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Unfurl - P18 - (Oneshot)

Titel: Unfurl
Autor: unverdorben
Rating: P18
Warnungen/Genre: Slash
Zusammenfassung: "Hey, kannst du mir mal verraten was das werden soll? Ein drittklassiger Splattermovie?"
Disclaimer: Die Herren K gehören sich selbst.





Wir können keinen Leitpfosten weit sehen.
Ich schiele durch das Lenkrad. Der Tacho zeigt 90 km/h.
„Fahr nicht so schnell“, sage ich leise.
„Was denn, kommt doch keiner.“
„Ja aber wenn ein Tier über die Straße läuft.“
Mein Bruder seufzt sein typisch-Bill-Seufzen und geht etwas vom Gas.

Die weiße Linie am rechten Straßenrand windet sich wie eine Schlange vor uns durch die Dunkelheit.
Nebel, Nacht und Reif haben einen fahlen Sepiafilm auf die Bäume am Straßenrand gelegt.
Im Wald lichten sich die Dunstschwaden.
„Wohin fahren wir eigentlich?“, frage ich.
„Egal“, brummt Tom. Er hat mich während der ganzen Fahrt noch kein einziges Mal angesehen.

Er bringt das Auto am Seitenstreifen zum Stehen. Irgendwo in der Pampa, irgendwo im Wald.
„Was wird das denn?“, sage ich und als er nicht antwortet: „Schalt doch wenigstens die Warnblinkanlage ein.“
Toms Hände fahren das Lenkrad entlang.
„Hey, kannst du mir mal verraten, was das werden soll? Ein drittklassiger Splattermovie?“
„Ja“, kommt es zurück.
„Ah ja, und wo hast du die weiße Frau versteckt?“ Langsam werde ich sauer.

„Ich liebe dich.“
„Bitte?!“
„Ich liebe dich, Bill.“
Ich starre ihn von der Seite an. „Du hast mich hier heraus geschleppt, um mir das zu sagen? Ey, ich hab seit Tagen nicht richtig geschlafen und jetzt darf ich wieder `ne Nacht praktisch durchmachen, nur weil du mir das nicht im Hotel sagen kannst? Hast du sie eigentlich noch alle?“
„Nein.“

Er sieht steif nach vorn, als würde er noch fahren. Ich hätte übel Lust, ihm eine zu verpassen.
Hätte er das Auto nicht so routiniert gelenkt, würde ich sagen, er ist betrunken. Stockbesoffen eher.

„Ich weiß, dass du mich lieb hast. Ich hab dich doch auch lieb, man. Bist doch mein Lieblingsbruder, ich wär´ doch aufgeschmissen ohne dich.“ Ich versuche zu lächeln, aber es gelingt mir nur halb.
Tom schüttelt langsam den Kopf.
„Du verstehst mich nicht“, sagt er, „ich hab dich nicht lieb. Ich liebe dich.“

Jetzt muss ich lachen. „Wo ist denn da bitte der Unterschied, du Idi?“

Er zieht die Schultern hoch, tastet mit einer Hand nach mir, packt mich am Kragen und ballt seine Rechte zur Faust. Ich keuche erschrocken, als der Stoff in meinen Hals schneidet und seine Knöchel sich gegen meine Kehle drücken. Er zerrt mich ein Stück nach vorn, beugt sich zu mir und presst seine Lippen auf meine. Derart überrumpelt komme ich gar nicht dazu, mich zu wehren, bevor er mich wieder loslässt.

„Spinnst du?“, schreie ich und meine Stimme kippt, doch er legt nur den ersten Gang ein und fährt mit quietschenden Reifen los. Bäume und Nebelfetzen fliegen an uns vorbei. Bald säumt wieder weißes Gras die Straßenränder. Ich berühre vorsichtig meine Lippen, meinen Nacken. Ist er verrückt geworden? Zumindest fährt er so.
„Auf Landstraßen ist 100!“, würge ich hervor und drücke mich in die Ecke zwischen Fenster und Sitz.
Ihn scheint das nicht zu kümmern. Der Tacho klettert von 120 auf 140. Die Kurven sind eng und er zieht weit bis in die linke Spur.

Nach einer Ewigkeit rollt der Cadillac in die Hoteltiefgarage. Nach einer Ewigkeit wanke ich zum Aufzug, während der Marmor unter meinen Füßen schlingert wie ein Schiffsdeck auf Hochsee. Nach einer Ewigkeit falle ich in mein Bett, zu müde, zu geschafft, um mich abzuschminken oder auszuziehen, streife nur die Lederjacke von meinen Schultern und krieche unter die Laken.


