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Tokio B.G.s feat. Bushido - Aftershowparty [Das Nachspiel] - P18 - BillxTom - (Oneshot)

Titel: Tokio B.G.s feat. Bushido - Aftershowparty [Das Nachspiel]
Autor: unverdorben
Charaktere: Bill, Tom, Bushido
Rating: P18
Warnungen/Genre: Lemon & Language/ Rache ist süß
Zusammenfassung: "Aftershowparty, ich geh raus und fick mit Bill"... ach wirklich?
Disclaimer: Die Herren K. gehören sich selbst.





Er hätte es wissen müssen. Er hätte sofort misstrauisch werden müssen, als Bill sich für den überreichten Cometen mit einer Umarmung bedankt hatte, als wären seine großen Töne über seine Phantasien mit ihm nie gewesen. Bill hatte drei Jahre und nicht drei Monate älter gewirkt, seitdem er ihm zum letzten Mal begegnet war, und er hatte umwerfend ausgesehen.


Es war ein PR-Gag gewesen, von Anfang an. Es war ihm auf die Nerven gegangen, dass diese gecasteten Kinder mehr und enthusiastischere Fans hatten als er, dass sie mit von berechnenden Produzenten hingerotzten Songs mehr verdienten als er, der er seine Lyrics immer noch selbst schrieb. Wenn sie mit ihrer Scheiße schon so viel Kohle scheffeln durften dann wollte er auch ein Stück vom großen Kuchen, schließlich war er ebenfalls bei Universal unter Vertrag gewesen.

Tom zu dissen wäre einfach nur armselig gewesen. Tom war ein kleiner Junge in zu großen Klamotten, der in seinem ganzen Leben wahrscheinlich noch nicht einmal 25 Kondome aufgerissen hatte, sofern seine Mama ihm derartiges Spielzeug überhaupt erlaubte. Ein Wannabe, der mittelmäßig Gitarre in einer Band spielte, deren Genre er nicht einmal hörte, und der wahrscheinlich angefangen hätte zu weinen, wenn Bushido ihm freundlich erklärte hätte, wie girly sein Pferdeschwanz und seine Rockausreden von Baggys doch waren. Nein, Tom zu dissen war das Kindergartenniveau von Luschen wie Peter One.

Das ideale Opfer für Bushido dagegen war Bill. Er schien als einziger der vier Zirkusaffen wenigstens in Ansätzen über so etwas wie ein Gehirn zu verfügen und war tatsächlich feminin genug, dass man nur die Augen zukneifen und seine flache Brust ignorieren musste, um ihn sich als Ische vorzustellen.

Bill hatte seine öffentlichen Annäherungsversuche „ganz nett“ gefunden und Bushido hatte gebrüllt vor Lachen, als er das Interview gesehen hatte. Diese kleine, dumme Tucke. Er war wirklich noch feucht hinter den Ohren und Jost sorgte offensichtlich dafür, dass seine Schützlinge schön ahnungslos und blauäugig blieben.

Ganz nett. Nicht einmal die Idioten von der Bahn fanden Trittbrettfahrer „ganz nett“.

Er hätte es wissen müssen. Er hätte Bills unsicheres Lachen schon damals entlarven müssen, aber er Idiot war viel zu befangen in seinem höhnischen Triumph gewesen.

Er hätte es wissen müssen, als Bill auf der Aftershowparty zu ihm herübergeschlendert war und sich wie die Schlange vom Baum der Erkenntnis in das Gespräch zwischen ihm und XY gewunden hatte, bis XY einen Bekannten begrüßen musste und er mit Bill allein war. Er hätte das Glitzern in Bills Augen, die Verstohlenheit hinter seiner Unschuldsmiene erkennen müssen und er hätte ihn niemals, niemals auf einen Drink einladen dürfen, als Bill sich vor seinen Augen eine Zigarette angesteckt und mit hohlen Wangen an ihr gesaugt hatte.

