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777 - Dein Blut in meinen Adern - P18 - BillxTom - (3/7)

Sünde Ira ° Rachsucht
Autor: unverdorben
Charaktere: Bill, Tom, OFC
Rating: P18 (Slash)
Warnungen/Genre: ein bisschen Lime, ein bisschen Twincest, ein bisschen Gewalt
Zusammenfassung: Tom hat ein Spielzeug. Bills Stolz hat Aua.
Disclaimer: Bill hat mein Make-up annektiert und Tom meine Strapse vorgeführt. Die Super-Nanny ist auf dem Weg. || Das Zitat stammt von Lucius Annaeus Seneca, der außerdem schrieb: Sed dux malorum femina: haec scelerum artifex [Anführerin bei den Übeltaten aber ist die Frau: in Verbrechen ist sie Künstlerin.] Das nehme ich persönlich.
Kommentar: Geschrieben für 7_suenden, betagelesen von MonCherie.



Rache
ist ein Geständnis des Schmerzes.


Sie heißt Eva und sie muss ein nettes Spielzeug sein. Tom fickt sie schon seit einem halben Jahr, in unregelmäßigen Abständen. Sie macht die Beine für ihn breit, wenn wir in Hamburg sind, und sie macht die Beine für ihn breit, wenn sie gerade genug Geld übrig hat, um ihm hinterher zu reisen. Sie macht die Beine für ihn breit, wann immer er es will, und Tom sagt, sie sei so gut, dass sie Geld verlangen könnte.

Natürlich tut sie das nie. Nicht von ihm, nicht von einem Kaulitz.
Vielleicht steht sie in Mini und High Heels am Busbahnhof, wenn Tom sie nicht braucht, wer weiß. Er lässt sich nur mit Kondom einen von ihr blasen und sie hofft jedes Mal aufs Neue, dass er sie endlich küsst. Ich kann es in ihren Augen sehen, wenn sie ihn erwartungsvoll von unten herauf ansieht, während sie auf sein Zimmer gehen.

Sie ist ein dummes Huhn, aber dumm fickt bekanntlich gut. So gut, dass Tom für sie gegen das Prinzip von drüber, ex und hopp verstoßen hat.

Ich war nie dabei, wenn er es ihr besorgt hat. Anfangs habe ich sie manchmal gehört, aber Tom hat ihr schnell beigebracht, dass sie die Klappe zu halten hat. Quatschen braucht sie nicht und schreien darf sie nicht, schließlich kann man nie wissen, ob gewisse Zwillingsbrüder nebenan nicht schlafen wollen.

Sie sieht normal aus. Nicht hübsch, aber auch nicht hässlich. Durchschnitt eben. Sie hat modisch rot gefärbte Haare wie das Weib auf dem Parfüm-Kinoplakat, es steht ihr aber nicht halb so gut. Ihr Stil ist tatsächlich vorhanden genug, um ihn als Stil bezeichnen zu können und nicht als das sonst übliche blinde Zusammenkaufen des H&M-Sortiments. Er wirkt in erster Linie billig, aber darauf steht Tom. Mein lieber Bruder nimmt das mit den „Biatches“ aus seiner harten, männlichen Hiphopschlägerparade wirklich sehr genau.

Angeboten hat er mir seine kleine Privathure trotzdem noch nie. „Sie hat´s nicht so gern anal“, hat er einmal beiläufig fallen lassen.

Erstens: habe ich etwa gefragt, ob er sie mir ausleiht? Zweitens: denkt er, ich weiß nicht, dass Frauen noch mehr Löcher haben als das zwischen ihren Arschbacken? Drittens: wieso ist es von Interesse, was sie mag?
Ich habe seine Bemerkung stillschweigend übergangen. Wenn ich Eva will, dann nehme ich sie, auch von hinten, genauso wie ich sein Feuerwehrauto und seine Stoffpuppe genommen habe, als wir noch klein und unschuldig waren. Wir sind Zwillinge, wir teilen alles, auch wenn wir uns nicht immer der Tatsache bewusst sind, dass wir dazu bereit sind, ein bestimmtes Etwas zu teilen. Aber wir sind es, immer.

Das Einzige, was wir nie teilen, ist unser Bruder. Tom gehört mir, ganz und komplett, genauso wie ich ihm gehöre. Es wäre Wahnsinn, sich irgendjemand anderem als ihm anzuvertrauen, sich von irgendjemand anderem besitzen zu lassen. Die Welt da draußen, meine Kinder, ist schlecht und es gibt viele böse Seelen, die Schindluder mit euch treiben wollen. Wer sich jedem an den Hals wirft, der ihm die ewige Liebe verspricht, der hat es verdient, wenn ihm das Genick gebrochen wird.

Eva ist so ein naives Ding, das früher oder später vom Galgen seiner Leichtgläubigkeit baumeln wird. Sie denkt, sie könne Tom für sich gewinnen. Das Ruder herumreißen. Dass sie das Ruder überhaupt nicht in der Hand hält, ist ihr noch gar nicht aufgefallen.
Alles, was Eva hat, ist roter Lippenstift und eine Garage für Toms kleinen Cadillac und damit lässt sich nichts Großes erreichen. Nichts Größeres als ein befriedigt keuchender Tom, der sich von ihr eine Kippe anstecken lässt und ihr die Decke wegzieht.

Ich wette, sie liegt im Dunkeln und bildet sich ein, sie wäre etwas Besonderes, weil er sie nicht im Höschen auf den Gang schiebt, sondern neben sich frieren lässt. Ich wette, sie glaubt, er würde gern kuscheln, wäre aber zu schüchtern dazu. Große Jungs tun sich ja so schwer damit, ihre Gefühle zu zeigen. Ich wette, sie lässt zwei Finger über seinen Oberarm tänzeln und er schlägt ihre Hand weg wie eine lästige Fliege und dreht ihr den Rücken zu. Ich wette, sie denkt: „Was habe ich falsch gemacht?“


Auch wenn es wegen der ganzen hochromantischen Harmonie so kitschig ist, dass man kotzen könnte – Tom und ich kleben tatsächlich 24/7 aneinander, wenn man uns lässt.
Toms Anwesenheit ist eine andere als die anderer Menschen. Die Anwesenheit meiner Mutter kann ich nicht ignorieren. Oder die von Gustav und Georg. Wenn sie da sind, sind sie da, und ich würde den Teufel tun und ohne Handtuch aus dem Badezimmer kommen. Nicht, dass es mir peinlich wäre. Man macht so was einfach nicht.

