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Alles nur aus Liebe - P12 - (Oneshot)

Titel: Alles nur aus Liebe
Autor: unverdorben
Rating: P12
Warnungen/Genre: Kitsch der anderen Sorte
Zusammenfassung: Liebe ist, wenn man blind ist für alle Fehler. Normalerweise sieht man sie der berühmt berüchtigten rosa Brille wegen nicht. Normalerweise hat man Schmetterlinge im Bauch. Normalerweise grinst man wie der letzte Horst. Normalerweise hat man kein abgebissenes Stück Zunge im Mund.
Disclaimer: Die Herren K gehören sich selbst.

Liebe ist, wenn man blind ist für alle Fehler. Normalerweise sieht man sie der berühmt berüchtigten rosa Brille wegen nicht. Normalerweise hat man Schmetterlinge im Bauch. Normalerweise grinst man wie der letzte Horst. Normalerweise hat man kein abgebissenes Stück Zunge im Mund. Aber so fängt man nicht an. Vergesst das, ich starte noch mal neu:

Als sie noch klein und neu im Geschäft waren, haben sie die letzten zehn Minuten vor einem Promoauftritt jedes Mal ganz dicht nebeneinander gestanden. So nah, dass sie Händchen hätten halten könnten, wenn sie Mädchen gewesen wären. Aber sie waren Jungs, Brüder um genau zu sein, und Brüdern reicht es, die Schulter des anderen an die eigene gepresst zu spüren. Mal mit mehr Druck, mal mit weniger, je nachdem, wer sich gerade wie bewegt, aber immer da, immer mit vorne an der Front. Inzwischen sind sie alte Hasen und nicht mehr klein, sondern auf der Rolltreppe von der Kinder- in die Herrenabteilung unterwegs. Sie sind emotional Sechszehnjährige mit unbegrenztem Taschengeld und jeder Menge schöner Frauen. Sie sind Profis, beherrschen die ganze Prozedur im Schlaf, alles Alltag und Gewohnheit. Sie können das auch jeder allein.

Halt, nein. Flash. Das Grauen kommt immer von hinten, hunderttausend Horrorfilmproduzenten können sich nicht irren. Manchmal lauert es auch hinter Türen oder unter den Möbeln, aber draußen kommt es immer von hinten. Ob es einen an der Schulter packt oder man noch Zeit hat, sich panisch umzudrehen, spielt keine Rolle. Es ist immer zu spät. Flucht ist zwecklos, egal wohin, und nicht selten kann man überhaupt nicht wegrennen. Weil man gefangen ist zwischen Mauern oder Körpern oder Mauern aus Körpern. Oder weil die Beine einfach ihren Dienst versagen. Oder weil das eigentliche Entsetzen nichts mit der eigenen Bedrohung zu tun hat und man auf das Grauen zustürzen will, aber nicht kann, weil alles zusammen kommt: Mauern, Körper, Lähmung und der Schmerz, der einem den ganzen Brustkorb zusammenpresst. Weiter im Text.

„Haben die da eigentlich ’nen Pool?“, fragt Georg in dem Raum. Niemand antwortet. Die Frage ist nicht, ob das Hotel einen Pool hat. Die Frage ist, ob das Hotel bereit ist, seinen Pool für die nächsten Stunden für die Mehrheit seiner Gäste zu sperren. Und ob David bereit ist, das zu organisieren. „Es ist unser Geld“, argumentieren sie jedes Mal. „Ihr habt keine Ahnung“, verteidigt er seine nie ganz abgelegte Babysitter-Rolle. „Wovon wollt ihr später mal leben“, denkt er bei sich. „Es ist unser Geld“, beharren sie und am Ende bekommen sie doch ihren Willen. Sie sind erwachsen. Trotzdem wünscht David sich manchmal, sie würden – wenn schon – mit Geld spielen anstatt es wie Spielgeld zu behandeln.