Er hätte wissen müssen, dass es ein Fehler war, sich von einem Mann einen Blowjob zu wünschen, der so androgyn war, dass sein Geschlecht jegliche Bedeutung verlor. Bill sah aus wie eine Frau, eine sehr große zwar, aber wie eine Frau. Bushido mochte Frauen. Frauen mit vollen, weichen Lippen, die sich behutsam um Zigaretten schlossen und leise seufzten, wenn sie den Rauch zur Decke bliesen.

Er hätte wissen müssen, dass es indirekter Selbstmord für seine Heterosexualität war, sich öffentlich an einen Mann heranzumachen, der ihn nicht anwiderte wie alle anderen warmen Brüder, weil er ihn insgeheim als Frau einstufte.

Er hätte wissen müssen, dass er mit dieser Einschätzung meilenweit daneben gelegen hatte, als Bills Zunge über den Zuckerrand seines Glases getanzt war.

Er hätte, er hätte, er hätte. Er hatte aber nicht.

Er hatte nicht die Flucht ergriffen, als er sich dabei erwischte, wie er sich über die Lippen fuhr, wenn Bill es tat, er war geblieben, als seine Hose enger wurde, er hatte sich von Bills Stimme, die nach ein paar Minuten reden langsam kratzig wurde, nicht ablenken lassen und er war Bill vor allem gefolgt, als dieser sich mit einem Augenzwinkern mal eben entschuldigt hatte.

Auf der Toilette hatte Bill sich geziert, war ihm ausgewichen und Bushido hatte sich in seiner Klassifizierung von Bill als Mädchen nur bestärkt gefühlt.
„Nicht hier“, hatte Bill gezischt und ihn mit einem Blick angesehen, der nur einen ausgedrückt hatte: Verlangen.

Er wäre über ihn hergefallen, hätte ihn in eine Kabine gezerrt und sich genommen, wonach er während Bills langweiligen Vorträgen die ganze Zeit gelechzt hatte, aber es war Bill, den er vor sich hatte, einen unschuldigen Teeniestar, und kein billiges Groupie, für das sich auch dann niemand interessiert hätte, wenn es gar nicht mehr von der Toilette zurückgekommen wäre.

Stattdessen hatte er beruhigend auf Bill eingeredet, romantische Scheiße geflüstert und er hätte das verklärte Glänzen in Bills Augen nicht als Rührung verstehen dürfen, er hätte – aber für Selbstvorwürfe war es zu spät.

Tatsache war, dass er sich von Bill mit auf sein Hotelzimmer hatte nehmen lassen wie ein Kuscheltier von der Bühne, dass Bill ihn auf sein Bett bugsiert hatte, dass er sich lächelnd in die Kissen hatte sinken lassen und sich unendlich geil vorgekommen war, als plötzlich Handschellen klickten und seine Arme an das Bettgestell fesselten.

„Ich dachte, du magst es auf die harte Tour“, schnurrte Bill und betrachtete mit hochgezogenen Augenbrauen seine erschrockene Miene. Nein, weidete, er weidete sich an seiner Miene und Bushido war sich benutzt vorgekommen, noch bevor sich die Tür öffnete und Tom ins Zimmer kam. Der schloss die Tür ab, stellte sich hinter seinen Bruder und begrüßte ihn förmlich. „Ey yo, Homie.“

Bill lachte und der Sandkastenrapper legte eine Hand mit weit gespreizten Fingern auf seinen Bauch, zog ihn an sich und spähte durch seine dunklen Strähnen auf Bushidos Hilflosigkeit. Er entledigte Bill seiner Hosenträger ohne auch nur nach unten zu schielen und entblößte Bills flachen, definierten Bauch.

„Schon geil, der Kleine“, knurrte er in einem Tonfall, bei dem Bushido nicht verwundert gewesen wäre, wenn er ihm als nächstes einen Tritt in die Eier verpasst hätte.

Bill ließ sich von Tom den Rollkragenpullover ausziehen und präsentierte Bushido seinen schlanken, muskulösen Oberkörper von allen Seiten, als er mit Leichtigkeit einen schweren Sessel vor das Bett schob. Er drehte sich zu Bushido um und ließ seine Wimpern flattern wie vor einer Stunde im Gedränge der Party, während Tom sich in den Sessel flakte und seine Hände nachlässig über Bills Hüften und Hintern auf Wanderschaft schickte.