Toms Anwesenheit dagegen ist kaum wahrnehmbar. Nur wenn er geht, fällt mir auf, dass er gerade noch da war und wenn er länger nicht zurückkommt, bleibt mir nichts anderes übrig, als mir eine Kippe zwischen die Lippen zu klemmen und mir Gesellschaft zu suchen, laute Menschen, die mich mit den unmöglichsten Nebensächlichkeiten zutexten und mich um Himmels willen nicht zu Wort kommen lassen. Sie schaffen es nie, mir das Gefühl der Einsamkeit zu nehmen, aber sie betäuben wenigstens die kleine, hämische Stimme in meinem Ohr, die mir vorsingt, wie verlassen ich doch bin.

Toms Gesellschaft ist keine Gesellschaft, sie ist eine essentielle Notwendigkeit. Er unterhält mich nicht. Um ehrlich zu sein reden wir kaum miteinander, wenn wir allein sind. Natürlich produzieren wir Schallwellen – ich liebe es, Schallwellen zu produzieren –, aber all das, was wirklich von Bedeutung ist, müssen wir uns nicht sagen. So was, liebe Kinder, weiß man.

Wenn die Regeln dieses widerlichen Dings namens Anstand es also nicht verbieten, ist Tom bei mir. Als Kinder konnten wir Paranoia vor Einbrechern vortäuschen, um in einem Bett zu schlafen, versehentlich halb in der Wanne ertrinken, um gemeinsam baden zu dürfen, und einander an der Hand zu halten war nichts, wofür wir uns schämen mussten, sondern ein Anlass für allgemeines rührseliges Entzücken über diese niedlichen, herzallerliebsten Jungs, die sich ja so schön vertragen.

Heute habe ich Toms Hand nötiger denn je, aber inzwischen bin ich groß und erwachsen und habe meine Finger nur noch mit denen von Schicksen zu verflechten.
Die Indios in Südamerika glauben, eine Kamera würde der fotografierten Person die Seele rauben. Ich würde es als naiven Aberglauben abtun, wenn ich nicht wüsste, wie es sich anfühlt, wenn den ganzen Tag an der eigenen Oberfläche gekratzt wird, gebohrt, gestarrt, poliert und festgehalten. Ich brauche meine Seele, ich brauche Toms Hand, damit sie mich nicht einsaugen und offen bestehlen, diese kleinen, gierigen Neidhammel.

Deshalb, liebe Kinder, sitze ich neben ihm. Deswegen sitze ich so nah neben ihm, deswegen streift meine Hand sein Knie, seinen Oberarm, deswegen sehe ich ihn an und nicht den Moderator, der versucht, mir das Hirn durch die Nase zu ziehen. Dürfte ich Tom anfassen, könnte ich euch in meine Augen blicken lassen. So aber bleibt mir nichts anderes übrig, als meine Sonnenbrillensammlung zu erweitern und eure dreckigen Phantasien zu füttern.

Tom ist der einzige Mensch, bei dem die Worte „immer“ und „nie“ wirklich das bedeuten, was sie bedeuten, und keine feige Umschreibung für „ziemlich lange“ und „wahrscheinlich nicht“ sind. Ich werde ihn immer lieben und ich werde ihn nie verlassen. Scheiß drauf, wenn ich damit den ultimativen Sülzrekord gebrochen habe.

Es ist, wie es ist, sagt die Liebe.

Gleich gehe ich kotzen. Ich gehe vor allem gleich kotzen, weil ich jetzt schon zum dritten Mal versucht habe, Tom auf dem Handy zu erreichen und er einfach nicht dran geht. Er weiß, dass ich es bin, denn die Nummer, die ich benutze, kennt außer mir nur unsere Mutter und die ruft immer erst ihr Nesthäkchen an und lässt sich dann den Großen geben – mit anderen Worten: sie benutzt die Nummer nie und Tom hat ein Handy nur für mein persönliches Kontaktbedürfnis. Ein Bedürfnis, das gerade ziemlich groß ist. Ziemlich sehr groß. Auf jeden Fall zu groß, als dass ich es tolerieren könnte, dass er mich ignoriert. Oder noch schlimmer, das Handy verloren hat. Vergessen hat, den Akku aufzuladen. Denn dann wären meine Anrufversuche aussichtslos und die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

Ich drücke die Wiederwahltaste, presse das Handy so fest an mein Ohr, dass es weh tut, und tigere vor dem Fenster auf und ab. „Geh ran, geh ran, geh ran“, zische ich in jedes Tuten.

„Der von Ihnen gewünschte Teilneh-“

°

Tom kommt eine halbe Stunde später zurück ins Hotel und marschiert schnurstracks in mein Zimmer, um nachzufragen, was los sei.

„Ich hatte sieben Anrufe in Abwesenheit von dir und als ich zurückrufen wollte, ging das irgendwie nicht“, sagt er, die Hände in den Taschen vergraben.

Sieben Anrufe? Doch so viele?
Egal, jetzt nehme ich keine Notiz von ihm, sondern lehne mich in meinem Ledersessel zurück und rauche, langsam und cool wie die verdächtigen Schurken in den alten Filmen, wenn ein verkappter Sherlock Holmes ihnen mit seiner Fragerei auf den Senkel geht.

„Ich hab es schon klingeln gehört, weißt, aber ich war, ähm, beschäftigt.“

„Deine Hände hattest du doch frei?“ Uh, ich klinge so kalt, dass es mir selber eisig den Rücken hinunterrieselt.

„Ja schon, aber ich war da und das Handy woanders, also auf dem Boden, und ich kann ja nicht...“

Bleib mal eben so, Süße, Daddy muss `ne Sekunde aussetzen. Wenn du wirklich befürchten musstest, dass die Ische dir sonst abhaut, dann möchte ich dir hiermit mein herzliches Beileid ausdrücken, Bruder. Du bringst Schande über die ganze Familie und ich muss dich leider umbringen, um die Ehre wiederherzustellen.“

„Bill, so wichtig wird´s schon nicht gewesen sein.“

„Du bist tot.“

Tom schnaubt, als könne er sich nicht entscheiden, ob er den genervten Gangsta oder den um die Launen der Diva besorgten Fußabtreter spielen möchte.

„Außerdem hab ich ja danach versucht, dich anzurufen“, verteidigt er sich in dem Tonfall, mit dem kleine Kinder das Fußballspielen im Wohnzimmer zu rechtfertigen versuchen. Ich wollte das ja gar nicht, Mama, aber der Bill hat gesagt...

„Wand“, sage ich und drücke meine Kippe auf dem Glastisch neben meinem Sessel aus.

„Hä?“
Seine postkoitale Eloquenz ist wirklich erstaunlich.

„Ich hab das Handy gegen die Wand geworfen.“

„Oh.“
Mehr als erstaunlich.

