch noch ihre Wohnung stürmen und sie in ein Museum umwandeln. Exponat Nr. 37: die Ledercouch, auf der Bill seinen mit einem Bondageseil gefesselten Bruder bis zur Besinnungslosigkeit durchgevögelt hat. Exponat Nr. 38: Stummel der Zigarette danach.

Verzweifelt kämpfte Tom gegen den Drang an, sich hier und jetzt seines Frühstücks zu entledigen.

„Bill musste dir mal wieder Nachhilfestunden geben? Och Tom, da brauchst du dich doch nicht für zu schämen!“, dröhnte Georg plötzlich und ließ die atemlose Stille platzen wie eine Seifenblase. Die angespannten Gesichter, die Tom so erbarmungslos angestarrt, ihn bis aufs Innerste durchdrungen hatten, lösten sich erst in einem schiefen Lächeln, um sich dann in schallendem Gelächter zu verzerren. Unter anderen Umständen hätte Georg sein Testament machen können, aber für diese Spitze hätte Tom ihn am liebsten gedrückt und abgeknutscht. Gut, abgeknutscht vielleicht nicht, aber eine männliche Umarmung wäre schon drin gewesen – wenn er denn seine unendliche Dankbarkeit hätte zeigen dürfen. So aber konnte er Bill nur mit dem patentierten Tom Kaulitz-Killerblick aufspießen und sich geschafft neben seinen Retter in die Polster fallen lassen.  

„Du solltest ihn auch mal in Anspruch nehmen. Nicht, dass sich deine Mädels wieder bei mir ausheulen, weil du es ihnen nicht anständig besorgt hast“, knurrte er halbherzig. Er wich Georgs Ellbogen zu langsam aus und rieb sich fluchend die Seite. Einen Moment befürchtete er, seine akute Atemnot käme nicht durch die Puderwolke zustande, in die der Visagist ihn eingestaubt hatte, sondern durch einen komplizierten Rippenbruch mit Lungenfraktur, doch dann ebbte der stechende Schmerz schneller ab, als er gehofft hatte, und er konnte sich checkermäßig lässig in das Sofa fläzen, breitbeinig und mit dem linken Arm auf der Rückenlehne. Gustav schien über seinen Platzanspruch nicht besonders erfreut, aber das störte Tom wenig. Er hatte sich eben mühsam seine Fassung zurückerkämpft und war jetzt nicht gewillt, wegen so etwas wie dem Drummer seine Nonchalance wieder aufzugeben.

Gustav murmelte missmutig vor sich hin. Hätte er gewusst, dass sich Toms coole Sitz- bzw. Liegehaltung schon innerhalb der nächsten Minute rächen würde, hätte er seinem Nebenmann insgeheim nicht einmal halb so viele Verwünschungen an die Basecap geworfen. Denn kaum saß Tom bequem genug, um den Raum nach ansprechenden Ausschnitten abzuscannen, drängte sich Bill in die durch den Fluchtversuch entstandene Lücke zwischen Georg und seinem Bruder. Er rutschte mit dem Hinten in Georgs Richtung, lehnte seine Knie an Toms Beine und legte seinen Kopf ganz sachte auf Toms ausgestreckten Arm.

Aus dem Konzept gebracht blinzelte Tom ihm wütend zu, aber er zog nur die Aufmerksamkeit der Fragenmaus auf sich. Sie lächelte verstohlen und sah ihn mit diesem verklärten Omablick an – der große Beschützer hat seinen Arm um den kleinen Bruder gelegt, nein wie niedlich. Tom starrte finster zurück. Er beschützte hier niemanden und schon gar nicht dieses dreiste Stück von Zwilling, dass da gerade mit zwei langen Fingernägeln winzige Kreise auf seinen Oberschenkel zeichnete. Moment, das was bitte?!

Vorsichtig schielte Tom an sich herunter und betete, dass er nicht das sehen würde, was er fühlte. Doch wie er vorhin schon ganz richtig erkannt hatte, gab es keinen Gott in dieser Welt. Zumindest nicht für ihn.
Bill malte tatsächlich Kringel auf sein Bein, mal mit mehr Druck, mal mit weniger, doch was noch viel erschreckender war: seine Hand wanderte immer höher. Und mehr gen Mitte. Wenn er nicht bald etwas unternahm, dann würden Bills Finger in kürzester Zeit sanft über seinen Schritt kratzen.

