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Straßenköterblond - P12 (Oneshot)

Titel: Straßenköterblond
Autor: unverdorben
Charaktere: Bill, Tom
Rating: P12
Warnungen/Genre: Gen, Bruderliebe
Zusammenfassung: Kein Glamour, keine Klasse, nur eine alltägliche Promenadenmischung.
Disclaimer: Die Herren K. gehören sich selbst.
Kommentar: Geschrieben für die Sommerchallenge auf 120_minuten. Soundtrack gibt´s hier.


Toms Haare sind straßenköterblond. Schon immer. Sie sind die einzige Konstante in Bills Leben und ausgerechnet schmutzig gelb, mit dunkleren Strähnen wie von frisch Erbrochenem. Sie glänzen auch nicht besonders schön. Sie sind nichts Ausgefallenes. Sie sind filzig und lang und eben straßenköterblond.
 
Tom ist auch nichts Besonderes. Junge Männer wie ihn gibt es an jeder Straßenecke und das ist genauso abwertend gemeint, wie es klingt. Tom ist straßenköterblond wie seine Haare, seine Manieren filzig und die Liste seiner schlechten Eigenschaften lang.
Genau genommen ist Tom ein Straßenköter, den man eingefangen, gebadet, gestriegelt und an die Leine gelegt hat.
 
Und dieser Straßenköter ist Bills Konstante. Kein Glamour, keine Klasse, nur eine alltägliche Promenadenmischung. Man kann nicht mit ihm angeben – nicht, wenn man weiß, wie Tom aussieht, wenn ihm niemand die Zecken aus dem Fell bürstet. Er kann auch keine großartigen Kunststücke und wehrt sich heftig dagegen, wenn man ihn mit Schleifen und teuren Halsbändern herausputzen will. Es ist ihm anzusehen, dass er von der Strasse stammt und nicht vor Mülltonnen zurückschreckt.
 
Was Tom sagt, ist straßenköterblond. Was er bellt, erst recht. Es gibt für ihn kein Halten mehr, wenn er eine läufige Hündin wittert, und er hinterlässt seine dreckigen Pfotenabdrücke auf dem weißen Designersofa, das Bill ausgesucht hat. Tom wäre auch mit einem Hundekörbchen zufrieden gewesen, Hauptsache bequem.
 
Wenn man Tom ein Spielzeug hinwirft, ist er selig. Am liebsten sind ihm solche, die quietschen, wenn er darauf herumkaut. Im Geschäft bekommt man sie, indem man nach „Auto“ oder „Mädchen“ verlangt und seine Kreditkarten auffächert.
 
Es gibt nichts an Tom, das nicht straßenköterblond wäre. Bills Konstante ist straßenköterblond, von oben bis unten. Man hat schon oft versucht Tom einzufärben, aber das Straßenköterblond hat immer wieder durchgeschimmert und die neue Farbe ist so schnell abgeplatzt wie die Schlammkruste von einem Schwein, das sich im Dreck gesuhlt hat.
Bill ist froh darüber. Sein neues Handy musste rot sein, knallrot, um jeden Preis, und nach drei Wochen konnte er es nicht mehr sehen. Das grüne Shirt, das er letzte Woche sogar aus der Schmutzwäsche gezerrt und notdürftig gesäubert hat, um es zum dritten Mal hintereinander anzuziehen, liegt jetzt zerknüllt ganz hinten im Schrank.
Straßenköterblond ist eigentlich keine Farbe. Man kann sich nicht an ihr satt sehen.
 
Bill würde Tom nie sagen, dass er straßenköterblond ist. Tom hält sich für einen Dobermann mit schwarz gleißendem Fell. Für den weizengelben Labrador, den alle süß finden und stürmisch umarmen, obwohl ihre Kehle dann in unmittelbare Reichweite seines Fangs kommt. Tom findet sich weiß und schwarz und champagnerfarben. Manchmal walnuss- oder nougatbraun. Auf keinen Fall straßenköterblond.
 