„Und jetzt?“, fragt er vorsichtig.

Knie nieder, lege meinen Fuß auf deinen Nacken und bettle um Verzeihung, was sonst.

„Es tut mir Leid, okay?“

Wo bleibt der Kniefall?

„Echt jetzt.“

Die Opfergabe?

„Bill, du bist ein Arschloch.“

Werden wir jetzt blasphemisch, oder wie darf ich das verstehen?

„Weswegen hast du eigentlich angerufen?“

Seufzend rutsche ich so tief in den Sessel, dass mein Hintern genau auf der Kante ruht. Noch ein Stückchen weiter vor und ich lande ausgesprochen unelegant auf dem Teppichboden. Mein Steißbein werde ich mir außerdem prellen. Und wessen Schuld ist das dann? Richtig, Toms.

„Dir war doch nur langweilig, weil du dich nicht selbst beschäftigen kannst.“

Wie das klingt.

„Wenn du hier nur rumzicken willst, dann kann ich auch wieder gehen.“

Irgendwie läuft das hier in die falsche Richtung.

„Würde seine Majestät sich mal dazu herablassen, mir zu sagen, was Sache ist?

Nein, Majestät verspürt gerade den kindischen Drang, trotzig sein zu müssen.

„Ich dreh mir jetzt `ne Tüte und du kannst dich solang ausspinnen. Danach schauen wir, wo wir Eis herkriegen, ich hab da voll Bock drauf grad.“

Eis hat Mama uns immer gemacht, wenn wir uns im Sommer nach unserem Krieg um den Wasserschlauch wieder brav versöhnt hatten.
Tom ist so ein Kind. So ein großes, bekifftes Kind und komplett multitasking-unfähig noch dazu. Wenn sogar Paris Hilton gleichzeitig vögeln und telefonieren kann, dann müsste er das doch auch hinkriegen.


Toms Lieblingssorte ist Schokolade wie die aller kleinen Kinder. Für mich hat er Stracciatella aufgetrieben und Gummibärchen, die wir unter dem Eis vergraben, bis sie steinhart sind und uns die Kiefer vom Kauen wehtun. Unsere Eisparty ist unfassbar infantil und die Tatsache, dass sie auf einem riesigen Hotelbett mit Baldachin und seidener Tagesdecke stattfindet, dass wir mit Silberlöffeln aus Kristallbechern essen, dass sich ein rosa Seestern über einen meterbreiten Plasmabildschirm sabbert, und dass ich beim Essen summe und Tom es schmatzen nennt, macht sie noch viel herrlicher, als sie es sowieso schon ist.

„Grüne mag ich nicht“, murmelt Tom und schiebt mir ein verschmiertes Gummibärchen zwischen die Lippen. Wer braucht Kaviar, wenn man sich von einem ungelenken Tom gefrostete Gelatine gegen die Zähne schlagen lassen kann?

°

Georg sitzt im Schneidersitz vor mir und beobachtet mich misstrauisch. Er hat Angst, dass auch sein Handy die Tapete küsst, wenn Tom sich nicht bald zu Wort meldet, aber diese Angst ist unbegründet. Ihn um die paar Nummern seiner raren Groupies zu bringen, die er sich in mühsamer Kleinarbeit zusammengesammelt hat, wäre einfach nur barbarisch. Aber das muss ich ihm ja nicht sagen.

„Der kommt sicher bald. Ihr wart doch den ganzen Nachmittag zusammen, bisschen Auslauf braucht er auch“, versucht er mich zu beruhigen. Als ob ich nicht merken würde, dass er sich nur um die zarten Gefühle des Elektronikteils an meinem Ohr sorgt.

Ich bin mir auch sicher, dass Tom bald kommt. Allerdings nicht so, wie Georg es gemeint hat und ich es gerne hätte.

„Außerdem“, setzt Georg jammernd an, aber ich habe keinen Bock auf sein Geseiere und gebe ihm den Schlüssel für seine sexuelle Befriedigung zurück, den er sofort in seine Hosentasche schiebt. Handystrahlung soll ja schlecht für die Spermienproduktion sein.

°

Tom kommt um 3 Uhr 24 zurück ins Hotel. Ich weiß das, weil ich wach in meinem Bett liege und schon so lange auf die ekelhaft rote Digitalanzeige des Hotelweckers gestarrt habe, dass meine Augen angefangen haben zu tränen. Wenn jetzt jemand ins Zimmer käme, würde er sich wahrscheinlich eine hochmelodramatische Geschichte von einem untreuen Macho und seinem schwachen, verletzlichen und verletzten heimlichen Liebhaber zusammenreimen.
Die Wahrheit ist, dass das Mädchengekicher auf dem Gang meine Eingeweide in einer Art verdreht, die mich jemanden erwürgen lassen wollen.

Er hat Eva mitgebracht, nur sie hat eine so penetrant gackernde Lache. Um 3 Uhr 56 wird aus dem Gackern ein nicht minder penetrantes Stöhnen, das klingt, als würde man einer Katze auf den Schwanz steigen, und das um 3 Uhr 58 abrupt abbricht. Tom ist offensichtlich genug Blut zurück ins Hirn geflossen, um sie an ihre Schweigepflicht zu erinnern.
Um 4 Uhr 09 beginnt das Kopfteil von Toms Bett gegen meine Wand zu knallen und mir wird schlecht.

Ich strampele meine Decke weg und schlurfe ins Bad, wo ich mich mit zwei Händen auf das Waschbecken abstütze und meine Augenringe im Spiegel bewundere. Das Rumoren in meinem Bauch schiebe ich auf das Eis, aber das kleine, gehässige Stimmchen redet mir etwas anderes ein. Ich spritze mir kaltes Wasser ins Gesicht und trolle mich wieder in mein Bett, das mir auf einmal schrecklich durchgelegen und unbequem vorkommt. Es ist nicht der dumpfe Rhythmus, der mein Zimmer als einziges Geräusch bis zur Decke ausfüllt, der mich stört. Es ist das Wissen, dass er, wenn er sie erst jetzt fickt, die bisherige Nacht anders mit ihr verbracht haben muss. Mit Cocktails, mit Flirten, mit dem, was Pärchen eben so machen.

°

Morgens halb zehn in Deutschland, ich stehe am Frühstücksbuffet und sehe beschissen aus. Hunger habe ich auch keinen und schuld daran ist nur das Gegacker an unserem Tisch. Tom hat sich eben Orangensaft über seine Cornflakes gegossen und sie findet es wahnsinnig komisch.
„So was kann man doch nicht essen!“, schrillt ihre Hühnerstimme zu mir herüber. „So was kann man doch nicht mit zum Essen bringen“, knurre ich in mich hinein und wünsche mir, dass Tom sich an seinen Cornflakes verschluckt und sie ihr in den Ausschnitt hustet.

