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777 - Dein Blut in meinen Adern - P18 - BillxTom - (4/7)

Sünde Gula ° Völlerei
Autor: unverdorben
Charaktere: Bill, Tom
Rating: P16 (Slash)
Warnungen/Genre: (etwas Twincest) [doppelter PWP: kein Plot und kein Porn. Äh…? Äh!]
Zusammenfassung: Bill soll alles bekommen und Tom kann alles bekommen. Beinahe alles.
Disclaimer: Die Super-Nanny hat aufgegeben, nachdem Bill sich geweigert, auf irgendetwas anderem als einem Stillen Thron über seine Missetaten nachzudenken. Tom beweint immer noch das Long-T und verbietet mir, Fotos zu machen. || Das Zitat ist eine Stilblüte aus einem Machwerk namens „Humor aus Kindermund“.
Kommentar: Geschrieben für 7_suenden.



Mein kleiner Bruder ist schon abgestillt,
jetzt muss er noch abgeflascht werden.


Ich lege meine Hand auf seine Schulter, als wir zum Auto laufen. Zu meinem Auto. Ich wäre nicht der Bruder meines Zwillings, wenn ich mir nicht auch einen Schlitten geleistet hätte, den ich in erster Linie nur besitze und kaum fahre. Es ist ein Porsche 911 Turbo, schwarz metallic, Innenausstattung aus rotem Nappaleder. Ich liebe es.

Tom hat sich darüber beschwert, dass er keinen Platz darin hätte. Keine Beinfreiheit. Von Fickfreiheit auf dem Rücksitz ganz abgesehen. „Da bringst du höchstens `nen Chihuahua und deine Handtasche unter“, hat er genörgelt und die Arme vor der Brust verkreuzt.

Ich habe ihm erklärt, dass ich meine Weiber stilvoller als auf der Rückbank zu vögeln pflege. Dass ich außerdem keine Lust habe, das teure Leder mit diversen Flecken zu verunzieren.
„Du nimmst doch `n Gummi“, hat er gesagt und mich einen Moment lang erschrocken angesehen.
Natürlich tue ich das. Ansonsten wäre ich nämlich schon längst mindestens fünffacher Vater und mit genauso vielen netten Geschlechtskrankheiten gesegnet. Keuscher Mädchenschwarm stirbt an Hepatitis B, ja, das wäre eine Schlagzeile. Vielleicht später mal, wenn ich lebensmüde bin. Lebensmüder.

Egal, auf meine Polsterung abzuspritzen wäre nicht das Problem. Es wäre ein Akt der Reviermarkung, ein Männlichkeitsbeweis – ein sehr steinzeitlicher zwar, aber ein Männlichkeitsbeweis. Bill Kaulitz signiert seinen Wagen mit seinem gottgegebenen Edding; die Wertsteigerung wäre enorm. Das Gesicht diverser Damen zudem zu köstlich: „Bitte, Schönheit, steig ein. Und stör dich nicht an den Flecken, du bekommst nach dem Gala-Dinner auch deinen fairen Anteil davon.“

Nein, das Problem wären die Flüssigkeiten, die der weibliche Körper verliert. So etwas will ich nicht in meinem Auto haben, allein schon der Gedanke ist widerlich. Aber wer mit seinem Styling so nachlässig ist wie Tom, den stört auch ein gemusterter Rücksitz nicht. Gerade in letzter Zeit greift er mehr oder weniger blind in seinen Kleiderschrank und es wird nicht mehr lang dauern, und er kombiniert orangefarbene Caps mit violetten Long-Ts und vergisst seine Hose. Ich bemühe mich ernsthaft, mich darüber zu echauffieren, aber ich komme jedes Mal zu dem Schluss, dass ich ihn sogar in Müllsäcken in Kauf nehmen würde. Gnade ihm Gott, dass ihm das bewusst ist und er bis in alle Ewigkeit in Andacht ob meiner maßlosen Toleranz schwelgt.

Anyway, wir laufen zu meinem Auto und Toms Rücken ist warm und weich. Er trägt nur ein T-Shirt, obwohl es jetzt, um vier Uhr morgens, doch ziemlich kühl ist.
„Kalt?“, frage ich und er schüttelt den Kopf und grinst mich breit an. Er ist genauso sternhagelvoll wie der samtschwarze Himmel und stößt mit seiner Schulter immer wieder gegen meine.