Als ich aufwache, kommt es mir so vor, als hätte ich keine fünf Minuten geschlafen, aber ein Blick auf den Hotelwecker auf dem Nachttisch verrät mir, dass es tatsächlich fünf Stunden waren. Es ist neun Uhr morgens, die Sonne scheint ins Zimmer und als ich das Fenster öffne, um zu rauchen, schlägt mir neben Straßenlärm auch Vogelgezwitscher entgegen.

Die Welt da draußen scheint nicht mitbekommen zu haben, dass meine eigene Welt vollkommen aus den Fugen geraten ist. Alles bewegt sich, arbeitet, lacht, summt und lebt, während ich wie ein Ertrinkender am Fensterbrett hänge und an meiner zweiten Kippe sauge, als könnte sie mich vergessen lassen, was seit der vergangenen Nacht in meinem Kopf hämmert.

Tom sieht mich beim Frühstück bittend an und ich ignoriere ihn. Tom zupft mich auf dem Weg zum Van am Ärmel und ich ignoriere ihn. Tom stellt sich mir nach dem Photoshooting in den Weg und ich ignoriere ihn. Auf der Schulter habe ich jetzt einen blauen Fleck.

David sagt, dass es ihn nichts angeht, aber dass wir uns wieder versöhnen müssen. Ich sage, David ist ein Arschloch, das nur Angst um die monatlichen Einzahlungen auf seine Konten hat.

David sagt, ich wäre ein verwöhntes Kind, das endlich erwachsen werden muss. Ich sage, David ist ein Arschloch, das sich keine Teenieband hätte anschaffen dürfen.

Tom sagt nichts und drückt mir eine Kippe in die Hand und ein Glas Wodka und am Grund schwimmen kleine, blaue Brösel und ich schließe die Augen, um ihn nicht ansehen zu müssen, als ich trinke.

Ich knalle das Glas vor Davids Nase auf den Glastisch und rausche aus der Hotellounge, männlich und erwachsen. Tom macht ein besorgtes Gesicht und läuft mir hinterher. Im Aufzug sind wir allein. Ich ziehe ihn an mich, vergrabe mein Gesicht an seiner Halsbeuge und reibe meinen Schritt an seinem Bein. Es wird gleich anfangen. Toms Brustkorb hebt und senkt sich gegen meinen, er keucht. Ich ziehe mit zwei Fingern den Kragen seines Shirts nach unten, rieche an seiner gebräunten Haut und beiße hinein. Über seine Schulter spähend kann ich in den Spiegeln sehen wie seine Lippen in einem stummen Schrei auseinander reißen. Er hat sich erschrocken, mehr nicht.

Der Aufzug stockt, die Türen gleiten zurück, der Läufer führt wie ein falsch colorierter roter Teppich zu meiner Tür am anderen Ende des Ganges. Tom taumelt gegen die Haltestange an der gegenüberliegenden Aufzugwand, als ich ihn von mir stoße und mich darüber ärgere, dass meine Schritte nicht angemessen durch diesen gottverdammten Palast hallen. Tom folgt mir, schnell und vorsichtig. Er drückt sich hinter mir in mein Zimmer, als könne er sich nicht entscheiden, ob er von keinem Dritten gesehen werden will oder doch Angst vor mir hat.

Ich schließe die Tür, indem ich ihn dagegen drücke. Er darf das lasierte Holz anstarren, während ich blind den Schlüssel umdrehe und mit den Zähnen nach seinem Ohrläppchen schnappe.
Ich schiebe meine Hände unter sein T-Shirt und er zieht den Bauch ein, als ich meine Finger um seine Mitte wandern lasse und seinen Nabel kitzle. Er atmet flach, als könnten ihn meine Fingerspitzen verbrennen, wenn er sie mit seiner Haut in Berührung kommen lässt.

Hier wird nicht gespielt. Mit einem Ruck drehe ich ihn herum und drücke ihn an den Schultern nach unten. Als er auf die Knie gehen will, stößt er mit den Füßen gegen die Tür, ich muss einen Schritt rückwärts machen und draußen fängt eine Kirchturmglocke an zu schlagen.

Toms Hände sind fahrig und kalt. Er nestelt an meinem Gürtel, die Zungenspitze konzentriert zwischen die Lippen geklemmt, und streift mir die Jeans samt Boxershorts von den Hüften. Mich friert.

Toms Mund ist warm, seine Zunge geschickt, aber völlig überfordert mit der fremden Anatomie. Er gibt sich Mühe, doch nach einer Minute verliere ich die Geduld, steige ganz aus meiner Hose und gehe zum Bett. Tom folgt mir, rutscht die ersten zwei Schritte auf den Knien. Ich will ihn nicht sehen, es tut so weh.

