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777 - Dein Blut in meinen Adern - P18 - BillxTom - (7/7)

Sünde Acedia ° Trägheit
Autor: unverdorben
Charaktere: Bill, Tom
Rating: P12 (Slash)
Warnungen/Genre: eine Winzigkeit Twincest - zu mehr konnte ich mich nicht aufraffen
Zusammenfassung: Bill ist müde.
Disclaimer: Bill und Tom schlafen immer noch. Ich versichere, dass sie es auch weiterhin gut bei mir haben werden und so viele Plastikpuppen bekommen, wie sie wollen. || Das Zitat stammt von Billy – nein, das ist kein blöder Kosename für einen gewissen Sänger, sondern das Pseudonym eines Schweizer Aphoristikers (*1932)
Kommentar: Geschrieben für 7_suenden.



Auch heute
war der Pegelstand der Wirklichkeit kaum zu ertragen


Bill kennt alle Fragen auswendig und der Moderator alle Antworten. Es ist nicht nur so, dass immer die gleichen abgelutschten Floskeln durchgekaut werden wie alter Kaugummi, der schon längst seinen Geschmack verloren hat. Nein, man spricht sich vorher ab. Wenn wir ein Interview für eine Handvoll koffeinzittriger Journalisten geben, ist es kein Problem, wenn einer von Davids Anstandswauwaus eine Frage abwürgt oder sich die Anspielungen in diese oder jene Richtung verbietet, aber vor laufenden Kameras in Live-Shows wäre das ein bisschen peinlich Also geht man vorher wie beim Soundcheck alles durch und bemüht sich hinterher, schön interessiert und kommunikationsfreudig sein Textlein aufzusagen.

Tatsächlich öden wir den Moderator genauso an wie er uns und eigentlich wollen wir alle nur nach Hause und uns das schmerzhafte Grinsen und die juckende Foundation vom Gesicht wischen. Schon mal mit dem lärmenden Bedürfnis, sich an der Nase zu kratzen, vor einem Millionenpublikum gesessen? Und es nicht gekonnt, weil das Make-up gelitten hätte? Weil alle hätten sehen können, was es mit der reinen Kaulitzhaut auf sich hat? Nein? Schätzt euch glücklich.

Sicher macht uns der Zirkus Spaß. Sicher gibt er uns was.
Irgendwas.
Glaube ich zumindest.

Und wenn ich da hocke und meinen Arm hinter Bills Rücken auf die Lehne lege, weil Dunja dann immer ganz leuchtende Augen bekommt und sich so wenigstens ein Teil von mir hinter ihm verstecken kann, passiert es manchmal, dass ich mich frage, wie viele von den sabbernden Mädchen vor den Fernsehern und Computerbildschirmen sich Gedanken darüber machen, wie es sich anfühlt, als junger, aber erwachsener Mann den ewig fünfzehnjährigen Pausenclown spielen zu müssen.

Solche Überlegungen sind scheiße. Sie enden jedes Mal mit der Erkenntnis, dass es hier nicht um mich geht, sondern um das Produkt, dass ich mit den Anderen darstelle und verkaufen soll, und das führt automatisch zu einem pelzigen Gefühl im Mund und nervigem Pochen in den Schläfen.

„Ich bin müde“, sagt Bill, als wir backstage später in den Sofas hängen wie feuchte Handtücher, die man mit Gewalt ausgewrungen und zum Trocknen über den Badewannenrand gelegt hat. Klamm und kalt, so was will man nicht anfassen. Und dann steckst du aber in deinem Körper – wie willst du den nicht anfassen?

Ich brumme zustimmend und schließe die Augen. Wir sind zu fertig, um die Lethargie wegzuficken, und Alkohol ist keine gute Idee, wenn man sogar zu faul ist, um bis zur Kloschüssel zu laufen. Wir sind in der richtigen Laune, um stundenlang Raufasertapeten anzustarren, aber die verdammten Hotels haben natürlich nur aalglatte Wände in entspannend-edlen Pastelltönen und innenarchitektonisch raffiniert platzierten Stuck.

Der Einzige, der nicht aussieht, als wäre er eben einem Sarg entstiegen, ist David. Er wuselt herum wie ein Eichhörnchen auf Speed und geht allen mit seiner guten Laune auf den Sack, bis Gustav sich irgendwann erbarmt, sauer auf ihn wird und die Energie aufbringt, ihn anzumaulen. David hat dafür natürlich kein Verständnis. Der Himmel ist blau, das Gras ist grün, wir sind schön, das Leben ist ein Wunschkonzert. Wenn meine Arme und Beine nicht so schwer wären, würde ich ihm noch einen Strauß Veilchen für sein Paradies schenken.