„Gescheit laufen“, ermahne ich ihn. „Fuß hoch, Schritt, anderer Fuß hoch. Vorwärts, nicht seitwärts.“

Tom kichert und schlingt seinen Arm um meine Taille als wäre ich eine seiner Schicksen.
„Ich liebe dich“, säuselt er in mein Ohr. Sein Atem stinkt nach Alkohol und Zigaretten. „Küss mich.“

„Tom, du bist dicht.“

„Küss mich!“

„Vergiss es, man.“

Er bleibt so abrupt stehen, dass ich beinahe vorn über stolpere.

„Du liebst mich nicht!“, jammert er weinerlich.

„Alter, fick dich. Ich bin müde, ich will heim. Komm jetzt.“

Tom schiebt die Unterlippe vor und schnieft. Wenn ihn seine Ischen jetzt sehen würden, hätte er die längste Zeit als harter Stecher gegolten.

„Zieh keine Show ab und komm.“
Ja, ich bin genervt. Ich habe meinen Bruder schon viel zu oft betrunken, bekifft, high oder auf irgendeine andere Weise berauscht erlebt, als dass ich es noch irgendwie lustig finden könnte.
Es pisst mich an, wenn er hackedicht solche Psychospielchen mit mir spielt, und es pisst mich noch viel mehr an, dass er so viel Scheiße in seinem Körper deponiert. Als ob er noch einen zweiten im Keller hätte. Als ob ich noch einen zweiten Zwilling hätte.

„Du...“, schluchzt Tom und seine Stimme zittert gefährlich. Das Arschloch bringt es wirklich fertig und bricht in Tränen aus, wenn ich jetzt nicht aufpasse.

„Tom“, sage ich sanft, stelle mich ganz nah vor ihn und nehme sein Gesicht in meine Hände. Seine Wangen sind rau. „Du bist mein Leben, Tom. Aber gerade ist mein Leben voller Alkohol und Drogen, weißt du, und da kann ich nicht einfach auf irgendwelchen dunklen Parkplätzen stehen und meinen Bruder küssen. Erst muss ich mein Leben wieder in den Griff kriegen.“

Tom blinzelt mich treuherzig an und nickt. Sollte er auch nur ein Wort außer seinem Namen registriert haben, werde ich für den Rest der Woche die Putzschlampe abbestellen und selber den Wischmopp schwingen.

°

„Ich hab Hunger“, sagt Tom, kaum dass wir hundert Meter weit gefahren sind.

„Du hast mit Georg zusammen bestimmt ´ne halbe Pizzeria leergefressen, bevor wir weg sind.“

„Ja.“ Er rutscht in seinem Sitz hin und her und lehnte seine Stirn an die Fensterscheibe. „Aber Georg hat mir nichts übrig gelassen… fast. Georg“ – er wird von einem Kohlensäuregeschwängerten Männlichkeitsbeweis unterbrochen –„ist ein Arschloch.“

„McDoof, okay?“, seufze ich und versuche, mich auf die Straße zu konzentrieren. Eigentlich bin ich schon viel zu müde, um auf die ganzen fiesen Kurven aufzupassen. Ein Carrerawagen, das wäre was Feines. Man hakt ihn in die Spur auf der Straße ein, setzt sich gemütlich hinters Steuer und gibt nur noch Gas. Kein anstrengendes Lenken, kein Augenzusammenkneifen und vor allem kein Überlegen, ob der Asphalt da vorne wirklich eine Biegung macht oder ich mir das doch nur einbilde.

„Ich hab aber jetzt Hunger“, nörgelt Tom. Wenn er sich noch tiefer in den Sitz krümelt, wird er den Gurt genau über der Kehle haben.

„Setz dich gerade hin.“

Er grunzt genervt. Aber er gehorcht.

„Essen.“

„Nachher.“

„Jetzt.“

„Tom, du konntest auf der Party essen und du wirst wieder was essen können, wenn wir zurück im Hotel sind. Ist nicht meine Schuld, dass die den Club ins Hinterwäldlernirwana geklotzt haben, also hör auf, mich anzunörgeln und freu dich auf deinen Kater morgen.“

Betretenes Schweigen. Wunderbar. Der betrunkene Bruder ist zur Einsicht gekommen, ich habe die Autobahnauffahrt gefunden und spätestens in einer halben Stunde werde ich mich in mein weiches, weiches Bett verkriechen können.