Ich zerre mir mein T-Shirt über den Kopf, bleibe an meinen Ketten hängen und beginne beinahe vor Wut zu weinen, als ich mich mehr oder weniger blind zu befreien versuche. Toms Wärme strahlt gegen meinen Rücken. Er küsst scheu meinen Nacken und löst eine Kette nach der anderen, bevor er mir hilft, das Shirt abzuschütteln. Es tropft wie ein roter Fleck zu Boden und wird unter Toms weitem, weißem Long-T begraben. Wait till u see my, schreit es zu mir herauf. Na warte.

Tom fischt eine Tube und ein quadratisches Zellophanpäckchen aus seiner Hosentasche und legt beides auf den Nachttisch, bevor er sich seiner Baggys entledigt. Er hat eine Gänsehaut.

Wir kriechen unter die Decke, streicheln, reiben, seufzen, und es wird nur langsam warm. Toms Cap stört und ich schleudere sie Richtung Fenster. Wie ein Vogel im Segelflug prallt sie jäh gegen die Scheibe.

Ich ziehe mit dem Gel eiskalte Kreise auf Toms Steiß. Er ringt nach Luft, das Pochen zwischen seinen Beinen ist fast so laut wie sein rasendes Herz.

Das eiserne Bettgestell erzittert, als er sich an das Kopfteil klammert und die angewinkelten Beine noch ein Stück weiter auseinanderrutscht, so dass ich mich hinter ihn knien kann. Mein Becken klebt zu schnell an seinem nass geschwitzten Po, er zischt und murmelt und drückt sich gegen mich. Luft gibt es keine mehr, atmen ist zwecklos. Meine Daumen reiben über seine Haut, meine Fingernägel bohren sich in seine Hüften, ich komme immer wieder aus dem Takt und will ihm helfen und es leichter machen, aber er knurrt, als meine rechte Hand in seine feinen, krausen Härchen verirrt.

Schweben, fliegen, fallen, unser Keuchen hallt von den hohen Wänden wieder. Toms Dreads rollen über seinen golden glänzenden Rücken, sein Nacken biegt sich in einem perfekten Boden, seine Arme geben schließlich nach und er presst seine heißen Wangen gegen das kühle Metall und beißt mit einem Klicken auf sein Piercing, während sich alles in ihm zusammenzieht, während sich alles in mir zusammenzieht, während alles im Nichts verschwindet.

„Ich muss…“, murmelt er, als ich mich neben ihm auf die Matratze rolle, und steht ächzend auf. Die Decke, zu der ich aufsehe, dreht sich und meine Schultern sacken schwer ins Kissen, als wolle mich etwas durch den Lattenrost saugen. Das Zellophanpäckchen liegt unberührt neben der Leselampe.

Wasser rauscht im Bad und als Tom wieder kommt, bleibt er vor dem Bett stehen, gerade, mit offenen Haaren und gehobenem Kinn.

„Gehen wir“, flüstere ich.

„Wohin?“

Ich schüttele nur den Kopf, wälze mich aus dem Bett, suche seine Klamotten zusammen und drücke sie ihm in die Hand. „Zieh dich an.“

Er gehorcht stumm und nachdem wir beide wieder ganz bekleidet sind, nehme ich ihn an der Hand und führe ihn über den grauen Läufer zum Aufzug und drücke auf den untersten Knopf. Der Aufzug knarzt, als er in die Tiefe sinkt, und ich befürchte beinahe, dass wir stecken bleiben, doch dann öffnen die Türen sich doch und Tom sieht mich fragend an, als wir die Tiefgarage betreten.

„Schlüssel“, sage ich und halte die Hand auf. Ich weiß nicht, was es ist, aber es muss etwas in meinem Blick sein, das Tom nicht widersprechen lässt. Ohne jeglichen Protest klettert er in den Beifahrersitz seines Cadillacs und nur an seinen weißen Knöcheln seiner Hände, die er in seine Baggys krallt, ist ihm anzumerken, wie unwohl ihm dabei ist, dass ich sein Baby fahre, obwohl ich immer noch keinen Führerschein habe.

Ich ecke nirgendwo an, während ich den Wagen die enge Auffahrt hinauf ans Tageslicht lenke. Tom klappt meinen Blendschutz herunter, als ich die Augen zusammenkneife.

Es ist Mittag, viel Verkehr, aber ich nehme es kaum wahr, wenn ich angehupt werde. Ich nehme es kaum war, wie lange es dauert, bis wir uns durch das Blechmeer auf die Landstraße gekämpft haben und die rot glühenden Bäumen links und rechts neben dem Seitenstreifen an uns vorbeifliegen.

„Auf Landstraßen ist 100“, raunt Tom.

„Ich liebe dich“, antworte ich und greife mit beiden Händen nach seinem Kopf, um ihn zu küssen.

Tags: [genre] slash, [rating] p18, bill x tom
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