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Fanartikel - P6 - (Oneshot)

Titel: Fanartikel
Autor: unverdorben
Charaktere: Bill
Rating: P6
Warnungen/Genre: Hypothesen und so
Zusammenfassung: Es war einmal in dreißig Jahren...
Disclaimer: Herr K. gehört sich selbst.
Kommentar: Geschrieben für die Anon-Challenge auf 120_minuten - die übrigens noch bis Sonntag läuft *euch mal rüber zum Schreiben schubs*^^

Letztens sah ich mein Gehirn beim Ladenschlussverkauf, da musste ich einfach zugreifen. Es stand in einem Regal neben einem Paar geschmackloser Schuhe und sah so aus, als wäre es oft in die Hand genommen und prüfend gedreht worden. Überzeugt hatte es offensichtlich niemanden.

„Möchten Sie es anprobieren?“, hörte ich den Verkäufer rufen und emsig herbeischaffeln. Ich wandte mich nur halb zu ihm um und ließ ihn mein Gesicht erkennen.
„Oh“, machte er und blieb so abrupt stehen, dass er beinahe vornüber gefallen wäre.
„Soll ich es Ihnen einpacken?“, fragte er nach Weile peinlich berührt, als ich nichts weiter tat, als dort neben dem Regal zu stehen, mein Gehirn in der Hand und mein Profil überdeutlich im blendenden Gegenlicht. Ich nickte und er nahm mir das Gehirn ab, geflissentlich darum bemüht, dass unsere Finger sich nicht berührten, schaffelte zur Kasse und schlug in die Tasten.
Eigentlich tippt er nur den Betrag ein, dachte ich, während ich ihm langsam folgte, aber er tut es mit so einer Vehemenz, dass man meinen könnte, er hege einen persönlichen Groll gegen die geduldig piepende Maschine. Genauso, wie er eigentlich auch nicht schaffelt, denn das ist gar kein richtiges Wort, aber es ist dennoch der einzige Ausdruck, mit dem man seinen Gang wenigstens annähernd beschreiben kann. Es ist ein übereifriges Wuseln mit einer ergebenen und gleichzeitig höhnischen Unterwürfigkeit, ein schnelles Schlurfen, bei dem die Füße sich nie vom Boden zu trennen scheinen, eine Art aufgerichtetes Kriechen.

Ich reiche ihm meine EC-Karte, bevor er mir den Preis nennen kann. Er sieht betont zur Seite, als ich meine Geheimnummer eintippe, lächelt künstlich, während das System arbeitet, und schiebt mir schließlich eine dünne Plastiktüte mit meinem Gehirn in grauem Papier über den Ladentisch. Ich bedanke mich und er macht ein Gesicht, als hätte ich ihm weh getan.

Zu Hause schlage ich mein Gehirn vorsichtig aus dem Papier und lege es in einen tiefen Teller. Es ist die Art Teller, in denen in italienischen Restaurants mit großer Geste kleine Nudelkreationen serviert werden, der Tellerrand so überdimensional, dass man sich dahinter verstecken kann. Ich habe keine Ahnung, woher ich diese Teller habe. Ich habe sie nicht gekauft, sie waren irgendwann einfach da und ich benutze sie nie, weil sie nicht in die Spülmaschine passen.

Nach einigem Überlegen gehe ich in die Küche, hole mir ein Glas Wasser und gieße es vorsichtig über die Furchen. Die Fingerabdrücke der anderen Kunden verschwinden dadurch zwar nicht ganz, heben sich aber wenigstens nicht mehr so deutlich von der fahlen Haut ab.

Ich denke, ich werde mein Gehirn in die Vitrine im Wohnzimmer einschließen. Ich werde meine Preise so auseinander schieben, dass sie einen Ring bilden, und mein Gehirn in dem unpraktischen Teller mitten hineinstellen und täglich wässern. Es wird umständlich sein, jeden Tag den Schlüssel in das winzige Schloss zu zwängen, aber zumindest wird dann niemand mehr behaupten können, ich hätte meinen Verstand verloren.
Tags: [genre] gen, [rating] p6
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