„Knackarsch“, klärte er Bushido auf und verpasste Bill einen Klaps darauf. Bill zuckte nicht einmal.

„Was wolltest du noch mal von meinem Bruder?“, fragte Tom mit belegter Stimme, zog die Stirn in Falten und bugsierte Bill neben sich auf die Lehne.

„Wolltest du ihn anfassen?“, wisperte er und kratzte mit seinen kurzen Fingernägeln über Bills Schritt. Bill fixierte ihn durch seine langen Wimpern, regungslos.

„Ja oder Nein?“, fügte Tom hinzu, als Bushido nicht antwortete und sich nur stumm verfluchte.

„Nein“, krächzte er, obwohl er „Ja“ meinte, obwohl Tom einen Oberkörper streichelte, der eindeutig männlich war. Bill war keine Frau, er war nicht einmal schmächtig, er hatte Muskeln an all den Stellen, an denen ein Mann Muskeln haben sollte und sie zeichneten sich deutlich unter seiner hellen Haut ab.

„Rumlecken?“ Er hauchte einen Kuss unter Bills Nabel.

„Nein.“ Ein armseliges Röcheln. Eine blanke Lüge.

„Ficken?“

„…“ Atemnot. Wo war er hier nur gelandet? Wie absurd war die Welt auf einmal? Hatte ihm jemand etwas ins Glas geworfen? Passierte so was nicht immer Weibern?

„Anis“, raunte Bill, während Tom seinen Kiefer ehrfurchtsvoll mit dem Zeigefinger nachzog.

„Hmws?“, rang Bushido sich ab. Die Luft war zum Ersticken schwer und Bills Blick brannte sich durch seine geweiteten Pupillen direkt in seine Netzhaut. Das war ein Kind, das ihn da mit seinen Augen festnagelte. Das war ein Kerl, der seinen Namen in seinem Mund herumrollte wie ein exquisites Bonbon. Das war kein Ständer in seiner Hose.

„Anis, willst du mich ficken?“, flüsterte Bill weiter, das Zittern, das durch die Fingerspitzen seines Bruders lief, nicht beachtend. „Hast du dir vorgestellt, wie eng ich bin?“

Viagra. Die kleine Schlampe hatte ihn mit Viagra vergiftet. So eine Erektion in so kurzer Zeit, ohne dass man ihn auch nur angefasst hätte, war nicht normal.

„Willst du? Oder willst du von mir gefickt werden? Hm, Anis, wann hast du es zum letzten Mal so richtig besorgt bekommen?“

Bushido warf den Kopf in den Nacken und erbrach sich in Flüchen, die er selbst nicht verstand.

„Keine Sorge“, murmelte Bill und hustete. Bushido schielte nach ihm ohne den Kopf zu drehen. Tom saß breitbeiniger da als vorher, war aber mit dem Oberkörper halb hinter Bills Rücken verschwunden. Seine Basecap hatte er achtlos auf den Teppich geworfen. Wenn sie zwischen ihm und seinem Bruder standen, kannte Tom auch mit seinen geliebten Kopfbedeckungen keine Gnade.
Mit dem Daumen fuhr er Bills Wirbelsäule hinauf und küsste jeden einzelnen Wirbel, den er ertasten konnte. Das Parfüm, das Bill trug, war „Pure Poison“ von Dior und der schwere Duft, würdig einer jeden Femme Fatale, mit der herben Note von Bills weicher Haut zur Perfektion gebracht, ließ sein Inneres schmelzen und in heißen Rinnsalen in jede Faser seines Körpers tröpfeln.
Er konnte Bushidos rasselnden Atem hören, Bills sanftes Lächeln spüren und den Leberfleck zwischen seinen Schulterblättern schmecken.