„Ich finde deine Texte ja so toll!“, quietscht Eva, als ich mich schließlich mit einem Croissant bewaffnet neben Tom setze. Ich bin leider zu beschäftigt damit, mein Croissant mit Marmelade zu bestreichen, als dass ich ihr antworten könnte. Ich finde die Texte pubertär, albern und platt, aber zum Glück sind es nicht meine und ich muss mich also auch nicht angesprochen fühlen, wenn sie von kleinen Mädchen in den Himmel gelobt werden, die um die Aufmerksamkeit des großen Rockstars heischen. Sie wird von Tom gefickt, kann sie sich nicht damit zufrieden geben und mich in Ruhe lassen? Millionen Schicksen würden alles geben, um an deiner Stelle zu sein, Huhn, also halt den Schnabel und genieß die Sekunde.

„Also ich will ja unbedingt zu Prada“, brabbelt Hühnereva munter weiter. „Die haben ja so tolle Sachen.“

Als ob sie genug Geschmack hätte, um das beurteilen zu können.

„Hm“, brummt Tom.

„Und zu Dolce und Gabbana. Ich hab da in so einer Zeitschrift so ein Kleid gesehen, das...“
„Hm“, brummt Tom.

Als ob sie sich das leisten könnte.

„Das ist aber teuer“, sage ich und befördere meine Mundwinkel ein paar Zentimeter nach oben.

„Tom geht mit mir shoppen!“, platzt es aus ihr heraus, als hätte sie nur auf das Stichwort gewartet. „Und weißt du was, Schatz, dann...“

Jetzt bin ich es, der ihr beinahe sein Frühstück ins Dekolletee spuckt. Schatz? Schatz?! Und warum zum Teufel widerspricht Tom nicht, sondern brummt nur weiter vor sich hin wie ein Teddybär voller Holzwolle und Soundchip?

„Junge, hast du gestern dein Gehirn irgendwo liegen gelassen?“, zische ich ihm zu, aber er schüttelt nur den Kopf und zuckt mit den Schultern.

„Wir sollten dann aber auch gleich los, oder? Kommst du?“ Eva ist aufgestanden und streckt eine Hand nach Tom aus. Er ist achtzehn, Mädchen, nicht achtzig, er braucht keine Hilfe beim Aufstehen.

Tom brummt, steht auf, lässt sich an der Hand nehmen und abführen.

„Bezahlt er sie jetzt doch, oder was?“, schnaube ich und zerdrücke einen fettigen Croissantbrösel zwischen Daumen und Zeigefinger.

„Wieso?“, fragt Gustav und schaut mich an wie ein Schaf.

„Hallo?! Er kauft ihr Klamotten. Was ist das denn bitte anderes als Geld in Naturalien?“

„Also ich hab meiner Freundin auch immer mal was geschenkt, auch zum Anziehen“, meint Gustav, der Trottel.

„Freundin?“ Ich kann nicht anders, ich muss lachen. Tom und eine Freundin, noch dazu diese Teilzeithure. Der Witz des Jahrhunderts.

„Ich hab immer gesagt, dass es ihn mal erwischt“, feixt Georg und klaut sich den Rest Marmelade von meinem Teller.

„Tom ist nicht verliebt.“ Am letzten Wort verschlucke ich mich beinahe. Irgendjemand muss jetzt sofort sterben, und zwar eines langsamen, qualvollen Todes, sonst drehe ich auf der Stelle durch.

„Komm mal runter“, sagt Gustav, „du findest auch noch eine Hübsche.“

Das reicht. Besteck klirrt auf das Parkett und mein Stuhl fällt um, als ich aufspringe und zum Aufzug stürme. Meine Hände zittern, als ich den Knopf drücke, und weil die Türen nicht augenblicklich aufspringen, trample ich die Treppe hinauf in mein Zimmer. Kippe aus der Schachtel gefummelt, Feuerzeug aus der Handtasche gekramt, Fenster auf und einmal weit in die leere Luft lehnen. Weiber sind das Allerletzte.

Brüder sind das Allerletzte.

Tom ist das Allerletzte.

°

Tom kommt am frühen Nachmittag wieder, ein seliges Huhn im Schlepptau. Er verkündet, dass Eva die letzten beiden Tage, die wir noch in dieser Stadt verbringen, bei ihm im Hotel bleiben wird. Georg macht sich über den „Gangsta in luv“ lustig, Gustav wünscht Alles Gute und Eva scheint sich auf diesem Kindergeburtstag pudelwohl zu fühlen. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis irgendjemand vorschlägt, Topfschlagen zu spielen. Wahrscheinlich wird es Georg sein. Er tut zwar immer so erwachsen, aber tief unter seinen heterosexuell geglätteten Haaren steckt ein kleiner Junge mit ADS, dem nichts zu blöd ist. Nicht einmal, seinen „special homie“ wegen Geflügel aufzuziehen, das sich erstens prostituiert und in das besagtes Spezialheimchen zweitens ganz sicher nicht verliebt ist.

Als Tom mich fragt, ob ich damit ein Problem hätte, schüttele ich den Kopf. Natürlich habe ich damit ein Problem, aber ich habe auch einen Plan und für den brauche ich Eva. Dass er sein Zimmer in einen Hühnerstall umzufunktionieren gedenkt, kommt mir also nur zu gelegen.

°

Es ist ganz einfach. Ich stelle mich auf den Gang, an meinen Türrahmen gelehnt, ziehe den Kopf ein wenig zwischen die Schultern, werfe ihr durch meine Wimpern – länger als ihre – einen schüchternen Blick zu und frage leise, ob ich mal mit ihr reden könnte. Eva schmilzt auf der Stelle dahin und fließt mir in mein Zimmer hinterher.

„Setz dich doch“, murmle ich und weise auf mein Bett, nur um mir sofort die Hand vor den Mund zu schlagen und mein „Oh mein Gott, denk bitte bloß nichts falsches von mir“-Gesicht aufzusetzen.

„Ist O.K.“, versucht Eva mich von meiner nicht vorhandenen Unsicherheit zu kurieren. Nettes Mädel, gute Kinderstube. Wenn ihre Eltern wüssten, was für eine Schlampe aus dem Fräulein Tochter geworden ist.

„Weißt du“, druckse ich herum, während ich mich zögerlich einen Meter von ihr entfernt auf die Bettkante setze, „ich ähm, ich wollte nicht so zickig sein heute morgen.“

„Du warst doch nicht zickig.“

Natürlich nicht. Ich war heute morgen so zickig, wie ich jetzt süß bin, wenn ihr versteht, was ich meine.