„Mein Magen macht so komische Geräusche.“

„Ich höre nichts.“

„Doch. Da! Du musst schon hinhören“, meint er vorwurfsvoll. Er drückt den Rücken durch, so dass sein flacher Bauch zu einer aufgeblähten Kugel unter den Stofffluten wird, tippt mit beiden Zeigefinger prüfend dagegen und sagt in dem gewichtigsten Tonfall, den man in seinem speziellen Zustand noch zustande bringt: „Ganz hohl.“

Ethanol, Alkohol, Birnehohl – ganz genau, mein Hübscher. Ich muss morgen unbedingt Mama anrufen und sie fragen, wie sie es verantworten konnte, dass ihr Ältester zu so einem hirnfreien Idioten aufwächst.

„Da muss man was rein tun, Bill“
Bi-hill. Ich korrigiere mich: zu so einem idiotischen Riesenbaby.
„Gleich, Tom“, fauche ich. Wäre das Lenkrad nicht massiv, hätte ich es sicher schon längst zerdrückt, so fest, wie ich es umklammere.
Warum muss er sich immer dann hemmungslos die Kante geben, wenn ich dabei bin? Warum kann er nicht Georg auf den Sack gehen oder Gustav? Saki würde sich sicher auch über ein paar Überstunden freuen. Außerdem könnte der diesen dreadbelockten Waschlappen sogar tragen. Oder im Kinderwagen herumschieben. Man müsste Tom nur noch einen Nippelersatz zum Lutschen geben und seine kleine Gangsterwelt wäre voller rosa Zuckerwatte und Glückseligkeit.


„Du bis´ sauer“, kommt es kleinlaut vom Beifahrersitz.

„Ja.“

„Schuldigung.“ Und da knurrt sein Magen wirklich. Irgendwann macht er mich noch wahnsinnig.

„Was willst du denn?“, frage ich möglichst ruhig und freundlich, als sich das gelbe „M“ durch die Dunkelheit in meine Netzhaut brennt. Ich hasse Leuchtreklamen. Etwas widerlich Penetranteres gibt es kaum.

„Wieimmer“, nuschelt Tom.

Als ich am Drive-In die Bestellung aufgebe, sinkt er neben mir in sich zusammen wie ein kleines Kind, dessen Trotztränen eben erst versiegt sind und das genau weiß, dass es die Bonbons eigentlich nicht verdient hat. Aber welches Kind sagt schon Nein zu Bonbons?

„Sind Sie nicht…?“, fragt die pummelige Frittenlady, die mir die Tüten durchs Fenster reicht.

„Nena, ja“, entgegne ich trocken, schmeiße Tom seinen Mitternachtssnack in den Schoß und drücke aufs Gaspedal.

Angesichts seines Blutalkoholgehalts im Speziellen und seiner Tischsitten im Allgemeinen isst er geradezu erschreckend manierlich.

„Auch?“ Ein langes, dünnes Pommes teilt mein Sichtfeld in zwei Hälften: Ostpommes und Westpommes.

„Ketchup.“

„Oh. Schuldigung.“ Das Pommes verschwindet und taucht keine drei Sekunden später in ein adrettes rotes Mäntelchen gehüllt wieder auf. Ich schnappe danach, während ich einen Gang runterschalte, und Tom quiekt amüsiert auf, als meine Zähne seinen Finger streifen.

„Vampir“, statuiert er, selbst zufrieden kauend. Das Pommes schmeckt heiß, fettig und süß und damit weder nach Kartoffel noch nach Tomate, aber Toms Finger ist mild und salzig und damit definitiv der meines Bruders.

„Noch eins?“, fragt er und schiebt sich drei Fritten in den Mund.

„Nen Finger?“

Er lacht – „Für dich doch immer.“ – und schon habe ich seinen Zeigefinger vor der Nase. Ich küsse grinsend die rosa Kuppe und Tom lacht wieder, aber diesmal so ernst, dass ich mich frage, wie betrunken er wirklich noch ist.

°

Er ist noch sehr betrunken. Oder aber auch sehr müde. Auf jeden Fall lässt er sich mehr auf meinem Rücken mitschleifen, als dass er aus eigener Kraft läuft, als wir durch die Tiefgarage zum Aufzug gehen.
Im Aufzug hängt er dann wie ein nasser Mehlsack mit ganzen Getreidebündeln obendrauf in einer Ecke und mustert amüsiert schielend die fortlaufende Reflexion seines erschöpften Gesichts in den verspiegelten Wänden. Er kichert leise, beißt auf sein Piercing und kichert wieder.