„Was machen wir heute?“, frage ich die Decke.

„Rumliegen.“

Und das machen wir wirklich. Bill zappt irgendwann durch das Fernsehprogramm und eine pferdegesichtige Moderatorin erzählt uns, dass das Bushäuschen, an dem wir früher jeden Morgen auf den Straftransport gewartet haben, von randalierenden Jugendlichen zerstört wurde und jetzt versteigert werden soll. „Wer das kauft, ist pervers“, gähnt Bill und beäugt meine lahmen Versuche, seinen Schritt zu kraulen. Seinen Gürtel zu öffnen ist viel zu viel Arbeit. Eigentlich hab ich auch gar keine Lust, ihm ernsthaft einen runter zu holen. Meine Hände werden vom Gitarrespielen schon genug beansprucht und dann müsste man ihn hinterher auch noch sauber machen, denn er wird sicher nicht aufstehen und nach Taschentüchern suchen.

°

Wir geben eine Autogrammstunde in Michigan und die Zeit kriecht. Ein nervöses Mädchen nach dem anderen schiebt mir Karten, Poster und Titten zum Signieren hin; meine Hand tut schon nach zehn Minuten weh.

Wir haben uns den Arsch aufgerissen für das Room 483-Album. Wir spielen Konzerte, wie Musiker das eben so machen. Was haben wir getan, dass wir es diesen Horden schuldig sind, uns Ewigkeiten in ein Einkaufszentrum zu setzen und uns „Heather“ und „Liz“ mit „z“ vorbuchstabieren zu lassen? Liz sieht wenigstens noch ansprechend aus, aber die Katy hinter ihr ist eine wahre Naturkatastrophe. Wenn wir schon tagtäglich das nervtötende Visagistenprogramm über uns ergehen lassen – und das als Kerle – dann könnten unsere Fans doch wenigstens so höflich sein und zehn Kilo abnehmen und sich mit Clearasil vertraut machen, bevor sie uns unter die Augen treten.

Als ich Bill das ins Ohr flüstere, verdreht er die Augen und raunt: „Du wolltest, dass alle Frauen nackt rumlaufen müssen.“ Danke, kleiner Bruder, jetzt ist mir richtig schlecht.

Die Megan vor mir bekommt Herzchenaugen, als sie sieht, wie nah meine Lippen Bills Ohr sind. Ich kritzle schnell meinen Namen auf ihren Arm und nicke der nächsten zu. An Tagen wie diesem wünsche ich mir, wir hätten mehr männliche Fans. Jungs, die davor Respekt haben, was wir machen, und mich nicht anstarren, als wollten sie mich auffressen. Aber nein, ich bin Zielgruppentechnisch dazu verdammt, mich von tausend Augen ausziehen zu lassen. Wir sitzen auf dem Präsentierteller, ich und Bill und die Gs, und es fehlt nur noch, dass jemand kommt und uns Petersilie in die Ohren und einen Apfel in den Mund steckt. Den Apfel könnten wir hinterher meistbietend versteigern, vor allem, wenn er zwischen Bills ungeküssten Lippen war.

„Müde“, seufzt der Unschuldsengel durch zusammengebissene Zähne, so dass nur ich ihn hören kann.

„Cut?“, zische ich zurück.

Er verdreht wieder die Augen. Wie denn, du Hirni?

„Schuldest mir was“, wispere ich und winke Saki zu mir. Man muss nur die richtigen Knöpfe drücken, den richtigen Ton treffen und dann noch ein bisschen beten, dass Saki seinen Botenjob einigermaßen ernst nimmt und David einen barmherzigen Tag hat, et voilá, wir dürfen gehen, nach nur einer Stunde. Nein, wir müssen dringend weg, spät dran, Termindruck, es tut uns so Leid, dass manche von euch Süßen umsonst aus einem anderen Bundesstaat angereist sind, aber hey, wir sind Stars, wir haben viel zu tun. Sorry, girls, sorry.

„Wie hast du das gemacht?“, fragt Bill, als er sich auf die Sitzbank in der Bus-Lounge fallen lässt. Tja, nicht nur er ist ein Meister der freihändigen Manipulation.