„Doch, war ich, und es tut mir Leid, echt. Ich will nicht, dass du denkst, ich wäre irgend so eine verwöhnte Diva, oder so...“

„Bist du nicht.“

Alle Achtung, sie beherrscht Timing und salbungsvollen Tonfall. Die idealen Voraussetzungen für die Rolle, die ich mit ihr besetzen werde.

„Aber weißt du, seit du irgendwie dauernd um mich rum bist, da... ich mein, es ist schon so lange her, dass ich mich das letzte Mal verliebt habe...“

Ich überwinde mich und zupfe an meinem Nagellack. Dazu noch mein niedlichstes Schielen durch meine rabenschwärzesten Strähnen, et voilà, ihre Wangen glühen. Bill Kaulitz hat ein weiteres Huhn glücklich gemacht, es wird um Applaus gebeten.

Ab jetzt ist alles ein Kinderspiel. Nur knappe zwei Minuten später sitzt sie halb auf meinem Schoß und geht mir mit ihrem feuchtwarmen Atem in meinem Nacken auf die Nerven. Ziemlich schwer ist sie außerdem, mein linkes Bein wird taub. Das einzig Positive an ihrer Position ist, dass sie mich erstens nicht küssen kann ohne sich die Halswirbel auszurenken und ich ihr zweitens meine karamellisierten Lügen ganz romantisch direkt ins Ohr träufeln kann.
Sie saugt meine Instruktionen in sich auf, als wären es Liebesschwüre. Es ist wichtig, dass sie alles, womit ich ihr verdorrtes, kleines Herz zum Rasen bringe, so weit verinnerlicht, dass sie am Ende glaubt, es wären ihre eigenen Ideen gewesen.

Sie wird meine Arme als perfekte Marionette verlassen; so perfekt, dass ich mich zurücklehnen und beobachten kann, wie sie ihre eigenen Fäden zieht.

~°~

Eva nervt. Nichts Ungewöhnliches, schließlich ist sie eine Frau.

„Schatz?“, schrillt es aus dem Badezimmer. Wann lernt sie endlich, sich schweigend anzumalen, so wie Bill?

„Was?!“
Scheiße, falscher Tonfall. Hoffentlich-

„Bist du irgendwie sauer auf mich?“

„Nein.“ Verdammt.

„Du klingst aber so.“

Wahrscheinlich weil ich gelogen habe. Ist aber nur eine Idee.

„Ich will mich nicht mit dir streiten.“

Dann halt die Klappe. Mund zu, kein Streit. So einfach ist das. Kein Kommunikationsstau, keine Verbalunfälle, nur schön dahinfließender Verkehr.
Das höchste Zivilisationsniveau haben die Bonobos, und sollte ich jemals Bundeskanzler werden, werde ich durchsetzen, dass wir uns endlich eine Scheibe bei ihnen abschneiden.

„Sagst du mir, was los ist, Schatz?“

Am besten zwei Scheiben. Und wann habe ich ihr eigentlich die Erlaubnis für diesen ausgelutschten Kosenamen gegeben? Da passt man einmal nicht auf, und schon reißen bei diesem Weibsvolk die unmöglichsten Unsitten ein.

„Ist nichts.“ Pause. „Babe.“

Ich liege auf meinem Bett und unterhalte mich durch eine beinahe geschlossene Tür mit einem Weib. Ich gehe auf ihre Emotionsspirenzchen ein – ohne das Endziel, sie aufs Kreuz zu legen, denn das habe ich schon längst getan. Mehrfach. So weit es ist also schon mit mir gekommen. Wenn es mit mir weiter so bergab geht, werde ich die Jungs um eine standesrechtliche Erschießung bitten müssen.

Wahrscheinlich hockt Bill gerade nebenan und lacht sich den Arsch ab über die Aktion beim gestrigen Frühstück. Erniedrigt vor dem eigenen kleinen Bruder – womit habe ich das bitte verdient? Ist Fortuna etwa neidisch, dass Eva es besser besorgt bekommt als sie?

„Was denkst du gerade?“

Fortuna, Süße, gib dir einen Ruck und ruf mich an. Ich organisiere uns einen netten Jacuzzi und ein bisschen Champagner und dann werden wir dein Problem in Angriff nehmen. Es kann nämlich nicht angehen, dass du deine Frustrationsschübe an unschuldigen Achtzehnjährigen auslässt.

„Tommischatz, komm schon.“

O.K., das war´s, Evimausi. Sobald du deinen Hintern aus dem Bad geschwungen hast, wirst du deine Sachen packen und dich auf Nimmerwiedersehen verpissen. Ich habe mich lang genug vor Bill und der Welt von dir zum Affen machen lassen.

„Nichts.“

„Man denkt nicht über `nichts´ nach. Sag schon.“

Ich gebe mir keine Mühe, mein genervtes Stöhnen zu unterdrücken. Soll sie ruhig merken, wie lästig ich sie finde, sie steht sowieso schon so gut wie vor dem Hotel.

„Bill“, antworte ich schließlich doch noch, um ihrem Bohren ein Ende zu setzen.

„Warum denkst du an Bill?“

Weil? An was soll ich sonst denken – meine immerwährende, innige Liebe für sie? Ich bin ein Mann, ich denke an Ficken, Essen, Schlafen, Gitarrespielen und Bill. Das sollte ihr eigentlich klar sein.

„Weiß nicht.“

„Denkst du auch mal an mich?“

Himmel, gleich springe ich aus dem Fenster.

„Kann sein“, brumme ich und durchwühle meine Hosentaschen nach meinem Feuerzeug.

Bill und ich wollten nie rauchen. Früher fanden wir es eklig, den Geschmack genauso wie den Geruch, und selbst wenn wir Zigaretten gemocht hätten, hätten unsere Prinzipien uns verboten, sie mit etwas anderem als einem abfälligen Blick anzuschauen. Mit der Zeit haben wir allerdings festgestellt, dass Kippen Selbstsicherheit in Stängelform sind und damit überlebensnotwendig für minderjährige Popstars.

Man fühlt sich erwachsen, man weiß, wohin mit seinen Händen, man wird sein nervöses Bauchkribbeln los und man kann sich während langweiliger Busfahrten die Zeit damit vertreiben, über die kleinkarierten Saubermänner bei der Bravo herzuziehen, die alle Zigaretten wegretuschieren, bevor sie ihre reißerischen Titel über die Bilder knallen.