Tom kramte alle Schimpfwörter zusammen, die ihm spontan einfielen, und wollte sie seinem Bruder gerade an den Kopf werfen, als er verzweifelt feststellen musste, dass sein Mund wie ausgetrocknet war. Keinen einzigen jämmerlichen Ton brachte er heraus und die Vorstellung von Bills warmer Hand über seiner Männlichkeit versetze eben jene in Zustände, die seine Atmung ein ganzes Stück flacher werden ließ.

Bill würde nicht in der Lage sein, ihn wirklich zu berühren, dazu waren seine Hosen viel zu weit, aber genau deshalb würde es auch niemand verdächtig finden, wenn er über die Baggys strich und das wiederum bedeutete, dass Tom sich keine Hilfe erwarten konnte. Er war ganz allein, allein mit diesem leisen, schrammenden Geräusch von Bills Nägel auf dem rauen Jeansstoff und den Schauern, die dieses Kratzen durch seinen Körper jagte.

„Du... Arsch“, würgte er schließlich doch hervor. Bill würdigte ihn keines Blickes, murmelte nur ein abwesendes „Das nehme ich mal als Kompliment“ und lehnte sich etwas nach vorn, um die Brillenschlange mit einem neckischen Zwinkern auf die Gefühlsachterbahn zu befördern. Ein Blitzen seines Zungenpiercings und ein langer Blick aus tiefbraunen Augen dazu, und sie stand mit hochrotem Kopf auf und entschuldigte sich. Sie wolle sich noch ein Glas Wasser holen, ihr Hals wäre so kratzig.

„Bring mir eins mit!“, hätte Tom ihr am liebsten hinterhergerufen, aber er war zu sehr damit beschäftigt, die Gelegenheit auszunützen und seinen Arm hinter Bill hervorzuziehen, solange dessen Kopf nicht daran lehnte. Ein fataler Fehler, denn kaum hatte er seinen Arm etwas angehoben, da warf Bill sich auch schon mit Schwung zurück in die Polster und klemmte Toms Arm zwischen Sofa und seinem Nacken ein. Jetzt hatte Tom nicht nur seinen Arm um Bill gelegt, er hatte ihn buchstäblich im Arm.

„Was soll das?!“, zischte er so leise, dass Georg und Gustav ihn nicht hören konnten. „So sehen wir doch aus wie ein schwules Pärchen!“

Bill runzelte die Stirn. „Sind wir das nicht?“, säuselte er und warf Tom einen Blick zu, der das Prädikat „Bambi“ mehr als nur verdient hatte.

„Wenn du nicht sofort mit diesem Schwachsinn aufhörst, verfrachte ich dich rüber auf dem Moritz seinen Schoß!“

„Mach doch“, kam es nur von links. Doch gerade als Tom Bill packen wollte, wurde er von einem aufgebrachten Schnauben unterbrochen. Einer der Kameramänner hatte sich vor ihnen aufgebaut und musterte sie kopfschüttelnd. Tom durchlief es gleichzeitig heiß und kalt.

„Das war doch gut so! Immer schön den Arm um ihn behalten. Gute Bildkomposition und die Zwillingsharmonie kommt auch perfekt rüber. Keine Raufereien jetzt, bitte, wir fangen gleich an.“

Fassungslos starrte Tom den Wichtigtuer mit Schirmmütze vor dem Sofa an. Hatte ihn hier keiner lieb, zur Hölle noch mal?

Die Antwort bekam er in Form eines leise gurrenden Bruders, der sich den Kameramann fixierend an seine Seite schmiegte. Der Kameramann nickte zufrieden und begab sich wieder hinter seine Linse.


Sollten irgendwann einmal ein paar tibetische Mönche auftauchen und Gustav zum neuen Dalai Lama erklären, wäre Tom einer der letzten, der sich wundern würde. Die hohe Kunst des Löcher in die Luft Starrens – im Volksmund auch Meditieren genannt – hatte Gustav nämlich schon längst zur Perfektion gebracht und er hegte und pflegte sein Können wie die buddhistischen Gründäumlinge ihre Steingarten.

