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Der andere Deutsche - P6 - (Oneshot)

Titel: Der andere Deutsche
Autor: unverdorben
Rating: P6
Warnungen/Genre: Bildbeschreibung
Zusammenfassung: Bill Kaulitz fotografiert von Karl Lagerfeld
Disclaimer: Kaulitz und Lagerfeld gehören sich selbst.
Kommentar: mal wieder unfassbar pünktlicher Beitrag zu Sommerchallenge -.-



Er kommt an und ist müde. Seine Nase glänzt. Die Stirnfransen sind fettig. Er riecht nach Regen und Schweiß, aber das ist nicht schlimm. Er ist noch jung.

Er ist unsicher, ob er ihn duzen oder siezen soll. Er grient ihn mit seinen zahnpastaweißen Beißerchen an und haut ihm die Floskeln um die Ohren, die ihm auf der Straße zugelaufen und bis hierher gefolgt sind. Er ist ordinär. Aber diese zwei Sekunden Pause vor dem Karl, diese zwei Zentimeter, die er sich zu ihm hinunter beugt, stimmen ihn gnädig. Er ist ein Kind und er tut erwachsen, was will man schon erwarten.

Viel. Nein, mehr. Er hat Potenzial. Er nimmt die Lacklederkappe nicht mit Scheu, sondern mit Respekt in die Hand. Er streicht vorsichtig über die Federn, auf seinem Gesicht nicht ein Anflug von Überheblichkeit. Er ist nicht wie der gemeine Jugendliche, der die kommerzialisierte Abwandlung einer kommerzialisierten Abwandlung einer kommerzialisierten Abwandlung von New Yorker trägt und sich dabei für trendy hält. Er hat keine Ahnung von Kunst. Er erkennt sie, wenn er sie sieht.

Seine Beine sind so dünn, dass sie die Kontur verloren haben. Stehend wird er ihn also nur bis zur Hüfte aufnehmen können. Mit Beinen wie seinen steht man nicht. Man sitzt, kokettiert und knickt ein, wenn man Brüste hat. Mann steht nicht. Einen Hintern hat er dennoch. Mäßig breite Schultern, genug Muskeln, um die Knochen zu verkleiden, sehnigzarte Hände, ein langer Hals und schmale Hüften ohne Taille. Eindeutige Keilform.

Er steckt ihn bis zum Hals in ein Seidenhemd mit Rollkragen und lässt ihn die Hände in die Seiten stemmen, sodass es über der Brust spannt. Die Manschetten sind lang, eng und mit Falten drapiert, die Seitennaht verschwindet noch in Farbe im kühlen Schwarz. Ein Fluss, der sich zwischen seinen Schultern staut, bevor er lautlos an ihm herunter gleitet. Kein Gürtel. Die Hose ist genauso schwarz wie das Hemd, die Haptik doch eine ganz andere. Der Glanz ist matter, die Lichtpunkte stärker, die Falten weicher. „Sieh mich nicht an“, sagt er. „Schau da hinter. Stell dir vor, da steht ein Spiegel.“

Er ist ein gutes Modell. Er lässt sich zurechtrücken wie eine Puppe und je mehr Anweisungen er ihm gibt, desto natürlicher sieht er aus. Er posiert en l´air derer, die selten etwas anderes tun, und immer ist er ganz verstohlene Männlichkeit. Er ist kein Junge, er ist ein Knabe, abgepudert und in Leder und Seide gehüllt. Er ist ein Küken mit Hahnenkamm und gleichzeitig uralt. Nicht linkisch, nicht herrisch, nicht scheu und schüchtern.
Mode ist, wie man das Kinn trägt. Pose ist die Kunst, nichts nach allem aussehen zu lassen. Zwanzig Jahre Mensch in Haute Couture, säulengleich aufrecht, die Augen weit offen, und den Daumen hat er unsichtbar durch eine Gürtelschlaufe gehakt. Freihändig geht es nicht.

Er lässt die Lippen klaffen, als er sich setzten darf. Nichts als Schatten zwischen den gespreizten Beinen, aber die Knöchel abgeknickt. Er balanciert auf den Hacken wie die Laufstegmädchen, wenn sie ihre schmerzenden Füße mit Druck auf den Ballen betäuben wollen. Er lässt ihn den rechten Ellbogen zurücknehmen und den linken vorschieben, bis die Hand über seinem Oberschenkel schwebt. Eine gedachte Linie zwischen den Fingerspitzen. Durch den Schritt. Die gleiche Neigung in den Schultern, den Füßen, der Kappe und der Kette. Nur der Kopf zieht nach links, weg von der Mitte. „Wie viel kostet ein Stück Butter?“, fragt er ihn und er lockert die Muskeln für einen Moment, zieht einen Mundwinkel hoch und schluckt.

„Hat es dir gefallen?“, fragt er hinterher und er nickt und steht direkt vor ihm. Er ist warm, er atmet und sein Gleichgewicht zieht ihn nach vorn. Frisch benetzte Lippen versuchen zu lächeln und er drückt ihm die feuchte Hand und lässt sie schnell wieder los. Herr Kaulitz hat noch nicht verstanden, dass man Perfektion nicht greifen kann.

Tags: [genre] slash, [rating] p6, bill x lagerfeld
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