Um ehrlich zu sein: wenn Bravo-Reporter um uns herumhüpfen, rauchen wir besonders viel. Vor allem Bill hat dann ständig eine Kippe zwischen den Fingern und wenn er keinen Bock mehr auf die Qualmerei hat, spielt er mit ihr, steckt sie sich hinters Ohr oder seziert sie mit seinen langen Fingernägeln.

Ein Reporter hat einmal die Frechheit besessen, ihm zu sagen, dass er die Zigarette wegpacken solle. Das hat Bill auch getan und sich stattdessen einen Lolli geben lassen. Der Reporter musste zehn Minuten später ganz dringend für kleine Jungs und hat für den Rest des Tages Schweißausbrüche bekommen, wenn Bill ihn auch nur drei Sekunden lang angesehen hat. Ich muss nicht erwähnen, dass Bills Augen an ihm geklebt haben, oder? Ausgewachsene Kerle in eine Identitätskrise zu stürzen ist Bills Lieblingssport und sollte das jemals eine olympische Disziplin werden, ist ihm die Goldmedaille gewiss.

Die Badezimmertür bleibt mit einem dumpfen Geräusch an dem zusammengeknäulten T-Shirt hängen, das achtlos auf dem Boden liegt. Eva schnalzt genervt mit der Zunge und schiebt sich durch den Spalt in mein Blickfeld. Sie trägt einen roten Satin-BH und kein Höschen. Da ich sowieso noch zu angepisst von ihr bin, um ihr ins Gesicht zu sehen, starre ich ihr genau zwischen die Beine und sie bemerkt es, lacht und fährt sich mit zwei lackierten Fingern darüber.

Ich werde sie abservieren. Aber vorher werde ich sie ein letztes Mal ficken.

„String oder Panties?“, will Eva wissen und beugt sich zu ihrer Tasche hinunter.

Ich verdrehe die Augen und wälze mich vom Bett. „Und das fragst du ´nen Kerl.“

„Stimmt“, kichert sie in einer Tonlage, die verboten gehört. Tommischatzi hat sein Trommelfell nämlich ganz doll lieb.

Ich stecke mir eine zweite Kippe an und sehe ihr dabei zu, wie sie ein schwarzes Nichts von einem Stringtanga, ihren Jeansmini und ein Tanktop anzieht.

„Gefall ich dir?“, fragt sie und dreht sich im Kreis.

„Ja.“ Fickbar. Sonst wäre sie wohl kaum hier.

„Du weißt, dass du den Tag heute allein verbringen musst?“, versichere ich mich und sie nickt.
Die Gs und ich haben einen Soundcheck zu erledigen, für Bill steht ein Interview mit irgendeinem wichtigen Magazin auf dem Programm. Ich vergesse die Namen meistens fünf Sekunden, nachdem Bill sie mir mitgeteilt hat, aber er ist mir deswegen nicht böse. Er weiß, dass mich seine Soloprojekte nicht interessieren und er weiß, dass ich sie trotzdem akzeptiere.

Gustav, Georg, Bill und ich, wir alle leben von Tokio Hotel. Aber während die Gs und ich eben etwas anderes, etwas Normales machen würden, wenn es Tokio Hotel nicht gäbe, läge Bills Alternative verdammt nahe an einer Psychose. Er braucht die Kameras genauso wie er sie hasst, er braucht die indiskreten Fragen und er braucht die bedingungslose Bewunderung, mit der zu ihm aufgesehen wird. Bill liest seine Fanpost schon längst nicht mehr, aber wenn er nicht so und so viele Kisten pro Tag bekommt, fühlt er sich nicht geliebt und seine Laune sinkt in den Flutkeller. Bill braucht mehr als Tokio Hotel. Er braucht einen Rückhalt, für den Fall, dass die Bühnenbretter, auf denen er jetzt steht, einbrechen, denn anders als für die Gs und mich gibt es für ihn kein Zurück.

„Bis heute Abend, Schatz?“

„Jap.“ Ich drücke die Zigarette aus, küsse sie mit all dem kalten Rauch in meinem Mund und verschwinde auf den Hotelflur.

°

Eva kiekst und ich kneife die Augen zusammen, ignoriere es ein letztes Mal. Ihre Haut ist samtig und heiß und sie zittert eine Winzigkeit, als ich ihr das Top über den Kopf ziehe und ihre Seiten hinunterfahre.
„Tom“, seufzt sie, während ich meine Zähne unter ihrem Schlüsselbein versenke, und ihre Hand verirrt sich an meinen Hintern, unter meinen Hosenbund, und wandert nach vorn bis zu meiner Gürtelschnalle.
„Tom“, keucht sie, als ich ihren Rock nach oben schiebe und zwei Finger in ihre heiße Enge. Sie ist nass, sie grinst, als müsse sie sich entschuldigen, sie öffnet meinen Gürtel und meine Hose rutscht mit einem trockenen Rascheln an meinen Beinen hinunter.
„Tom“, stöhnt sie, als ich aus dem Jeansstoff steige, einen Arm um sie schlinge und sie auf den Tisch hinter ihr hebe. Sie sinkt auf die glänzende Platte und beobachtet durch halbgeschlossene Lider, wie ich mit meinem Daumen kleine Kreise über ihrer Perle ziehe.

Ich befeuchte meine Lippen, wische meine Hand an der Innenseite ihres Oberschenkels ab und küsse sie da, wo Schlampen wie sie es gerne haben. Sie drückt mir ihr Becken entgegen und ihren Rücken durch, sie windet sich und bebt, aber sie lenkt mich nicht genügend ab, als dass es mir nicht schlagartig auffallen würde.

„Sag mal“, nuschle ich und schiele über ihren Bauch hinweg und zwischen ihren Brüsten hindurch auf ihr gerötetes Gesicht, „wo ist eigentlich dein String?“

„Hast du mir ausgezogen?“, lächelt sie.

„Verarschen kann ich mich selber“, knurre ich und richte mich auf. Sie quiekt enttäuscht auf, schämt sich aber nicht, sich weiter mit weit gespreizten Beinen vor mir zu räkeln.

„Du hattest heute Morgen einen an und jetzt nicht mehr. Wo ist der hin?“

Eva zieht eine Schnute und streckt einen Arm nach mir aus. Er hängt in der Luft wie ein totes Tier.

„Ist doch nicht wichtig“, seufzt sie und drückt ihre Fersen gegen meinen Hintern.

„Wo?“

„In meiner Tasche, okay?“, giftet sie zurück und stützt sich mit den Ellbogen auf, während ich herumwirble und den Inhalt ihrer hässlichen, pinken Handtasche auf das Bett leere. Mir ist schlecht.