Übrigens: was in Horrorfilmen nie vorkommt, ist das Knacken von Knochen. Das echte Knacken von echten Knochen. Da stellt sich niemand hin und zerbröselt das Brathähnchenskelett vom gestrigen Abendessen. Man arbeitet mit Soundeffekten und was der Zuschauer hört, ist das, was er für Knochenknacken hält, weil er es nur aus dem Fernsehen kennt. Frischer Knochen voller Mark birst mit einem Schmatzen, das keine brechende Karotte der Welt jemals nachstellen können wird. Und kein Sounddesigner weiß, dass es nicht ein Geräusch unter vielen ist, sondern das einzige Geräusch überhaupt in einer wattedicken Luft, die man unmöglich atmen kann. Man kneift heulend die Augen zusammen, wenn man es zu orten versucht, und eigentlich muss man auch gar nicht sehen können, um zu wissen, dass es schlimm ist. Beinahe, als biege und bohre sich die eigene Rippe direkt in die Lunge. Wo waren wir? Achja, der Pool.

„Ich hab keinen Bock auf Pool“, mault Bill. Er lehnt sich am anderen Ende des Raumes gegen die Armlehne eines Sofas, die Arme überkreuzt, den Mund zu einem gelangweilten Flunsch verzogen. Tom hebt nicht einmal den Kopf, um zu ihm herüber zu sehen. Große Jungs, Profis, wir erinnern uns. Und Bill hat keinen Bock auf die Diskussionen, die eine Poolorganisation mit sich bringen würde. Keinen Bock darauf, in diesem aufgetakelten Lobbyvorzeige-wir-sind-so-toll-Zimmer darauf zu warten, dass sie endlich zum Van können. Wie an der Bushaltestelle in Loitsche, echt. Er hat keinen Bock auf seinen neuen Bodyguard, der ihm ständig im Weg umgeht, und als der auch noch verlangt, dass er seine Kette abnimmt, blafft er ihn nur an. „Ich nehm die Kapuze hoch“, schnaubt er. „Lass mich in Ruhe, Arschloch“, denkt er. „Lasst mich alle in Ruhe. Ihr habt keine Ahnung, wie das ist. Dieser ganze Mist. Ganz allein. Verpisst euch einfach.”

Kehlköpfe kann man zerquetschen, wusstet ihr das? Etwas Druck auf die richtige Stelle und das war’s. Stumm für immer. Stumm ab sofort, aber selbst wenn er geschrieen hätte, hätte man ihm kaum gehört. Schreien ist das einzige Geräusch um ihn herum, Schreien aus hundert Mündern, hundert Mäulern, hundert Schreien. Seine Trommelfelle drohen zu platzen von der Gewalt, mit der das Blut in seinem Kopf tost, und er schnappt nach Luft, aber da kommt nichts. Atmen geht nicht mehr, aufstehen auch nicht, wann er gefallen ist, weiß er nicht. Über ihm ist es abwechselnd gleißend hell und stockdunkel, aber vielleicht ist über ihm gar nicht wirklich oben. Orientierung hat er keine mehr, Luft auch nicht, irgendwer schlägt das Innere seines Schädels mit Watte aus. Seine Beine fangen plötzlich an zu schmerzen, jedes einzelne Gelenk in dem wirren Haufen, der sein Körper sein muss, irgendetwas zieht und zerrt, aber wohin, wieso und Sauerstoff, jetzt. Er zappelt, er muss, irgendwo muss sie sein, die Wasseroberfläche, die Luft, er muss nur auftauchen, nur auftauchen, auftauchen aus dem Pool, aus den Körpern, aus dem Blut, aus der Watte. „Bill!“, brüllt jemand, „Bill, ich liebe dich!“ und dann schreien sie alle mit, lauter und lauter, und er grinst und bedankt sich und eigentlich will er nur weg. Nur atmen. Bitte.

„Wir können jetzt“, verkündet David und sie setzen sich in Bewegung. Die Fans toben und kreischen und sie werden einzeln zum Van gelotst, geduckt und wie auf der Flucht. Bevor Tom einsteigt, dreht er sich um und sieht, wie Georg seine Jacke eng um den Körper schlägt und mehr vorwärts fällt als geht. Hinter ihm kommt Gustav, den Kopf tief gesenkt. Dahinter Bill mit dem neuen Bodyguard. „Ich liebe dich!“, schreien die Fans, die er passiert. Die Kapuze rutscht von seinem Kopf. Eine Hand greift nach seiner Kette.
Tags: [genre] gen, [rating] p12
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