„Sag ich nicht“, antworte ich und steche ihn in die Seite, damit er rüberrutscht und mir Platz macht.

„Da haben ziemlich viele kein Autogramm gekriegt“, murmelt er, rutscht, lehnt seinen Kopf an meine Schulter und gähnt.

„Schlechtes Gewissen?“

Er schnaubt verächtlich und nuschelt „Ich bin müde“, als wäre es eine Entschuldigung.

°

Bill liegt mit geschlossenen Augen auf seinem Bett, während ich auf der Kante sitze und ihn abschminke. Ich kann es nicht so gut wie er. Es bleiben immer schwarze Schlieren zurück, egal, wie oft ich einen neuen, sauberen Wattepad tränke und ihm damit vorsichtig über die Lider fahre. Irgendwann gebe ich es auf und nehme ihm stattdessen den Schmuck ab. Er hilft nur sporadisch mit, als ich ihm T-Shirt, Schuhe, Jeans und Socken ausziehe. Zudecken muss ich ihn nicht, dafür ist viel zu warm und stickig. Ich lösche das Licht und öffne das Fenster, bevor ich ihm ein „Schlaf gut“ zuflüstere und in mein Zimmer schlurfe.

Mein Kinderzimmer, mit den Tesafilmspuren an den Wänden, wo früher die Poster gehangen haben, und einer Kugelschreiberkritzelei über dem Lichtschalter. Übermorgen werden wir gleich nach Frühstück zurück nach Hamburg fahren und offiziell mit den Arbeiten am dritten Album beginnen. Bis dahin steht Familie auf dem Programm. Mama, Gordon, Oma, Scotty, Kasimir.

Es ist halb drei Uhr morgens, als ich ins Bett gehe. Wir sind spät angekommen und ich wollte eigentlich noch duschen, aber Bill hat gesagt, er wäre zu müde, um sich allein fertig für die Heia zu machen. Ich bin seinem Bett ein bisschen beleidigt, dass es zu klein ist, um sich neben ihn legen zu können, und ich mich damit begnügen muss, ihn durch die Wand atmen zu hören. Natürlich nicht wirklich, natürlich nur in meiner Einbildung, aber wenn ich die Augen zukneife, kann ich sogar seine Silhouette durch die Wand erahnen. Er liegt wie hingegossen auf dem Rücken, den linken Arm ähnlich einem Dach über dem Kopf.


„Müde“, murrt Bill, als er sich mittags an den Küchentisch setzt. Seine Haare hat er sich zu einem schlampigen Pferdeschwanz gebunden, wie immer, wenn sie fettig sind und er keinen Bock hat, sie zu waschen. Bock, sich zu stylen, hatte er offensichtlich auch nicht. Er trägt eine schwarze Trainingshose und ein altes, schlabberiges Shirt in einem undefinierbaren Mausgrau und mit einem kleinen Loch an der Schulter.

„Guten Morgen“, strahlt Mama und stellt ihm seine alte Lieblingstasse voll dampfendem Kaffee hin. „Gordon hat Croissants geholt.“

„Kein Hunger“, nuschelt Bill und beugt sich über die Tasse, als wolle man sie ihm wegnehmen.

Mama lässt sich nicht beirren. Sie hat beschlossen, dass heute ein wunderbarer Tag wird, egal, wie schlecht gelaunt ihr Sohnemann Nummer 2 auch sein mag.

„Ich hätte gern noch eins“, sage ich, obwohl ich erst vor einer Stunde zwei verdrückt habe und wir in einer weiteren Stunde mit unserer Großmutter zu Mittag essen werden. Mama strahlt noch breiter, das Hörnchen schmeckt trotzdem nach Leim.


„Müde“, antwortet Bill, als Oma ihn später fragt, wie es ihm gehe.

Ich erzähle von den U.S.A., von unserem Privatflugzeug und von den amerikanischen Fans. Bill schweigt und matscht mit seinem Gemüse herum. Oma macht ein besorgtes Gesicht, Mama ignoriert ihn und Gordon sagt ihr zuliebe nichts. Ich überlege lange, ob ich ihm unter dem Tisch einen Tritt vors Schienbein verpassen soll, und als ich mich schließlich dazu entschließe, wird ein sanftes Streicheln daraus.

°

Er setzt sich zu mir an den kleinen Tisch und schiebt das Tablett mit dem fein perlenden Heilwasser und den Hotelgläsern zur Seite. Wir sind 24, wir sind weltberühmt, wir haben alles gesehen.