Tom würde seine Haare nie filzig nennen. Aber sie sind es. Sie sind es jedes Mal, wenn Bill alle Ringe abnimmt und sie durch seine Finger gleiten lässt. Nur so kann man Toms Haare kämmen, mit bloßen Händen.
Bill zupft ganz langsam und bedächtig an den Spitzen, bevor er behutsam die einzelnen Dreadlocks voneinander trennt, damit sie an der Wurzel nicht zusammenwachsen. Er reibt sie mit Wachs ein wie lebende Tiere. Tom sagt nichts. Es gibt keine Worte wie „girly“ oder „schwul“, wenn sie allein zu zweit sind. Dann ist alles straßenköterblond und sie putzen sich gegenseitig die Flöhe aus dem Fell und zerbeißen sie mit einem Knacken.
 
Bill duldet keine anderen Fänge in seinem Fell. Es muss straßenköterblond sein, wenn er seine Muskeln lockert und das Gefühl, verrückt zu werden, an die Oberfläche tauchen lässt. Toms straßenköterblonder Atem beruhigt ihn. Toms straßenköterblonder Brustkorb ist wie ein Instruktionsvideo, das ihm vormacht, wie man Luft holt, wenn er es vergessen hat.
 
Wäre Tom nicht straßenköterblond, wäre er nicht Tom. Er wäre irgendein junger Mann, der Bills Hotelzimmer einen schrägen Anstrich verpassen würde. Die Wände wären knallbunt, hier edel und ausgewogen komponiert, dort verschmiert und ausgewaschen. Bill würde über Farbeimer stolpern. Überall lägen benutzte Pinsel herum, Überbleibsel von diesem oder jenem Experiment, und es würde nach Terpentin stinken. Bill kann den Geruch von Lösungsmitteln nicht ausstehen. Man müsste vorher alles abkleben, damit der Teppich keine Flecken bekommt, und aufpassen, dass die Leiter stabil steht, bevor man anfängt, die Decke zu streichen.
Straßenköterblond ist keine schöne Farbe, aber sie färbt auch nicht ab.
 
Tom ist am straßenköterblondesten, wenn Bill ihn vom Beifahrersitz aus beobachtet. Wenn sie nach Hause fahren, ist es draußen nachtschwarz, taubengrau und neongelb, drinnen straßenköterblond. Toms Haare fallen filzig und lang auf seine Schultern und Bills straßenköterblonder Sitz ist wie eine ledrige Hand, in der er sich einrollen kann. Sein Rücken weist zum Fenster, seine müden Augen betrachten Tom. Wenn sie den ganzen Tag gestrahlt haben, ist abends alles zu grell für sie. Alles außer straßenköterblond. Es spielt keine Rolle, ob Bill seine Augen schließt oder nicht – das Bild ist das gleiche.
 
Wenn sie länger fahren, lässt Tom Bills Scheibe herunter. Dann rutscht Bill tiefer in die Polster, streift sich die Stiefel von den Füßen und stellt seine Sohlen auf das Armaturenbrett. Im Spätsommer schmeckt die Nachtluft wie Weißwein und Tom passt auf, dass Bill sich nicht heillos betrinkt.
Wenn sie länger fahren und das Straßenköterblond durch seine Poren bis in sein Herz gekrochen ist, legt Bill den Kopf in den Nacken und sieht in die Farben am Himmel. Manche von ihnen haben gar keinen Namen. Niemand weiß genau, was sie sind. Sterne, Flugzeuge, Planeten, Satelliten. Glühwürmchen oder Sonnen.
 
„Die stoßen zusammen“, raunt Bill. Tom lächelt straßenköterblond.
 
„Dein Ansatz“, flüstert er zurück. Und Bill klappt den Sonnenschutz herunter und mustert seine Haare im Spiegel. Wenn man sie mit den Fingern auseinanderdrückt, kann man einen Streifen zwischen Kopfhaut und tiefschwarzer Tönung erkennen – ganz schmal zwar, aber untrüglich straßenköterblond.


 
Tags: [genre] gen, [rating] p12
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