Tatsächlich hatte Gustav einmal den Versuch gestartet, ihren Tourbus nach dem Feng Shui-Prinzip umzugestalten, bei dem neben einem ständig überlaufenden Zimmerbrunnen auch Räucherstäbchen zum Einsatz gekommen waren, die Tom als der schlimmste Rauchbombenanschlag auf sein zartes Teeniestarleben überhaupt in Erinnerung geblieben waren.

Als Gustav außerdem eine Kiste mit Sand in ihrer Lounge aufgestellt und sie dazu gedrängt hatte,  mit Gartenzwergrechen in diesem chinesische Katzenklo herumzufuhrwerken und meditative Muster zu ziehen, hatte Tom beschlossen, Gustav grundsätzlich und nie mehr zu zu hören und sich ab sofort nur noch den geistigen Ergüssen seines Bruders zu widmen. Bill redet zwar deutlich mehr als Gustav und musste auch nicht von Buddhas Geist erleuchtet werden, bevor er die Welt mit einem halbstündigen Vortrag beglückte, aber dafür ging er mit dem Informationsgehalt dessen, was er von sich gab, äußert sparsam um. Wenn Bill einen guten Tag hatte, schaffte er es sogar, ein simples „Nein“ zu einer zehnsätzigen Antwort aufzuplustern.

Für Tom bedeutete das eine angenehme Hintergrundgeräuschkulisse und die Sicherheit, dass er nicht von fiesen Kopfschmerzen gequält wurde, sollte er doch einmal versehentlich aufpassen.

Für Fragenmäuse bedeutete Bills Redewut dagegen Stress pur. Sie hatten nicht ewig Zeit, sie mussten so und so viele Fragen unterbringen, und das letzte, was sie brauchen konnten, war ein Sänger, der auf die Frage nach dem Wetter nicht nur mit seiner Schuhgröße antwortete, sondern auch noch ein Referat über Cowboystiefel im Allgemeinen und Schlangenlederpflege im Besonderen hinterherschickte.

Für Bill selbst war seine Eloquenz das reinste Vergnügen. Er hörte sich gern reden und ignorierte die Tatsache, dass es im Grunde völlig egal war, was er sagte, so lange er dabei nur sein hübsches Köpfchen schief legte und mit seinem Piercing spielte.

Und so kam es, dass Gustav schwieg, Georg schwieg, Bill redete und Tom dem Drang widerstand, zu schreien. Erstens weil sein Bruder es soeben tatsächlich geschafft hatte, das Datum des nächsten Bühnenauftritts in drei volle Absätze zu verpacken, und zweitens, weil sein bester Freund sich endgültig dazu entschieden hatte, sämtliche gut gemeinte Ratschläge aus seinem Oberstübchen in den Wind zu schießen und Bills Hand entgegenzukommen – eine Tatsache, die von Bill mit einem flüchtigen, aber dafür um so vielsagenderem Lächeln in Toms Richtung quittiert wurde.

„Ihr steht euch ja sehr nahe“, nutzte die Interviewerin Bills Atempause. „Behindern da persönliche Differenzen nicht manchmal die kreative Zusammenarbeit in der Band?“

„Persönliche Differenzen?“, fragte Bill zuckersüß.

„Na Geschwister streiten sich doch ab und zu, oder?“

„Streiten wir uns?“, gab Bill die Frage an seinen Zwilling weiter und fuhr sich mit der Zungenspitze über die Oberlippe.

„Nein, wir ficken nur und er befummelt mich ohne mein Einverständnis in der Öffentlichkeit“, hätte Tom am liebsten gegrummelt, aber was er tatsächlich sagte, klang mehr wie ein kratziges „Na ja, manchmal ist Bill schon ein bisschen schwierig.“

Georg kicherte leise und Tom sog scharf die Luft ein, denn kaum waren diese Worte aus seinem trockenen Mund gestolpert, spürte er Bills Fingerkuppen auf seiner nackten Haut. Ganz offensichtlich hatte der Bastard seine Ablenkung durch die Frage dazu genutzt, seine Hand unter Toms Shirt zu stehlen und ihm jetzt mit zwei spitzen Fingernägel in den Bauch zu pieksen. Ganz sanft zwar, aber Tom kam es trotzdem so vor, als werde er von einer Tarantel gestochen. Hatte er seine weiten Klamotten vor kurzem nicht für toll befunden? Er hasste sie!