„Müde?“, frage ich leise, als er sich gähnend zurücklehnt und gedankenverloren aus dem Fenster sieht.

Er nickt. „Du nicht?“

Pause.

„Doch.“

Pause.

„Gut.“

Schweigen.

Draußen kriechen Schatten die Wolkenkratzer hoch. Hier oben im achten Stock ist noch Sonnenlicht, aber auch das nicht mehr lang. Wir haben fünf Alben produziert und im letzten Monat eine Best-of-Platte herausgebracht. Ein großer Teil der Fans, denen wir bis vor einer Stunde unten in der Lobby noch Autogramme gegeben haben, hat wegen dem ersten Tag im Kindergarten geheult, als wir durchgestartet sind.

Diejenigen, die uns lange begleitet haben, studieren jetzt. Manche von ihnen haben uns als Jugendsünde abgehakt, die sie belächeln und für die sie sich schämen und dabei adrett erröten, wenn ein potentieller Lebensabschittsgefährte sie darauf anspricht. Andere hören uns noch ab und zu, genau so wie sie sich die Fotos von der Abschlussfahrt ansehen und dabei denken, dass sie in der Schule eigentlich doch eine coole Zeit hatten.
Aber sie alle studieren – BWL oder Jura oder Medizin. Biologie, Mathematik. Französisch und Chemie auf Lehramt, irgendwas. Die wenigsten machen das, was sie als Kinder werden wollten: Astronaut oder Tierärztin oder Popstar. Sie wollen genug Geld verdienen, um sich irgendwann ein Haus leisten zu können, einmal Urlaub im Jahr und Reitstunden und den Mitgliedsbeitrag für den Fußballverein für die Kinder. Dazu braucht man einen vernünftigen Beruf mit Zukunft, der einen idealerweise nicht zu sehr anödet.
Ich hoffe, sie schaffen es alle.

Die Massen in den Hallen setzen sich immer noch so zusammen wie beim ersten Konzert: zu 90% weiblich, zu alt für Puppen, zu jung für Sex, verheult und hysterisch. Dazwischen ein paar Eltern, Sicherheitspersonal und vereinzelt Fans in einem Alter, bei dem man sich nicht mehr sicher sein kann, ob man weinen, lachen oder kotzen soll. Überall werden liebevoll selbst gebastelte Plakate über die verschwitzten Köpfe gehalten und tausende von Kajaltattoos verschmieren zu grotesken Schlieren. Man könnte meinen, die Zeit wäre stehen für uns geblieben.

Auch auf der Bühne hat sich nichts verändert. Nicht wirklich. Bill ist zwischenzeitlich einmal erblondet, allerdings nur kurz. Es war seine Idee, in die er sich erst mit einem beängstigenden Enthusiasmus verrannt hat, um sie anschließend in langen, zähen Kämpfen gegen die Händeringenden Einwände von Nathalie und David – eigentlich von allen – zu verteidigen und schließlich im Alleingang umzusetzen. Die Fans fanden es untertrieben ausgedrückt beschissen und „Was wolltest du damit bezwecken?“ ist seitdem ein fester Bestandteil des Katalogs der Standardfragen.

Bill hat sich davon nicht beeindrucken lassen, sondern sich vor den Spiegel gesetzt, hineingestarrt und mich nach einer Weile gefragt, ob ich glauben würde, dass Menschen sich ändern könnten.
Ich habe es nicht geglaubt und eine Woche später war er wieder so schwarzhaarig wie eh und je.

Meine Dreads hatten nie Pause, genauso wenig wie meine Baggys und Shirts und Basecaps. Ich reiße immer noch die gleichen pubertären Witze und habe es aufgegeben, mir deswegen selbst komisch vorzukommen. Bringt ja doch nichts.

Wären Bill und ich ein Paar, würde ich sagen, wir haben immer weniger Sex. Unsere nächtlichen Besuche finden kaum noch statt und unsere Hände behalten wir auch sonst meistens bei uns. Als es mir aufgefallen ist, habe ich gedacht, ich würde es vermissen, aber das habe ich nicht. Es hat mich nicht gestört, genauso wie es mich auch nur kurz erschreckt hat, als Mama mein Kuschelkissen auf dem Dachboden hat verschwinden lassen.