„Was so lustig?“, frage ich gähnend.

„Blut“, lallt er gedehnt. „Da!“

Ich muss erst blinzeln, doch dann sehe ich es. Er hat Ketchup auf der Nase. Ohne zu überlegen lecke ich meinen Daumen ab und wische den roten Fleck weg. Tom quäkt empört.

Ich könnte seiner besoffenen Entrüstung damit begegnen, dass ich ihn darauf hinweise, dass er derjenige war, der mich zum Vampir erklärt hat, aber ich bin zu müde. Wenn ich nicht aufpassen müsste, dass mein herrlich nüchterner Zwilling nicht über seine dicke Hose stolpert, wäre ich schon längst im Stehen eingeschlafen.

„Komm“, murmle ich, als die Aufzugtüren wieder auseinander gleiten, lege seinen Arm über meine Schultern und mache mich mit ihm auf die scheinbar endlose Reise zu seinem Zimmer. Er ist verdammt schwer – zwei Kilogramm schwerer als ich, um genau zu sein, aber sein Zustand verzehnfacht diesen Unterschied – und außerdem bleibt er ständig stehen, um die großartige Kunst zu bewundern, die im ganzen Flur ausgestellt ist.

„Tom, das ist Tapete.“

„Ja... Pi -hinselführung!“

Ich muss ihn wirklich abgöttisch lieben. Eine andere Erklärung kann es für mein freiwilliges Martyrium nicht geben.

Irgendwann – einen Picasso und viel Abstrakte Kunst später, besser gesagt– erreichen wir dann doch noch seine Tür und stürzen mehr ins Zimmer, als das wir es betreten. Ich bugsiere Tom sofort auf sein Bett, wo er liegen bleibt, wie ich ihn hingeworfen habe, und sofort die Augen schließt.

In Momenten wie diesen will ich lieber gar nicht darüber nachdenken, ob ich betrunken genauso bin oder nicht.

Ich reibe mir über die Augen, die sich ganz verquollen anfühlen, und stoße mich dabei an der harten Kante von einem meiner Ringe.

„Nacht“, seufzt Tom vom Bett aus, dreht sich auf die Seite und rollt sich zu einer Kugel zusammen. Zu einer großen, nach kaltem Rauch stinkenden Kugel aus schwarzem Nickisamt. Ich habe ihm gesagt, dass weder eine Hose noch eine Jacke aus diesem Teddystoff sich mit seinem Gangstastyle verträgt – und wenn sie noch so weit geschnitten ist.
Er wollte nicht hören. Er hat gesagt, wir könnten „dann wenigstens farblich mal wieder im Partnerlook gehen“, und seine Augen waren so braun und der Samt so plüschig und weich, als er die Hand nach mir ausgestreckt und sein Ärmel meinen nackten Unterarm gesteift hat, dass ich ihm diesen Kuscheltierpyjama nicht verbieten konnte. Auch, wenn diese Kombi zu den Outfits gehört, bei denen ich ihm am liebsten eine Bling-Bling-Kette mit einem „Ja, wir sind Zwillinge, aber den guten Geschmack hat allein mein Bruder abbekommen“-Emblem umhängen wurde.

Leise fluchend ziehe ich ihn aus. Dass seine Klamotten mehr oder weniger von selbst von ihm herunter rutschen, wenn man nur an den richtigen Stellen zupft und zieht, ist eine der wenigen positiven Eigenschaften an ihnen. Eigentlich die einzige. Wobei, wenn mir kalt ist und ich eine Decke brauche, sind Toms Jacken auch nicht schlecht.

Weil Tom auf der Bettdecke liegt und ich damit keine Chance habe, ihn darunter zu befördern, pilgere ich in mein eigenes Zimmer und hole meine Decke. Ich muss ein mehr als lächerliches Bild abgeben, wie ich mit dem riesigen, weißen Daunenungetüm und ganz kleinen Augen über den halbdunklen Flur stolpere, aber was tut man nicht alles für seinen Zwilling. Wieder bei Tom angekommen darf ich feststellen, dass wir noch nicht lange genug in diesem Hotel sind, als dass ich meine zweite Kosmetiktasche in Toms Badezimmer deponiert hätte, also bleibt mir nichts anderes übrig, als mich ein zweites Mal auf den Weg zu machen.