Schminkutensilien kullern auf das Laken, eine Bürste, ihr Handy und schließlich auch ihr Slip. Ich hebe ihn mit zwei spitzen Fingern hoch und halte ihn prüfend ins Licht, aber das eigentlich gar nicht nötig, um erkennen zu können, in welchem untragbaren Zustand er sich befindet.

„Wer“, ist das Einzige, das ich mit Müh und Not herausbringe. Irgendjemand hat in meinem Hirn gerade das Licht ausgemacht.

„Tom, es gibt genug Kerle, die besser sind als du. Jetzt reg dich nicht auf und komm wieder her.“

„Wer?!“, brülle ich so laut, dass sie ein erschrockenes Wimmern von sich gibt.

„Tom“, schnurrt sie dennoch keine zwei Sekunden später.

Ich drehe mich zu ihr um und schleudere ihr den verklebten String ins Gesicht.

„Du sagst mir auf der Stelle, mit welchem Wichser du mich betrogen hast, oder ich dreh dir deinen verdammten Hals um“, fauche ich und mache einen Schritt auf sie.

Sie zieht die Beine an, hört aber nicht auf zu grinsen. „Tom“, gurrt sie. „Schatz. Als ob wir zusammen wären.“

Was soll denn die Scheiße jetzt? Sie schiebt mit einem anderen rum, während ich arbeite, und meint, sie könnte dann auch noch irgendwelche Spielchen mit mir spielen?

„Weißt du, so gut bist du echt nicht. Um ehrlich zu sein, die letzten Male waren ganz schön langweilig.“

„Das klang aber eben noch anders.“

Sie schnalzt theatralisch mit der Zunge. „Oh ja, Tom, oh Gott, fick mich, ja, schneller“, seufzt sie flachatmig und erinnert mich dabei böse an gestern Abend. „Schon mal was von Orgasmus-Faken gehört, Süßer?“

Mein Mund klappt auf, aber es kommt kein Ton heraus.

„Weißt du was?“, sagt sie und schwingt sich vom Tisch. „Ich hab keinen Bock mehr auf so viel Aufwand für so mittelmäßige Ficks. Es war ganz geil, auch mal `nen Popstar gehabt zu haben, aber irgendwann verliert alles seinen Reiz. Schlag bei der nächsten einfach mal das Kamasutra auf, mit Technik soll man ja viel wettmachen können. Vielleicht hilft es.“

Sie schiebt ihre Sachen zurück in ihre Tasche, während ich wie festgewachsen in meiner Unterwäsche neben dem Bett stehe und versuche, mich für ihr Gift zu revanchieren. Ich schaffe es nicht. Meine Kehle ist zugeschnürt, mein Mund ausgetrocknet, meine Eloquenz hat sich sonst wohin verabschiedet.

Mit mir hat noch nie ein Mädchen Schluss gemacht. Nicht, ohne dass ich es nicht darauf angelegt hätte. Noch nie.

„Also danke für die Zeit und so. War ja zeitweise doch ganz nett, vor allem mit den andern Jungs. Wir können ja noch mal telefonieren, oder so.“

Die Tür fällt mit einem lauten Klacken ins Schloss und ich bin allein. Allein, halbnackt und stocksteif.

Evas String liegt auf dem Teppich vor dem Tisch und lacht mich schrill und höhnisch aus. Ich starre ihn an, als könnte ich ihn mit meinem Blick in Flammen aufgehen lassen, aber stattdessen verschwimmt meine Sicht und ich muss die Wuttränen wegblinzeln und die Zähne aufeinander beißen, um nicht zu schreien.

Nur eine Ische. Es war nur eine kleine billige Schlampe, die mich eben abserviert hat, die meinen Text geklaut hat. Ich weine nicht und ich weine erst recht nicht, weil ich irgendetwas anderes für sie übrig hätte als Hass, als Abscheu, als Ekel.

Ich spucke auf den Boden, auch um ihren widerlichen Schimmelgeschmack loszuwerden, und schlüpfe ungelenk in meine Baggys. Ich brauche Bill, jetzt sofort.

°

Eva kommt mir auf dem Gang entgegen. Sie heult vor Wut wie ein hysterisches Kleinkind.
„Arschloch!“, kreischt sie, sobald sie mich sieht. Welcher Idiot hat dem Weib jetzt schon wieder Drogen gegeben?

„Arschloch!“ Ihre Stimme schwankt zwischen Anklage und tränenersticktem Krächzen, sie selbst schwankt auf ihren hohen Absätzen, auf denen sie noch nie besonders elegant laufen konnte. Sie stakst wie ein Vogel. Ein zerzauster, verheulter, hysterischer Vogel.

Einen Moment lang befürchte ich, dass sie auf mich zustolpert, um mir eine zu scheuern, aber anscheinend will sie nur an mir vorbei zum Aufzug.

„Ich hasse euch!“, jault sie, bevor sie mit ihren Plastikkrallen auf die Aufzugknöpfe einsticht.

Euch?

Oh nein.

Oh nein, nein.

Mit zwei Schritten bin ich vor Bills Tür, klopfe, reiße sie auf und sehe mich meinem kleinen Bruder gegenüber, der wie der personifizierte Superlativ der Selbstgefälligkeit am Fensterbrett lehnt und raucht. Er legt den Kopf schief, zieht beide Augenbrauen nach oben und ascht hinter sich aus dem geöffneten Fenster.

„Na?“, fragt er und beißt auf sein Zungenpiercing.

Ich mache einen Schritt nach vorn, schließe die Tür hinter mir und lehne mich dagegen.

„Du hast sie gevögelt“, stolpert es aus meinem Mund und ich muss lachen. Ja, ich bin erleichtert.

Bill schnaubt und zieht an seiner Marlboro. „Nö.“

„Komm schon, kein Ding.“

„Tom“, sagt er gedehnt, drückt sich mit den Fußspitzen nach oben, so dass er auf dem Marmorbrett sitzt, und baumelt mit den Beinen. Er kichert, lässt seinen Blick scheinbar ziellos durch den Raum schweifen und fixiert mich dann. Sein Grinsen verschwindet augenblicklich.
„Nein“, sagt er kalt.

„Bill, das ist lächerlich. Ich bin nicht sauer auf dich deswegen.“

Ich bin es wirklich nicht. Wenn Bill etwas tut, dann ist das beinahe so, als würde ich es selbst tun. Schließlich sind wir Zwillinge und-

„Tom! Nein, nein und nein. In so was steck ich meinen Schwanz nicht rein.“

„Ach“, räuspere ich mich. Mein Hals ist auf einmal staubtrocken. „Wieso... wieso nennt sie dich dann ein Arschloch?“

„Hm?“
Unschuldsblick par excellence. Er verschweigt mir etwas, ich weiß es.