„Ich, ähm, also der Leadsänger ist ja eigentlich immer ´ne Diva“, wand er sich unter den bebrillten Augen der Fragenmaus, die froh war, zu Abwechslung einmal nicht unter einem Wortschwall begraben zu werden.

Bills Entzücken über Toms Gestammel hielt sich allerdings in Grenzen. Mit dem Zeigefinger zog er eine feine Linie von Toms Nabel zu seiner Seite und zwickte ihn, so dass Tom seinen ganzen Körper anspannen musste, um nicht verräterisch zu zucken.

„Er ist halt genau so ein Dickschädel wie ich“, lenkte Tom schnell ein, worauf Bill versöhnend über die von ihm malträtierte Haut strich und Tom es wagte, zu der Stelle zu schielen, an der Bills Hand unter dem Stoff verschwunden war.

Bills Ellbogen versperrte ihm jede Sicht. Von vorne musste es so aussehen, als hätte Bill die Arme halb verschränkt. Sein linker Arm lag angewinkelt quer über seine Brust, die rechte Hand hatte er locker auf seinem Knie platziert.

Tom beschlich der böse Verdacht, dass das hier keiner von Bills spontanen Einfällen war. Er musste es geplant haben und so perfekt, wie er den verbotenen Aufenthaltsort seiner Griffel kaschierte, musste er vor dem Spiegel geübt haben.

„Ich denk mal, bei uns fliegen genau so die Fetzen wie bei anderen Brüdern auch, aber wir schauen schon immer, dass wir das klären, besonders, wenn wir als Band auftreten, wo dann so persönliche Sachen ja echt nicht hingehören“, fuhr Tom fort und sah Bill aus den Augenwinkeln an. Könnten Blicke töten, wäre Bill an dieser Stelle mit einem Herzinfarkt und einem Schlaganfall gleichzeitig umgekippt, so aber nickte er nur.

„Im Grunde sind Tom und ich ein Herz und eine Seele“, sagte Bill und fuhr mit dem Zeigefinger, den Tom inzwischen zu seinem persönlichen Feind Nr. 1 erklärt hatte, unter den Bund von Toms Boxern.

Tom unterdrückte ein Keuchen, als Bill begann, die schmale Spur blonder Härchen zu kraulen, die sich von seinem Nabel abwärts in tiefere Regionen zog.

„Ich wüsste auch gar nicht, was ich ohne ihn machen soll. Wir sind ja so viel unterwegs und da tut es einfach gut, wenn man ein paar Freunde hat, die trotzdem immer da sind, weil unsere Familien sehen wir ja kaum noch und Tom ist sozusagen meine ganze Familie, wenn wir auf Tour sind. Und er hat auch eine sehr beruhigende Wirkung auf mich, besonders vor Konzerten. Ich würd´, glaub ich, durchdrehen, wenn er nicht da wäre und mich ablenken würde.“

„Ah, mit Tischtennis zum Beispiel?“, warf die Interviewerin ein und rückte ihre Brille zur Abwechslung einmal an den Bügeln zurecht.

„Ich bin eigentlich kein Fan von Ballspielen, aber mit Tom macht das immer sau Spaß“, erklärte Bill und kraulte sich Zentimeter für Zentimeter tiefer.

Tom wusste nicht, ob er über diese Antwort lachen oder weinen sollte. Das Pochen zwischen seinen Beinen übertönte jeden klaren Gedanken in seinem Kopf und Bill schien das zu spüren und nahm ihm die Entscheidung ganz einfach dadurch ab, indem er anfing, mit Toms persönlichem Feind Nr.2, seinem Daumen, und dem Zeigefinger die Wurzel von Toms Erektion zu massieren.

Tom biss sich so fest auf die Unterlippe, dass sein Piercing schmerzhaft gegen seine Zähne schlug und Gustav ihn besorgt musterte. Ihm ein stummes „alles paletti“ zuflüsternd bemühte Tom sich, seine Atmung wieder unter Kontrolle zu bekommen, denn auch David, der hinter den Kameras an der Wand lehnte und rauchte, war die Geschwindigkeit aufgefallen, mit der sein Brustkorb sich und senkte. Er konnte spüren, wie sich kleine Schweißtröpfchen auf seiner Stirn auf seiner Stirn bildeten, und strich mit zwei Fingern unter dem Rand seines Bandana entlang, bevor er seine Basecap noch tiefer anzog. Am liebsten hätte er sie sich einfach ganz vors Gesicht gehalten, denn wenn ihn sein Gefühl nicht täuschte, bekamen auch seine Wangen eine mehr als gesunde Farbe.