Ich erwische mich manchmal dabei, wie ich in Clubs hänge, anderen Mittzwanzigern beim Feiern zusehe und mir überlege, ob man mich nicht zu früh in die Partyszene geschubst hat. Oder ob es eine festgelegte Zeitspanne im Leben eines jeden Menschen gib, in der er es cool findet, sich mit knallbunten Cocktails und mittelmäßigen Beats auf überfüllten Tanzflächen einen Wolf zu amüsieren, und meine Zeit – weil zu früh angebrochen – schon aufgebraucht ist.
Falls es diese Regel geben sollte, muss Georg allerdings zu den Ausnahmen zu gehören. Gustav erst recht, er dreht immer mehr auf, je älter er wird. Ab und zu beobachte ich sie dabei, wie sie betrunken grinsend in einem üppigen Dekolletee versinken, und bemühe mich, nicht daran zu denken, dass meine Lustlosigkeit auch an meinem Bruder liegen könnte, der mit einem Grabesausdruck neben mir an einem Glas Grenadine nuckelt.

Ich vermisse den Nervenkitzel, den wir früher hatten, als wir noch nicht wussten, ob und wie dieses oder jenes funktioniert. Bekommen wir den Preis, schaffen wir es auf Platz Eins? Froh, den Stress nicht mehr zu haben, bin ich trotzdem. Ich weiß nicht wirklich, was ich will, aber das macht nichts. Ich habe Bill. Er verfolgt seine Ziele geradlinig und ohne mit der Wimper zu zucken. Der „Überflieger des Jahrzehnts“ wurde er 2010 in diversen Sylvesterformaten genannt und er hat zwischen Bandprobe und Modeshooting die Schultern hochgezogen und gemeint: „Natürlich.“

Er sagt es nicht mehr, wenn er müde ist. Dann und wann kann man es ihm ansehen, sofern man im selben Boot sitzt wie er, aber auch das garantiert einem keinen freien Blick. Er hat selbst bei den Leuten von innen angefangen zu selektieren, wem er seine kleinen, abgeschminkten Augen im unvergebenden Badezimmerlicht zeigt und wem nicht.

Bill tippt minutenlang einen monotonen Rhythmus auf die Wassergläser, bevor er sie umdreht und eines vor jeden von uns stellt. Er muss sein Make-up neu aufgelegt haben, während ich hier nur herumgesessen bin und nichts getan habe. Sein Gesicht strahlt förmlich vor abgepuderter Schönheit und perfekt ausgezirkelter Symmetrie.
Mit einem gläsernen Klacken stellt er eine Flasche Wodka auf den Tisch, schraubt sie bedächtig auf und füllt die Gläser bis zum Rand. Anschließend schraubt er sie genauso sorgfältig wieder zu, platziert sie neben der Wasserflasche und dreht beide so, dass ihre Etiketten exakt nach vorne zeigen.

Er beugt sich zur Seite und kramt in seiner Handtasche, die neben seinem Sessel steht. Was er daraus zu Tage fördert, weiß ich schon, bevor er es auf den Tisch legt und mit makellosen Nägeln knisternde Rechtecke herauszieht. Es sind zwei Pappschachteln mit Tabletten, die ersten sauber eingeschweißt. Die Pillen in der zweiten Schachtel, die als Aspirin deklariert sind, befinden sich einzeln in kleinen Plastiktütchen und sehen nicht so aus, als würden sie nur gegen Kopfschmerzen helfen.

Bill drückt die Tabletten aus der Folie und pult sie aus dem Plastik, bevor er sie abwechselnd auf unsere Gläser verteilt. Je länger ich ihm dabei zusehe, desto ruhiger werde ich. Als er fertig ist, fühle ich mich so gelassen wie schon lange nicht mehr.

„Welches willst du?“, fragt er. Wie früher. Unsere Mutter hat uns beigebracht gerecht zu teilen, indem sie einen von uns den Keks auseinander brechen und den anderen eine Hälfte hat wählen lassen.

Ich greife wortlos nach seinem Glas und er lächelt und nickt. Wir setzen den Wodka gleichzeitig an die Lippen und werfen synchron den Kopf in den Nacken. Die vielen Tabletten nach und nach und auf einmal zu schlucken, ist ein unangenehmes Gefühl und der Alkohol brennt und verstärkt das Kratzen eher, als dass er es betäubt.

Als ich die Augen wieder öffne und die letzte Pille durch meine Speiseröhre rutschen spüre, legt Bill seine Arme links und rechts auf die Lehne und seufzt.

„Ich bin müde“, murmelt er.

„Schlaf gut“, flüstere ich zurück.


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