Bis ich endlich neben Tom auf seiner und unter meiner Decke liege, bin ich ganze vier Mal zwischen seinem und meinem Zimmer hin- und hergelaufen, weil ich erst frische Unterwäsche für morgen vergessen habe und mir dann eingefallen ist, dass ich dann wahrscheinlich doch mehr als nur eine Boxershorts anziehen wollen werde.
Tom hat davon natürlich nichts mitbekommen und schlummert sich nach wie vor selig schmatzend durch das Traumland der Playboybunnys und Picassotapeten. Jetzt, da er seine verräucherten Klamotten los ist, riechen nur noch seine Haare nach Clubmief. Ich schiebe sie über seine Schulter, so dass sie vor seiner Brust auf die Laken fallen, drücke meine Nase in seinen Nacken und inhaliere den sanften Tomgeruch, bis ich einschlafe.

°

Ich erwache im Schlaraffenland. Und eines kann ich euch sagen, Leute, es sieht ganz anders als in den popeligen Märchenbüchern, mit denen eure Eltern euch die wunderbare Welt der Bücher nahe bringen wollten.
Im wahren Schlaraffenland fließen keine Bäche aus Milch und Honig und es fliegen auch keine gebratenen Tauben durch die Luft. Im wahren Schlaraffenland strömen Kaffee, Wodka und Apfelschorle. Im wahren Schlaraffenland duftet es nach frisch geröstetem Toast, gebratenem Speck und Schläfrigkeit und die Menschen dort sind auch nicht kugelrund und haben Gallensteine. Im wahren Schlaraffenland gibt es nur zwei Menschen und einer davon hat lange Dreads, die dem ganzen Wachs zum Trotz ziemlich zerzaust aussehen, und er sitzt wie Gott ihn schuf auf einem großzügigen Doppelbett, umringt von unzähligen Schüsseln und Tellern.
Im wahren Schlaraffenland sagt dieser Mensch „Frühstück ist fertig“ und grinst von einem schlafzerknickten Ohr zum anderen. Und der zweite Mensch antwortet „Was zur Hölle…“ und versucht, sich so unter der Decke hervorzuschlängeln, dass er die paar hundert Euro Meißnerporzellan darauf nicht zu Fall oder Bruch bringt.

„Ich hab Roomservice bestellt“, erklärt Tom strahlend.

„Nicht zu übersehen“, grummle ich. Sollte er nicht wimmernd in der Ecke sitzen und sich den Kopf halten, damit der nicht von seinem Kater gesprengt wird?

„Musstest du das alles auf mich drauf stellen?“, grummle ich weiter und zucke um ein Haar davor zurück, mich in einer Schale voller schwarzem Kaviar abzustützen.

„Fischeier?“, rümpfe ich die Nase. Und das in meinem Bett, na danke. Da gehören meine Eier rein und meinetwegen die von Tom, aber sonst keine. Vor allem kein glitschiger Rogen.

„Royal Black“, meint Tom. „Schwärzeren hatten sie nicht. Und ich dachte…“

„Solang es schwarz ist, findet Bill es toll?“

„50 Gramm, 370 Euro“, sagt Tom.

„Krank.“ Und so widerlich sieht er gar nicht mal aus. Lauter winzige, nass glänzende Perlen, wie von irisierendem Klavierlack überzogen.

„Wie isst man das Zeug denn?“

Tom streckt sich nach der Schale, löffelt etwas Kaviar auf ein dünnes Stück Baguette, spielt mit seinem Piercing, während er sich offensichtlich darauf konzentriert, es mit nicht zu viel oder zu wenig Zitronensaft und Pfeffer zu würzen, und beugt sich dann wieder zu mir, um mich abbeißen zu lassen.

„Wenn du es nicht magst, dann kannst du es ja wieder ausspucken“, ermuntert er mich mit glitzernden Augen. Ich will ihn fragen, ob er schon selbst probiert hat oder hier Vorkoster mit mir spielt, aber die Lichtreflexe auf den schwarzen Körnern lenken mich zu sehr ab.
„Komm schon“, schnurrt Tom und stupst das Brot gegen meine Unterlippe.