„Und was machen Georg und Gustav gegen das Lampenfieber?“, fragte die Brillenmaus.

„Gustav liest. Voll der Langweiler“, lachte Bill. Tom rang sich mit Georg ein Lächeln ab und atmete erleichtert auf, als der Druck von Bills warmen Fingerspitzen etwas nachließ.

„Also eigentlich ist das immer unterschiedlich“, sagte Georg. „Wir haben da kein so Patentmittel gegen das Lampenfieber. Aber irgendwas findet sich immer, wenn wir uns ablenken wollen, und wenn gar nichts da ist, dann nehmen wir Gustav einfach sein Buch weg und schon kommt Leben in die Bude.“

Bills Finger verschwanden ganz, doch nur um ein paar Sekunden später mit dem Bund der Boxershorts zu spielen und ihn gegen Toms Bauch schnalzen zu lassen.

„Er lässt uns da nicht dran“, seufzte Bill und stach in die weiche Stelle über Toms Hüfte. „Gustav bewacht seine Bücher echt wie ein Schießhund.“

„Muss man ja auch, so wie ihr mit denen umgeht“, meldete Gustav sich zum ersten während des Interviews zu Wort.

„Ach komm schon, stell dich nicht so an“, meinte Bill augenrollend zu Gustav. Tom japste, als er seinen Finger ein zweites Mal in seine Seite bohrte.

Gustav sah Bill erst leicht irritiert an und dann sehr irritiert, als Bill ihm zuzwinkerte, seine Mähne schüttelte und sich wieder dem Persönchen vor ihm zuwandte.

Bevor Bill von Stechen zu Zwicken und Kratzen übergehen konnte, beschloss Tom, sich in sein Schicksal zu ergeben. Genau genommen beschloss er das nicht selbst, sondern sein Schwanz, der Bills Hand mehr als schmerzlich vermisste.

Tom drückte den Rücken durch, streckte sich ausgiebig und sorgte dafür, dass sein T-Shirt möglichst viele Falten warf und immer in Bewegung blieb, während Bill mit einer einzigen, schnellen Handbewegung seinen Schwanz von dem störenden Stoff der Boxershorts befreite. Er hielt für einen Moment die Luft an, als die bereits klebrige Spitze gegen seine Bauchmuskeln schlug.

„Wir sind gleich durch“, lächelte die Fragenmaus, die Toms Stretching ganz offensichtlich als ein Zeichen seiner Ungeduld gedeutet hatte. Tom verlor tatsächlich langsam die Geduld, aber nicht etwa, weil er schnellstmöglich vom Sofa aufstehen wollte, sondern weil Bill nicht die geringsten Anstalten machte, sich auf irgendeine Art und Weise um Toms Erektion zu kümmern, die er so erfinderisch an die frische Luft befördert hatte.

Tom ballte seine Hände zu Fausten, um nicht in Versuchung zu kommen, Bills Hand, die auf seinem untersten Rippenbogen ruhte, zur Seite zu schieben und zu vollenden, was er anfangen hatte. Verhalten schnaubend schoss er einen stechenden Blick nach dem anderen in Bills Richtung, aber sein Bruder schenkte ihm keine Beachtung und konzentrierte sich stattdessen auf die nächste Frage.

Tom stöhnte leise vor Erregung und Verzweiflung. Er saß vor laufenden Kameras auf einem, wie ihm jetzt erst auffiel, reichlich unbequemen Sofa, hatte einen Ständer in der Hose, von dessen Spitze die ersten Tropfen auf seine verschwitzte Haut liefen, und es gab verdammt noch mal nichts, was er dagegen tun konnte. Wenn er sich jetzt entschuldigte und aufstand, würde man es sehen. Man würde sehen, wie hart er war, und wenn das Schicksal ihm weiter so wohlgesonnen war, würde sich vielleicht auch noch der ein oder andere Tropfen dunkel durch sein T-Shirt saugen. Und das wäre es dann gewesen. Tokio wäre die längste Zeit im lauen Monsunre- Tom verpasste sich in Gedanken selbst einen Schlag auf den Hinterkopf. Wo bitte war sein Verstand, wenn er ihn brauchen konnte? Ach ja richtig, da unten.