„Keine Sorge“, flüsterte Bill so leise, dass Bushido ihm von seinen glossglänzenden Lippen lesen musste. „So was wie dich fasse ich nicht an, Anis. Ich will mir nichts holen, das verstehst du doch?“

Bushido nickte mechanisch und konnte auch dann nicht damit aufhören, als nach all dem Glanz und heiseren Säuseln die eigentliche Botschaft von Bills Worten in seinem Gehirn angelangt war. Er war auf Drogen – Tabletten oder Sänger, welche Rolle spielte das überhaupt?

„Was würdest du davon halten, wenn ich meinen süßen, kleinen Bruder hier nehme?“

Sein Nacken gefror augenblicklich und Bushido drehte und wand seinen Hals wie eine hilflose Schildkröte, um das Gefühl loszuwerden, sein Kopf könne jeden Moment von seinen Schultern brechen.

Bill knabberte nachdenklich an seinem kleinen Finger und studierte die Stuckrosette um den Kronleuchter, während Tom bei seiner Frage ein Aufseufzen entwichen war und er sein heißes Gesicht in Bills Kreuz gedrückt hatte. Er machte ihn wahnsinnig und wenn er dazu seine kochenden Wangen nicht von ihm hätte lösen müssen, wäre Tom auf der Stelle vor seinem Zwilling niedergekniet. Nicht, um Bill auch zwischen den Beinen zu küssen, sondern ausschließlich, um den Platz einzunehmen, der ihm in Bills Gegenwart der einzig richtige erschien. Bill würde ihn nicht als Fußschemel benutzen, das wusste er.

„Nicht gut?“, lächelte Bill salbungsvoll. „Glaub mir, das hält er schon aus. Im Gegensatz zu deinem harten Memmenverein zieht er bei etwas anderen Männern nicht den Schwanz ein und wird zum Angstbeißer. Aber was rede ich eigentlich, du bist ja selber vom anderen Ufer. Schon schlimm, wenn man das nicht zugeben kann, weil sonst sogar Mami nicht mehr stolz auf einen wäre, hm, Anis?“

Bushido ballte die Hände zu Fäusten und rüttelte an seinen Fesseln, die sich sofort schmerzhaft in seine Gelenke schnitten.

„Echte“, erklärte Bill. „Nicht so ein Plüschkram, den du für deine Biatches verwendest. Kriegst du bei denen überhaupt noch einen hoch oder denkst du dann einfach an mich?“

Toms warmer Atem gegen seine Schultern wurde immer flacher. Er ließ seine Hand von seinem Mund herunterfallen und tastete nach Toms T-Shirt, bis er unter dem samtigen Stoff auf Widerstand traf und Toms Wärme spüren und beruhigend streicheln konnte. Geduld war keine von Toms Stärken.

„Also, Anis? Falls du darauf hoffst, dass ich Tom drüber lasse, muss ich dich übrigens enttäuschen. Aber deine Mama hat dir ja sicher erklärt, wie das ist mit den Vorurteilen und dass man nicht nach dem ersten Eindruck gehen darf.“

Drogen. Viagra. Kein Ständer. Bill. Hinter Bushidos Stirn veranstalteten Verstand, Vernunft und wirre Gedankenfetzen einen Pogo. Er wollte weg von hier, weg von diesen lustgetränkten Augen, von der Hand auf Bills Hüfte, die nicht seine war, von seinem eigenen lauten Ringen um Luft und Kontrolle über die Situation, sich und vor allem seinen Körper.

„Tom, was wollte er von mir?“, wandte Bill sich an seinen Bruder.

Tom widerstand dem Drang, ihm sein süßes Lächeln vom Gesicht zu küssen, und räusperte sich, bevor er eine Hand in Bills Nacken legte, das Tattoo kraulte und ihn von der Lehne zog. Bushido, dessen Lungen sich, kaum dass sie unter Bills festem Blick nicht mehr versengten, schlagartig mit Sauerstoff füllten, riss ungläubig die Augen auf, als Bill sich zwischen Toms Beine kniete, seine Arme auf dessen Oberschenkeln legte, das T-Shirt hochschob und behutsam an Toms Gürtel nestelte, beinahe so, als könne er etwas kaputt machen.