„Ach, sie hat sich in mich verknallt und wollte mir mitteilen, dass sie Schluss mit dir gemacht hätte, um mit mir zusammen sein zu können. Ich hab ihr gesagt, dass sie sich einen Typen in ihrer Gewichtsklasse suchen soll und sie rausgeworfen, als sie gemeint hat, sie müsste mich vollheulen.“

„Bill, sie hat mit einem anderen gepoppt. Erzähl mir keine Märchen!“

„Sie hat was?“ Er lacht, wirft den Kopf zurück und lacht. „Oh Tom, hat sie deinem Stolz ein Aua macht, hm?“ Eine Schnute ziehend rutscht er vom Fensterbrett hinunter, kommt zu mir und zieht mich eine Umarmung.

„Komm her, mein Armer“, säuselt er und streicht mir über den Rücken.

Ich stehe stocksteif da, umarme ihn nicht zurück. Ich kann spüren, wie er lächelt, ich sehe den hämischen Zug um seinen Mund vor meinem geistigen Auge, ich weiß, dass er es war. Was auch immer er gemacht hat, etwas hat er gemacht. Es ist seine Schuld.

„Du Arsch“, zische ich.

„Sch“, macht er und presst seinen Oberkörper gegen meinen.

„Du Arsch“, wiederhole ich lauter, schneidender. Er klammert sich an mich wie ein Äffchen, vergräbt sein Gesicht an meiner Schulter und plötzlich spüre ich etwas Feuchtes an meinem Hals.

„Du Arsch!“, heule ich, stoße ihn von mir und betaste hektisch die Stelle, die er eben noch geküsst hat. Er taumelt zurück, von seinem Lächeln ist nichts mehr geblieben. Stattdessen sind seine Züge verzerrt wie die eines Kleinkindes, das zu einem herzzerreißenden Schrei ansetzt. Er keucht, öffnet und schließt den Mund wie ein Fisch und seine Augen glänzen wässrig.

Bevor ich ihn anschreien und dafür zur Sau machen kann, dass er aus purem Spaß an der Freude so mit meinem gottverdammten Ego umgeht, ist er schon wieder bei mir, packt mich an den Schultern und stoßt mich mit so einer Wucht nach hinten, dass ich stolpere und falle. Ich bekomme den Kragen seines T-Shirts zu fassen und reiße ihn mit, rolle mich über ihn und prügle blind auf ihn ein. Er wehrt sich, tritt, flucht, wälzt uns herum und schlägt meinen Kopf gegen den Boden, dass der dumpfe Knall sekundenlang in meinem Schädel widerhallt. Die Luft brennt, meine Rippen brennen, meine Wut brennt noch viel mehr und Bill brennt genauso. Er ist mein Zwilling, einen Gewinner gibt es nicht und wir teilen aus, stecken ein, ächzen und ringen nach Luft, bis sein Mund meinen findet und er in meine Unterlippe beißt. Wir schmecken Blut, als wir uns küssen, hart und stürmisch. Er reibt sich an meinem Bein, stöhnt und schiebt sich auf einmal mit seinem ganzen Gewicht auf mich. Seine Nase drückt er in die Kuhle über meinem Schlüsselbein und sein Brustkorb hebt und senkt sich ruckartig.

„Du gehörst mir“, wimmert er und krallt sich in meine Dreads. „Du gehörst mir, du gehörst mir, du gehörst mir.“

Er ist schwer, er tut mir weh, aber ich lasse ihn gewähren, löse nur seine rechte Hand aus meinen Haaren und verflechte seine Finger mit meinen.

„Nur dir“, flüstere ich und das Beben in seinem Körper versiegt langsam. Ich war so blind.

„Sie hat mir nichts bedeutet“, murmle ich, streichle seinen Rücken, seinen Nacken, seine nasse Wange. Es klingt ausgelutscht, wie aus einem Groschenroman ausgeschnitten. Nicht gut genug für ihn, aber ich kann es nicht besser.

„Du bist nicht an dein Handy gegangen“, schnieft er gegen meine Halsbeuge.

„Ich hätte heute Schluss gemacht, wenn sie mir nicht zuvorgekommen wäre.“

„Sie hat dich Schatz genannt.“ Er spricht den Kosenamen aus, als würde er ihm die Zunge zerschneiden.

„Bill.“

„Du warst mit ihr weg. Du-“

„Bill, ich ersticke bald.“

„Oh.“

Er stemmt sich hoch und setzt sich auf seine Fersen. „Danke“, nuschle ich, atme tief ein und setze mich ebenfalls auf. Bills Augen sind rot und verquollen, sein Make-up ist ihm in schwarzen Schlieren über die Wangen gelaufen. Er sieht schrecklich aus.

„Ich... es war Faulheit, Bill. Ich hatte keinen Bock mehr, mir jeden Abend den gleichen Stress anzutun und sie war leicht hinzuhalten. Ich wollte nie eine Beziehung mit ihr, oder so was. Ich wollte ficken können ohne mir vorher stundenlang den Mund fusslig reden zu müssen. Mehr nicht.“

Bill schluckt und fährt sich mit dem Handrücken über die Nase. Er verlagert sein Gewicht von einer Ferse auf die andere und wieder zurück.

„Es tut dir nicht Leid, was?“, frage ich.

Er schlägt die Augen zu Boden und murmelt: „Scheißweh, Tom, scheißweh.“

„Warum hast du nichts gesagt?“

Er zuckt mit den Schultern.

„Dein Stolz hatte Aua.“

Er schlägt sein Piercing gegen seine Zähne, ich kann es klacken hören. Tief durchatmen.

„Hör mir mal zu, du Arsch – denn das bist du. Ich, Tom Kaulitz, liebe dich, Bill Kaulitz, so sehr wie sonst überhaupt gar nichts auf der Welt oder sonst wo. Wenn ich dich heiraten könnte, ich würd´s sofort machen, weil du der einzige Mensch bist, bei dem ich es ganz sicher nie bereuen würde.
Aber ich hab einen Schwanz, Bill, und der braucht Aufmerksamkeit. Weibliche Aufmerksamkeit. Ich muss rausgehen und Weiber verräumen können, ohne dass du austickst. Sonst kann ich das nicht. Ich gehör dir und ich würde dich niemals hintergehen und jemand anders über dich stellen, aber ich kann dir nicht treu sein. Bill, ich-“

„Schon klar“, unterbricht er mich und lächelt zaghaft.

Ich seufze erleichtert und lehne meine Stirn an seine. „Du bist scheiß anstrengend.“

„Du liebst mich“, gluckst er leise.

Und wie.


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