Er stieß mit dem Knie gegen Bills Bein, aber der stockte nicht einmal in seinem Redefluss und ließ sich lediglich dazu herab, kurz über Toms Seite zu streicheln. Die Berührung fiel so oberflächlich aus, dass sie die Bezeichnung „ Berührung“ eigentlich gar nicht verdiente, und doch verbrannte sie Toms Haut und er drängte sich Bills Finger entgegen, bevor ihm bewusst wurde, wie seltsam und seltsam dämlich es aussehen musste, wenn er in den Polstern hin- und herrutschte.

Die Fragenmaus lächelte ihn entschuldigend an und David warf ihm einen strengen Blick zu. „Benimm dich“, schienen seinen hochgezogenen Augenbrauen zu sagen.

Innerlich seufzend ließ Tom seinen Kopf auf seine Schulter rollen und nagte an seinem Piercing. Obwohl er inzwischen überzeugter Atheist war, startete er einen letzten Gebetsversuch und schwor bei allen vier Erzengeln, dass er von jetzt an jeden Sonntag in die Kirche gehen würde, wenn Gott, sofern er doch existierte, ihn aus dieser höllischen Situation befreite.

Der wöchentliche Kirchgang blieb ihm erspart, denn es war nicht Gott, sondern Bill, der sich nach einer halber Ewigkeit erbarmte und sanft über seinen Schwanz strich, als er gerade jede Hoffnung auf Erlösung aufgegeben hatte. Tom biss sich im letzten Moment auf die Zunge, um nicht laut aufzustöhnen, als Bills Finger sich um seine pulsierende Härte schlossen und sich quälend langsam auf und ab bewegten. Er war so sehr damit beschäftigt, ein Pokerface zu machen, keinen Mucks von sich zu geben und Bill dafür zu verfluchen, dass er ihm nicht die Geschwindigkeit gönnte, die er brauchte, dass ihm gar nicht in den Sinn kam, dass Bill unmöglich pumpen konnte ohne sie zu verraten.

Er fixierte das rote Lämpchen an der Kamera direkt vor ihm, um ja nicht irgendjemand in die Augen zu sehen, während Bill noch beflissener als sonst jede Frage an sich riss. Ließe man Tom jetzt den Mund aufmachen, würde er zu allererst ein „Schneller, verdammt!“ stöhnen, da war Bill sich sicher.

Er hatte keine Mühe, den Takt aufrecht zu erhalten, ohne seinen Redefluss dem Auf und Ab unter Toms T-Shirt anzugleichen, doch er konnte spüren, wie sich langsam aber sicher ein Krampf in seiner Hand anbahnte. Er musste es beenden, aber einfach aufzuhören und die Hände in den Schoß zu legen war Toms glasigen Augen zufolge die schlechteste denkbare Option überhaupt.

Bill ließ Tom los und streckte seine Finger, bevor er mit dem Daumen über seine Spitze rieb. Tom erschauerte und Bill konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen.

Es war ein mehr als schwieriges Unterfangen, Tom so ruhig zu stellen, dass er seine Frustration weder in das nächste Mikro knurrte, noch das tat, was er in solchen Situationen tat, wenn sie allein waren, nämlich seinen Kopf in den Nacken zu werfen und die Decke anzustöhnen. Bill musste ihn immer wieder zwicken, wenn er sein Becken hob, und Tom fluchte innerlich, wenn sein Bruder ihm seine geschickten Finger wegnahm und mit ihnen die Reibung, die er so dringend nötig hatte.

Ja, er hatte sie wirklich nötig und ja, er war geil, und er hasste Bill dafür, dass er seiner Notgeilheit im wahrsten des Sinne des Wortes nicht die so unglaublich nötige und wirklich wichtige Aufmerksamkeit schenkte, sondern allen Ernstes auch noch anfing, die Brillenschlange wieder per Liderflackern und Lippenbeißen nervös zu machen. Tom ernannte sie auf der Stelle zu seinem persönlichem Feind Nr. 3.