Tom seufzte in Erwartung dessen, was kommen würde, befeuchtete seine Lippen und verhakte seinen Blick mit Bushido. Anders als in Bills Augen loderte in seinen Pupillen unverhohlene Abscheu. Unter anderen Umständen hätte er dem Wichser, der glaubte, seine Frustrationen an seinem Zwilling austoben zu müssen, nonchalant vor die Füße gekotzt und ihn die Sauerei mit einem Taschentuch aufwischen lassen. Tom hätte ihn gezwungen, sich mit einer stumpfen Rasierklinge die Eier abzuschneiden, er hätte ihm sein Maul mit seinem Schwanz gestopft, er hätte hundert Dinge getan, für die „abscheulich“ noch ein zu freundliches Wort war.

Aber Bill hatte es anders gewollt. Bill hatte es so gewollt, dass er Toms pulsierende Wut mit fliegenden Fingerspitzen besänftigte, während Tom die Aufgabe übernahm, die Schweißperlen auf Bushidos Stirn zu zählen.

„Er ist wunderschön, nicht wahr?“, raunte Tom und strich über den Kopf seines Bruders. Bushido nickte stumm, unfähig, auch nur ein Wort zu sagen, unfähig, auch nur den kleinen Finger zu rühren.

„Hat dir schon mal jemand mit einem Zungenpiercing einen geblasen?“, fragte Tom. Er zwirbelte eine schwarze Strähne um seinen Mittelfinger und tat so, als wäre er sich der Geste nicht bewusst. Sein Kopf war heiß vom Alkohol, sein Schoß wurde von Bills Atem gewärmt und sein Herz brannte. Er hatte das Gefühl, gleich vor Liebe platzen zu müssen, als Bill ihn küsste und einen glänzenden Lipglossabdruck auf dem dünnen Stoff seiner Boxershorts hinterließ.

„Was genau gefällt dir an ihm?“

Bushido schluckte und beobachtete atemlos, wie Tom verhalten stöhnte und für einen Moment die Augen schloss, kaum dass er die Frage ausgesprochen hatte.

„Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie weich seine Lippen sind. Deine Nutten können einpacken.“

Bushido schluckte wieder, aber der Druck auf seiner Kehle wollte nicht verschwinden, genauso wenig der Druck in seiner Hose. Es fing an, unangenehm zu werden, so hart war er.

„Wenn du“ - Tom sog zischend Luft ein – „endlich mit der Sprache rausrückst, dann sag ich dir, wie geil seine Zunge ist.“

„Ich ähm“, räusperte Bushido sich, aber es klang mehr wie ein kratziges Bellen als ein menschlicher Laut.

„Du was?“, keuchte Tom.

Bushido wollte nichts sagen, er wollte mucksmäuschenstill sein und versuchen, das leise Schmatzen auszumachen, dass er unter Toms schweren Atemzügen zu hören glaubte. Da, da war es, das unschuldige Geräusch, das auch bei Flugküssen entstand, nur dass es in diesem Fall ganz sicher keine Luftdistanz zu überwinden hatte. Bushido schaffte es, seine Lähmung soweit zu überwinden, dass er den Kopf ein wenig verrenkte und sich zu erkennen bemühte, was genau Bill gerade tat. Lecken, Küssen, Knabbern – Bills Haare verdeckten ihm wie ein schwarzer Wasserfall die Sicht. Womit auch immer er gerade für den glänzenden Film auf der Stirn seines Zwillings sorgte, Bill schien es den Geräuschen nach zu urteilen vor allem mit einem zu tun: Genuss.

Bushidos Eingeweide verknoteten sich und sein Schwanz zuckte, schmerzhaft prall und wütend darüber, dass dieser kleine Möchtegern-Hopper sich wegen seiner Schlampe von einem Zwilling einen abstöhnte, während er dazu verdammt war, unbeweglich dazuliegen und ihm zuzusehen, wie er seine Figur in den Strähnen vergrub, die noch vor ein paar Stunden sein Gesicht gestreift hatten.