„Wenn ich kotze, darfst du aufwischen“, murmle ich, bevor ich die Augen schließe und mich in mein Schicksal ergebe.
Es schmeckt erstaunlich. Erstaunlich wenig ekelhaft und irgendwie auch erstaunlich unspektakulär. Ich muss mich weder übergeben, noch kann ich verstehen, warum all die feinen Pinkel so einen Zinnober darum veranstalten.

„Und?“, will Tom wissen. Ich nehme ihm das restliche Baguette aus der Hand und schiebe es mir in den Mund. Seine Gesichtszüge fallen für einen Augenblick und ich weiß sofort, dass er damit gerechnet hatte, dass ich alles ausspucke und den Geschmack mit zwei Liter Apfelschorle loszuwerden versuche.

Tatsächlich überlebe ich aber sogar die Austern, die Tom organisiert hat. Sie schmecken genau so, wie man sie sich vorstellt: salzig, kalt und schleimig. Ähnlich eisgekühlter Fotze. Trotzdem bleibt der Kaviar von vorhin in meinem Magen, genauso wie mein Kaffee, die Pastete, deren Zusammensetzung Tom vergessen hat, die aber einfach göttlich schmeckt, die Rosengelee-Petits Fous und die blattgoldverzierten Trüffelpralinen. Nicht zu vergessen die englische Orangenmarmelade und der ganze andere Kram, den Truckerkinder wie Tom und ich nicht einmal dem Namen nach gekannt haben, bis er in unseren Bäuchen gelandet ist.

„Glaubst du, man kann sich tot fressen?“, frage ich Tom, während ich mit einem Mokkalöffel den Rest vom Royal Black an ihn verfüttere. Tom schiebt eine schwarze Perle mit der Zungenspitze über seine Oberlippe, legt den Kopf schief und nickt schließlich.

„Und wie viel hat das hier eigentlich gekostet?“

„Tausender“, gähnt er.

„Spinnst du?!“

Tom grinst und legt seine flache Hand über meinen Schritt. „Na, was der Kaviar gekostet hat, weißt du ja. Und dann leg die Austern drauf und den ganzen anderen Feinkostkram. Der Kaffee, den du getrunken hast, war übrigens Kopi Luwak. Da kostet eine Espressotasse von bis zu sechs Euro. Also sechs Euro für das Pulver, der ganze Tasse-Zur-Verfügung-Stell-Schnickschnack vom Hotel ist da noch nicht dabei. Und dann das Trinkgeld. Wollen doch nicht, dass unser bescheidener Imbiss morgen in der Bravo landet, oder? Und wenn ich für dich Frühstück bestell und bei knapp 900 bin, dann wäre es doch scheiße gewesen, wenn ich nicht einen Tausender draus mache.“

Während er spricht, krault er mich mit den Fingerspitzen durch den Stoff meiner Boxershorts und weder das noch seine Ausführungen bleiben ohne Wirkung.

„Siehst du“, gurrt er und rückt näher. „Ich weiß, wie man eine Luxushure aufweckt.“

Ich lasse meinen Kopf in den Nacken rollen und warte darauf, dass seine Hand sich unter meinen Bund schleicht, aber das tut sie nicht. Stattdessen spüre ich plötzlich Toms Zähne an meinem Ohr und seinen warmer Atem, der meinen Hals hinunterkriecht.

„Willst du nicht wissen, wie ich die Tausend voll gemacht habe?“

Schwer schluckend lasse ich mich hoch ziehen, stakse vorsichtig von dem Geschirrüberladenen Bett herunter und folge Tom ins Badezimmer.

Zwei Dinge fallen mir sofort auf: es ist erstens größer als meines und zweites ist die Wanne randvoll mit dampfendem, weißen Wasser

„Du hast da nicht reingewichst“, sage ich zweifelnd. Tom verdreht die Augen, als gäbe es nichts Absurderes.

„Das ist Ziegenmilch, du Sau“, schnaubt er, zieht mich vor den gefliesten Rand und gibt mir mit einem Zerren an meinem T-Shirt zu verstehen, dass ich mich auszuziehen habe. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob es so viel weniger pervers wäre, in heißer Ziegenmilch zu baden als in seiner Wichse, aber das viele Essen hat mich zu faul zum Protestieren gemacht.

„Wieso eigentlich der ganze Aufwasch?“, frage ich ihn, als ich bis zur Brust in der Milch sitze und zugeben muss, dass es sich noch um einiges angenehmer anfühlt als pures, alltägliches Wasser.