„Wie sieht es denn mit dem dritten Album aus? Gibt es schon Pläne, in die ihr uns einen kleinen Einblick geben könntet?“, fragte Feind Nr.3 und sah Tom fragend an. Der starrte so verbissen zurück wie nur irgendwie möglich. „Einblicke? Wenn du wüsstest“, dachte er bei sich, bevor er sich wieder auf Bills Fingernagel konzentrierte, der vorsichtig über seinen Schlitz glitt.

„Nein, wir haben uns da noch nicht fest gelegt. Natürlich macht man sich ab und zu mal Gedanken drüber und ich hab auch noch ein paar Texte auf Lager, die wir vielleicht für das nächste Album verwenden werden, aber erst mal steht die Tour im Vordergrund“, sprudelte es aus Bill heraus.

Seine Hand war inzwischen ganz schwitzig und klebrig von Toms Lusttropfen und er fuhr den Schaft hinunter und ließ Tom seine Nägel und die längst nicht mehr kalten Ringe spüren. Die Fragenmaus schlug die Augen nieder, als sie Bills Piercing gegen seine Zähne klackern hörte, und hätte sie gewusst, dass die Ursache für dieses Geräusch unter dem T-Shirt seines Zwillings zu finden war, wo Tom unter Bills Fingern zuckte, wären ihre Arme genau wie Toms von einer Gänsehaut der anderen Art überzogen gewesen.

„Wir sind spontan, was unsere Alben angeht. Es kommt so alles nach und nach, wenn wir den Kopf frei dafür haben, aber momentan stehen unsere Tour und die Fans im Vordergrund. Wir würden sie sicher enttäuschen, wenn wir schon nebenher neue Songs einspielen würden, weil dann hätten wir gar keine Zeit für Autogrammstunden oder Interviews.“

Beim letzten Wort schloss Bill die Augen, nur um sie Sekunden später mit einem unvergleichlichen Wimpernschlag aufzureißen und die Interviewerin mit großen Augen zu fixieren. Sie lächelte, senkte den Kopf, um die roten Flecken auf ihren Wangen zu verstecken, und war froh, dass sie es auf die heißen Scheinwerfer schieben konnte, den sie war nicht die einzige, deren Gesicht einen etwas zu rosigen Schimmer aufwies.

Tom schniefte, räusperte sich und meinte: „`Tschuldigung, aber ich bräuchte mal ´n Taschentuch.“

Die Fragenmaus winkte den Lichtassistenten zurück, der sich auf der Stelle umgedreht hatte, um eines zu holen, nahm ihre Handtasche vom Boden auf ihren Schoß und kramte eine Packung Tempo hervor, die sie Tom hinhielt. Der bediente sich leicht nickend, schnäuzte sich und steckte das Taschentuch in seine linke Hosentasche.

Zumindest sah es so aus. Tatsächlich fand das unbenutzte Tempo seinen Weg in Bills klebrige Finger, der seinen Zwilling erleichtert anlächelte. Tom deutete mit den Lippen einen Kuss an und legte seinen Kopf auf die Lehne. Sein Puls näherte sich wieder normalen Frequenzen, sein Herz hörte auf, gegen seine Brust zu hämmern, und sein Blut machte sich langsam auf den Rückweg in sein Gehirn.

„Hattest du Angst?“, flüsterte Bill ihm plötzlich ins Ohr. Tom schluckte, erwartete fast etwas warmes, feuchtes, das sein Ohrläppchen kitzelt, und schüttelte den Kopf.

„Nein“, log er. „Vor dem schwarzen Mann doch nicht.“

Bill grinste. „Und wenn er aber kommt?“

Beide Augenbrauen nach oben ziehend schielte Tom auf den Schritt seines Bruders. „Kommt?“, wiederholte er tonlos.

„Ich muss mir die Hände waschen. Und du hilfst mir gefälligst. Ich geh vor, in fünf Minuten bist du da“, sagte Bill, stand mit einem Ruck auf und verschwand durch die Tür auf den Gang.

Auf der Toilette, wo jeden Augenblick jemand hereinkommen und sie zwischen Klobürste und WC-Stein erwischen konnte?

Tom seufzte. Bill wusste, dass er Angst hatte. Bill wusste, dass er es niemals zugeben würde. Und Bill wusste vor allem eines: dass er niemals weglaufen würde.

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