Es war ihm egal, dass er sich gerade in der schwulsten Situation seines ganzen Lebens befand. Es war ihm egal, dass er es endgültig vergessen konnte, sich selbst zu erzählen, sein Abfeiern vor dem stumm geschalteten Fernseher wäre nur eine private Fortsetzung der PR-Sicherung und außerdem die drucksteigernde Folge sowie befreiende Lösung des mangelnden Ischenangebots. Seit seinem Liebesgeständnis rannten ihm Tokio Hotel-Fans in Scharen hinterher und verscheuchten seine Weiber, die keinen Bock auf kreischende Heulbojen hatten. Das hatte er auch nicht und noch viel weniger hatte er Bock auf eine Anzeige wegen Verführung Minderjähriger.
Das war Toms Niveau. Sollte der ruhig Kinder ficken und sich von seinem Management seinen süßen Arsch retten lassen, Bushido hielt sein penibel angelegtes Vorstrafenregister sauber. Man konnte sich alles leisten als Gangster, wirklich alles, nur dieses eine böse Wort sollte man dem Richter nie in den Mund legen: Sexualdelikt.
Wer Kinder flach legte oder die Beine einer Frau statt mit Geld und Alkohol mit Gewalt spreizte, war im Knast der Seifenbücker. Und das war nur ein Vorgeschmack darauf, was ihn erwarten würde, wenn er wieder raus käme.
Nein, so etwas war Toms Niveau und im Gegensatz zu ihm hatte der lächerliche kleine Playboy in spe einen ganzen Stab an Profis hinter sich, die immer und überall dafür sorgten, dass seine Weste blütenrein blieb.

„Ich find dich auch scheiße“, knurrte Tom, der Bushidos abwesenden Blick bemerkt hatte. Er hasste es, wenn er die Aufmerksamkeit seiner Umwelt nicht so vollkommen fesseln konnte wie sein Zwilling, aber er wäre nie auf die Idee gekommen, deswegen eifersüchtig auf Bill zu sein. Es war die Schuld der anderen, es war Bushidos Schuld.

„Schau mich an, du Wichser!“

Bushido blinzelte. Er gestand es sich nicht gerne ein, aber Tom klang männlicher, als er es ihm jemals zugetraut hätte. Seine Stimme troff geradezu vor Testosteron und der Grund dafür konnte nur Bill sein, dessen Kopf sich inzwischen in einer Geschwindigkeit auf- und abbewegte, die Bushido schwindeln ließ.

„Ey!“, schnauzte Tom ihn an und ließ den Kopf in den Nacken rollen und stöhnte, sobald Bushido seinem Befehl endlich Folge leistete und seinen Blick von den Reflexen in Bills Haaren losriss.

„Gott“, seufzte Tom kehlig und betitelte damit das Bild, dass er seinem Publikum bot, mehr als treffend.
Bushido verfluchte sich zum dritten Mal an diesem Abend, aber es half nichts. Toms Hals beschrieb einen perfekten Bogen, eine glänzende Schweißschicht überzog die karamellfarbene Haut seiner entblößten Kehle, sein Adamsapfel hüpfte unkontrolliert. Er krallte sich mit der einen Hand in das Leder des Sesseln, die andere hatte er tief in den fließend glatten Strähnen seines Bruders vergraben, der gelegentliches Ziehen mit einem protestierenden Brummen quittierte, das wiederum nicht nur Toms Schwanz, sondern seinen ganzen Körper, sein ganzes Sein in die delikatesten Schwingungen versetzte, die man sich vorstellen konnte.

„Nur weil er sein Zwilling ist“, schaffte Bushido es gerade so, in seinem kochenden Hirn eine Entschuldigung für das Pochen zwischen seinen Beinen zu formulieren, aber im Grunde wusste er genau, dass es eine dreiste Lüge war. Toms Dreads krochen wie absonderliche Gewächse über seine schlanken Schultern, sein T-Shirt klebte an seinem Oberkörper und seine geschlossenen Augenlider flatterten. Er hatte keinen Sex, er war Sex, eine stöhnende Allegorie auf die Ekstase.