Tom drückt mir ein Glas perlenden Champagner in die Hand, bevor er sich mir gegenüber gegen den Wannenrand lehnt und mit mir anstößt.

„Dekadenz, Schöner“, sagt er kehlig. „Du bekommst, was du verdienst.“ Wir trinken, die fahlgoldene Flüssigkeit tanzt durch meine Kehle und Tom schenkt nach. Wir rutschen tiefer, bis uns die Milch bis zum Hals steht und unsere Beine die Hüften des jeweils anderen flankieren.

„Kleopatra hat in so was gebadet.“

Ich schenke ihm ein Lächeln dafür, er schenkt unsere Gläser wieder voll, wir beschnipsen uns mit weißen Tropfen, er tunkt eine seiner Dreadlocks ein und malt sich einen Milchbart.

„Jetzt bist du ein ganzer Mann. Gratuliere. Und willkommen im Club.“

Tom lässt dafür eine ganze Flutwelle auf mich zu rollen und ich kann gerade noch rechtzeitig den Atem anhalten und die Augen schließen. Als ich prustend wieder auftauche, lässt Tom den Korken der nächsten Flasche knallen.

Wir sitzen in einem Badepalast aus italienischem Marmor, lassen uns von Duftölen die Sinne vernebeln, die die Bezeichnung „betörend“ wirklich verdienen, und können uns kaum noch bewegen. Meine Arme und Beine wiegen Tonnen, ich bin dazu verdammt, da zu liegen, den Kopf auf dem Wannenrand, und Tom anzulächeln und zu lächeln und zu lächeln. Er grinst zurück, wir trinken Champagner, unsere Gesichter sind rot vom heißen Dampf.

Irgendwann schließe ich die Augen, lasse meinen schweren Körper treiben und atme Toms Anwesenheit. Ich bin satt bis oben hin.

Ich glaube, ich bin eingeschlafen. Kurz. Ich weiß es nicht genau, aber als ich die Augen wieder öffnet, schwebt Toms Mund über meinem und es ist nur natürlich, dass ich seine Lippen einfange, seinen erhitzten Körper auf meinen hinunterziehe und wir uns wie in Zeitlupe küssen, unendlich langsam und unendlich lang.

Es ist kein bisschen obszön, dass ich meine Beine für ihn spreize, so dass er dazwischen liegen kann. Es ist genauso wenig obszön, dass er in meinen Mund stöhnt, ein weiches, dunkles Gurren, als würde er eine Meditationsformel vor sich hinmurmeln. Es ist nicht obszön, dass ich seufze und summe Es ist nichts obszön. Es ist Musik.

Wir sehen uns nicht an und wir fassen uns nicht an, wir spüren nur, und es kommt mir so vor, als wären wir auch gar nicht mehr dazu in der Lage, alle fünf Sinne gleichzeitig zu gebrauchen. Viel zu anstrengend.

Irgendwie fängt es irgendwann doch an zu ziehen. Es geht auf Toms Rechnung, genau wie der Kaviar und das königliche Wellnessprogramm, und ich vertraue darauf, dass er sich auch hierum kümmert. Merken wird er es auf jeden Fall, so nah wie sein Bauch meinem ist.

Tom zieht die Augenbrauen hoch und grinst sein Checkergrinsen, als er sein Gewicht etwas verlagert und ich ihn in den Oberschenkel steche.

„Geht’s uns gut, hm?“, raunt er und lässt seinen Arm mit geschätzten zwei Zentimetern pro Minute vom Wannenrand ins Wasser rutschen. Tom ist und bleibt einfach ein Arschloch. Aber eigentlich bin ich auch wieder zu müde, um mich darüber aufzuregen. Irgendwann wird seine Hand schon irgendwie da ankommen, wo sie gebraucht wird, und bis dahin kann ich in aller Ruhe ausprobieren, wie die Milch schmeckt, wenn man sie aus seinen Haaren lutscht. Genug Champagner zum Nachspülen ist ja da.

Wenn ich ehrlich bin, würde ich mir fast jemanden wünschen, der beobachten und bezeugen kann, was ich alles mit seinen Dreads anstellen darf. Dinge, von denen seine Schlampen nur träumen können. Dinge, die nicht einmal Mama sich erlauben kann. Ich wette, ich dürfte sogar drüber pissen, wenn ich die Karten nur richtig spielen würde. Und nein, auch diese Vorstellung ist nicht obszön. Oder widerlich. Aber das können Ein-Körper-Menschen eben nur schwer verstehen.