Und der Künstler kauerte zwischen seinen bebenden Oberschenkel wie ein Raubtier, dass gierig seine Beute verschlang, bevor es ihm jemand streitig machen konnte. Bill mochte Toms Schwanz mehr als seinen eigenen und das war das größte Kompliment, das er einem anderen Mann machen konnte. Natürlich ähnelten er und Tom sich auch untenherum wie ein Ei dem anderen, aber an seinem Schwanz hing kein Tom, und das war es, was das beste Stück seines Bruders zum besten Stück überhaupt machte. Die bitteren Tropfen von Toms Spitze zu lecken war süßer als jeder bekommene Blowjob und er ließ sein Piercing mit einer Hingabe tanzen, die nur eifersüchtige Liebe kennt.

Bushido heulte vor Wut und Ohnmacht und bekam doch keinen Ton heraus. Das Pochen in seinem Schwanz war zu einem gnadenlos Hämmern geworden und das Blut rauschte in seinen Ohren, allerdings ohne ihn mit den Endorphinen zu überschwemmen, die durch die Körper der Zwillinge rauschten. Seine Schultergelenke schmerzten von der unnatürlichen Haltung, sein Nacken war taub, er hasste die Welt. Er hasste Tokio Hotel, er hasste Tom und vor allem hasste er Bill. Trotzdem hätte er auf der Stelle seine Seele verkauft, wenn Bill dafür über seinem Schoß auf die Knie gegangen wäre. Er hasste sich selbst.

Bill summte und Tom verschluckte sich, als er nach Luft rang. Bushidos Anwesenheit interessierte ihn nicht länger, er wollte ihm keine Show bieten und er schämte sich auch nicht, sich vor seinem stechenden Blick so gehen zu lassen. Er war blind für alles um ihn herum, taub für jedes Geräusch, außer dem amelodischen Singsang – Singsang? Der Symphonie! – zwischen seinen Beinen, die er unmöglich weit genug spreizen konnte. Wie eine Wachsfigur schmolz er in die Polster, atmete, lebte und kam.

Bill stand langsam auf und schlich auf das Bett zu, auf dem Bushido lag. Er lächelte, die Augenbrauen ein wenig nach oben gezogen, als würde er Bushido stumm um seine Meinung zu der Performance bitten. Und Bushido nickte, weil es ihm als das einzig Richtige erschien, und konzentrierte sich darauf, nicht zu wimmern, als er spürte, wie sich die Matratze links und rechts neben seinem Kopf unter dem Gewicht von Bills Armen einsenkte.
Bills geröteter Mund schwebte wie die verbotene Frucht über seinem verschwitzten Gesicht, in dessen Falten das Salz brannte, und er kam langsam näher, bis Bushido die Augen schloss und ein Paar seidiger Lippen auf seinen spürte.
Bill küsste ihn. Sein Herz setzte aus, alles Blut, das seinen Schanz noch nicht schier zum Platzen brachte, strömte in einem gewaltigen Sturzbach in seine Mitte, und er öffnete willig, so willig seinen Lippen. Bills Zungenspitze traf mit einem elektrisierenden Schlag auf seine und plötzlich füllte sich sein Mund mit einer zähen, herben Flüssigkeit. Bushido würgte, spuckte und starrte Bill mit weit geöffneten Augen an, als er erkannte, welcher Geschmack seine Zunge verwelken ließ.

Bill hatte sich wieder aufgerichtet und grinste auf ihn hinunter, bevor er lippenleckend die letzten Reste von Toms Samen schluckte. Einen Moment lang spielte er mit dem Gedanken, seine eigene Erektion auf eine Art und Weise loszuwerden, die Bushido noch viel weniger gefallen würde, aber dann kam er zu dem Schluss, dass die Befriedigung, die ihm Bushidos verzerrte Züge boten, an diesem Abend nicht mehr übertroffen werden konnte.

Er löste eine Handschelle vom Bettpfosten, hielt sie fest und beugte sich wieder hinunter. Bushido kniff die Augen zusammen, als erwarte er, angespuckt zu werden, und drehte den Kopf weg. Bills warmer Atem streifte seinen Nacken, kroch in sein Ohr.

„Betrachte dich als gefickt, Gangster.“
Tags: [genre] slash, [rating] p18, bill x tom
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