So gesehen ist das, was Tom gerade macht, letzten Endes nur Selbstbefriedigung der komplizierteren Art. Der besseren Art.

So geschehen kann es mich nur überraschen, als er sich meinen Schwanz auf einmal zwischen die Arschbacken drückt.

Das Wasser plätschert ironisch fröhlich, als ich ruckartig versuche, mich unter ihm aufzusetzen und er beinahe nach hinten auf meine Knie fällt. Ich finde keinen richtigen Winkel, keinen richtigen Halt, um mich hochzustemmen, und er macht sich besonders schwer, rutscht auf meinem Schoß hin und her und sieht mich an. Schwarzbraune Augen, lange Wimpern, glasiger Blick. Seine Zungenspitze kickt sein Piercing hin und her.

„Nein.“ Meine Stimme hört sich in all dem Dunst seltsam gedämpft an.

„Ich will das“, seufzt er.

Ich kneife die Augen zusammen und spähe über den Wannenrand auf den Badvorleger. Zwei Flaschen liegen dort, eine ist leer, in der anderen befindet sich nur noch ein kläglicher Rest. Ich habe unmöglich einen ganzen Liter Champagner getrunken.

„Alter, du bist dicht. Du willst das nicht, glaub mir.“

Tom schmollt und zieht den Kopf zwischen die Schultern. „Bitte?“, flüstert er so leise, dass ich es beinahe überhöre.

„Nein.“

„Aber bei den Weibern, da machst du es.“ Aus seinem glasigen Bettelblick ist ein funkelndes Starren geworden. Wenn Tom mit dem Charme, von dem er sich einbildet, er hätte ihn, nicht weiterkommt, schaltet er in den Kleinkindmodus. Wenn das nicht hilft, wird er aggressiv. Wenn er dann immer noch nicht bekommt, was er will, wird er handgreiflich. Ich hab keinen Bock auf seine Ohrfeigen.

„Du wirst es bereuen, Tom.“
„Nein.“
„Es wird wehtun.“
„Nein.“
„Du bist hetero.“
„Nein.“
„Du bist mein Bruder.“
„Nein.“
„Tom.“
„Nein.“
„Kannst du auch noch was anderes sagen außer Nein?“
„Nein.“
„Fick dich, echt.“
„Mich.“
„Tom!“
„Nein.“

Es ist aussichtslos. „Dann mach“, knurre ich und lasse mich gegen das glatte Porzellan sinken.

Tom sieht mich verwirrt an.

„Na komm, steck ihn dir rein.“ Ich wische mir mit einer Hand über die Augen, heiße Tropfen rinnen über mein heißes Gesicht. Ja, ich weiß, dass ich mich wie der letzte Gefühlstrampel aufführe. Nein, ich weiß nicht, ob es Absicht ist.

Tom legt die Stirn in Falten und greift unter sich. Stille, mehr Stirnrunzeln.

Einundzwanzig, zweiundzwanzig.

„Du bist nicht mehr hart“, bemerkt er sachlich.

„Ach ne. Wichs ihn dir halt zurecht.“

Es tut mir selbst weh, seine Züge zu einer entgeisterten Fratze entgleisen zu sehen. Sein Mund klappt auf, seine Brauen verzerren sich zu unförmigen Haken und er schluckt. Dann steht er auf, stolpert triefend nass, wie er ist, zur Tür und knallt sie hinter sich ins Schloss.

Ich hoffe für ihn, dass den ganzen Zirkus nicht wegen dieser einen Sache veranstaltet hat. Ich hoffe für ihn, dass er schnell wieder nüchtern wird und sich daran erinnert, dass er alles von mir bekommt. Alles und jeden. Und wenn die ganze Welt für seine Wünsche drauf geht, wen interessiert´s? Er wird auf jeden Fall übrig bleiben und damit habe auch ich alles, was ich brauche.

Nur eines bekommt er nicht. Dieses eine. Und wenn er es noch so sehr will, und wenn er noch so fest daran glaubt, dass es die Krönung wäre – ich werde nicht zulassen, dass er sich selbst konsumiert.

Ich kann es nicht zulassen.

Was sollte ich denn auch machen, ohne meinen Tom?


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